Erste Schritte auf der Bühne, die die Welt bedeuten beim Verein Bühne Thurtal in Wil

Seit rund einem Jahr üben die Mitglieder des Vereins Bühne Thurtal verschiedene Schauspieltechniken. Das Ziel ist dabei nicht primär ein Auftritt vor Publikum, sondern das Experimentieren und Erlernen der Grundlagen des Bühnenspiels.

Gianni Amstutz
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Roland Hefti (rechts) beobachtet die Schauspieler beim Aufführen einer Szene. (Bild: Gianni Amstutz)

Roland Hefti (rechts) beobachtet die Schauspieler beim Aufführen einer Szene. (Bild: Gianni Amstutz)

Der bald einjährige Verein Bühne Thurtal ist kein klassischer Theaterverein. Zwar steht auch bei ihm die Schauspielerei im Zentrum, doch geht es in der Regel nicht um das Hinarbeiten auf eine Aufführung, sondern das Erlernen und Vertiefen der Grundlagen. «Während den Proben für ein Stück bleibt oft wenig oder gar keine Zeit dafür», sagt Vereinspräsidentin Jacqueline Gübeli, die selbst vor rund einem Jahr mit dem Bühnenvirus infiziert wurde.

In den Übungsabenden, die der Verein für seine 27 Mitglieder einmal pro Monat veranstaltet, bietet sich hingegen genug Zeit, sich eingehender mit Techniken zu beschäftigen – und auch zu experimentieren. Das könne für Einsteiger nützlich sein, aber auch erfahrenen Schauspielern helfe es, frei vom Druck einer Aufführung und ohne fixe Rollenzuteilung Dinge auszuprobieren und sich in Theorie und Praxis mit verschiedenen Ansätzen auseinanderzusetzen, sagt Roland Hefti, künstlerischer Leiter des Vereins. So überrascht es wenig, dass sich die Gruppe aus Personen zusammensetzt, die 40 Jahre Bühnenerfahrung haben und solchen, die gerade erst die ersten Schritte auf den Brettern, die die Welt bedeuten, wagen.

Basis für die Freilichtspiele legen

Jeder Übungsabend ist einem Thema gewidmet. Vom Darstellen von Emotionen über den Umgang mit der Stimme bis hin zur Bühnenpräsenz wird während zweieinhalb Stunden vertieft an schauspielerischen Grundlagen gearbeitet. Damit soll unter anderem die Basis gelegt werden für die Freilichtspiele der Bühne Thurtal.

Der Verein ist eigenständig, ging aber aus der Bühne Thurtal hervor. Ein Grossteil der Mitglieder hat denn auch bereits an einem oder mehreren Freilichtspielen der Bühne Thurtal, so auch beim «Ueli Bräker – der arme Mann im Tockenburg» in diesem Sommer, teilgenommen.

Aktuell studiert ein Teil der Vereinsmitglieder ein Gesellschaftsdrama ein, um das Gelernte auch auf der Bühne anzuwenden. Roland Hefti, der beim Stück Regie führt, ist es dabei wichtig, dass die Schauspieler ihre Rollen nicht bloss spielen, sondern sie als Ganzes verkörpern, so denken, fühlen, sprechen und handeln, wie es ihre jeweiligen Charaktere würden.

Tue man das nicht, behelfe man sich häufig mit Klischees. Etwas, was Hefti gar nicht ausstehen kann. «Wenn jemand beispielsweises eine verärgerte Person spielt, muss diese nicht mit erhobener Stimme sprechen.» Denke man an Situationen aus dem eigenen Alltag, bemerke man schnell, dass sich Gefühle oft unterschwelliger äusserten. Um dies auf die Bühne zu transportieren, sei es deshalb wichtig, den Charakter zu leben und seine Reaktion auf bestimmte Ereignisse zu verstehen.

Bei der Probe einer Szene für das Stück, das Mitte Juni in der Lokremise Wil aufgeführt werden soll, wird schnell klar, wie Hefti seine Philosophie umsetzen will. Kaum hat die Szene begonnen, unterbricht er die Schauspieler ein erstes Mal. Er verteilt Anweisungen zum Timing, zur Stimmfarbe, Mimik, Gestik und Körperhaltung. Jedoch nie ohne dabei zu erklären, wieso eine Figur sich so bewegen sollte oder dieses Gefühl zum Ausdruck kommen muss. Meist fordert er die Schauspieler auch auf, selbst eine Antwort auf die Frage zu finden, wieso ihr Charakter in dieser Situation so handelt oder etwas sagt und ihr Schauspiel dementsprechend anzupassen. Diese Vorgehensweise hat viel mit Heftis eigenem Verständnis der Schauspielerei zu tun. Er schreibe jeweils einen ganzen Lebenslauf, wenn er eine Rolle spiele. Wie sah die Vergangenheit der Person aus, welchen beruflichen Hintergrund hatte sie und wie wirkt sie auf andere: All das seien Fragen, die er zu beantworten versuche, um «aus dem Bauch heraus spielen zu können», wie er es nennt.

Schauspieler bringen eigene Ideen ein

So schreitet die Probe voran. Immer wieder unterbricht Hefti die Szene, um Anmerkungen zu machen und Tipps zu geben. Die Gefühle sollen spürbar sein, ohne übertrieben zu wirken. Hefti versteht es aber auch, Vorschläge und Anregungen der Schauspieler aufzunehmen und einfliessen zu lassen. «Ich denke, es würde besser passen, wenn meine Rolle hier in sich zusammengekauert dasitzt, anstatt einfach so rumzustehen», sagt eine Schauspielerin. «Wenn du es fühlst, dann mach es», antwortet der Regisseur kurzerhand. Denn Authentizität auf die Bühne zu bringen ist ihm wichtig.

Hinweis
Am Donnerstag, 29. November, findet um 19.30 Uhr in der Aula des Mattschulhauses ein Übungsabend statt. Wer unverbindlich reinschnuppern möchte, kann einfach vorbeikommen. Infos: www.vereinbuehnethurtal.ch oder direkt bei Jacqueline Gübeli unter 071 940 03 25 oder per Mail verein@buehnehturtal.ch.