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Erst Flawil, dann der Gotthard

Michael Hug
Geschäftsführerin Sabina Gränicher fühlt sich im hauseigenen Gemüsegarten der Wirkstatt Auboden sichtlich wohl. (Bild: Urs M. Hemm)

Geschäftsführerin Sabina Gränicher fühlt sich im hauseigenen Gemüsegarten der Wirkstatt Auboden sichtlich wohl. (Bild: Urs M. Hemm)

Stampfend, dampfend und rauchend kommt sie daher, wie ein Tier aus der Vorzeit, schwarz der stählerne Koloss, dunkelgrau die Rauchfahne, die sie ausstösst. Dann ein Schwenk aufs Nebengleis, zischend und nur noch kleinlaut dampfend fährt sie unter der Krankenhausbrücke durch, bestaunt von Zaungästen, auf Chip gebannt von den zahlreichen Hobbyfotografen mit Handys und Kameras, von grossen Kinderaugen verfolgt, bis er stehen bleibt, diese schwarze, schnaubende Dragonerin aus dem letzten Jahrtausend.

Wie eine Eilmeldung verbreitete sich am Freitagabend das Gerücht, dass eine kapitale Dampflokomotive am Samstag in Flawil einfahren würde. Nicht zur Show und nicht einfach so, sondern mit einem triftigen Grund werde die Lok mit dem technischen Namen «C 5/6 2969» und der trivialen Bezeichnung «Elefant» in Flawil Halt machen: Sie wird nämlich Durst haben, braucht Wasser, und das nicht zu wenig.

Schon damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Dampflokomotiven das Schienenbild prägten, brauchten diese Zugmaschinen des aufkommenden Eisenbahnzeitalters zwei Dinge, die ihr stampfendes Herz am Leben hielten: Kohle und Wasser. Im Führerstand arbeiteten darum stets zwei Männer: der Lokomotivführer und der Heizer. Das eine, die Kohle, führte jeder Lok im sogenannten «Tender» mit und man kam mit dem Zug so weit, bis die Kohle aus war. Doch so viel Wasser, wie die Dampfmaschinen brauchten, konnte gar nicht mitgeführt werden. Also hielt ein Dampfzug alle paar Bahnhöfe für etwas länger als nur zum Ein- und Aussteigen an und bunkerte Wasser.

Wegen seiner Kraft «Elefant» genannt

Wasser braucht eine Dampflok deshalb, weil die verdampfte Form den Energieübertrager spielt und der Druck des Wasserdampfs im von Kohle beheizten Druckkessel die Räder an- und somit die Lok vorwärtstreibt. Doch der Dampf kann nicht zweimal verwendet werden und so strömt er eben in die Umgebungsluft, wenn er seinen Dienst getan hat. Darum raucht eine Dampflokomotive nicht nur, sondern dampft auch ganz gehörig.

Die «C 5/6 2969» des Vereins Eurovapor aus Sulgen hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Zwischen 1913 und 1917 wurden bei der SLM in Winterthur 28 Stück davon gebaut. Die SBB war Auftraggeber und setzte die wegen ihrer schieren Kraft bald einmal «Elefant» genannten Zugmaschinen bis 1968 am Gotthard ein. Mit ihren knapp 1700 PS konnte sie einen Zug von 320 Tonnen bei 26 km/h über den Gotthard ziehen. Im Flachland sogar Züge von 1000 Tonnen. Von den einstigen 28 Loks sind nur zwei noch erhalten. Darunter die Nummer 2969, die in den vergangenen Jahren von den Freiwilligen der Eurovapor vollständig restauriert wurde.

Vor 20 Jahren stand sie noch als nicht fahrbereites Denkmal in Winterthur. Nun erfolgte am Samstag die letzte aller Probe- und Kontrollfahrten, bevor sie am nächsten Wochenende erstmals nach 49 Jahren wieder über den Gotthard fährt. Notabene am 101. Geburtstag der C 5/6 2969. Es gibt noch freie Plätze: www. lok­remise-sulgen.ch

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch

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