ERÖFFNUNG: Eine Moschee der offenen Türen

Heute beginnt für die Muslime der Fastenmonat Ramadan. Doch bereits gestern war für viele von ihnen ein spezieller Tag. Zum ersten Mal fand in der neuen Moschee in Wil das Freitagsgebet statt.

Gianni Amstutz
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Die Muslime knien zum Gebet nieder. Zum ersten Mal konnten sie das am Freitag in der neuen Moschee in Wil tun. (Bild: Gianni Amstutz)

Die Muslime knien zum Gebet nieder. Zum ersten Mal konnten sie das am Freitag in der neuen Moschee in Wil tun. (Bild: Gianni Amstutz)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

«In unserer Moschee ist jeder willkommen.» Imam Bekim Alimi nutzt seine erste Predigt in der kürzlich eröffneten Moschee in Wil, um nochmals zu betonen, was er bereits im Vorfeld immer hervorgehoben hat: Offenheit auch gegenüber Andersgläubigen. Dass das nicht nur leere Worte sind, bewies die Islamische Gemeinschaft Wil an der Eröffnung des neuen Bauwerks, zu der die gesamte Bevölkerung aus Wil eingeladen war.

Bereits eine halbe Stunde vor dem Beginn des Gebets ist die Moschee bis auf den letzten Platz gefüllt. Alimi sitzt vorne und spricht über ein Mikrofon zu den Anwesenden. Pünktlich um 13.30 Uhr beginnt die eigentliche Gebetszeremonie.

Dank an die Wiler Institutionen

In einer für Aussenstehende nicht erkennbaren Reihenfolge wechseln sich der Imam und ein weiterer Mann damit ab, Koranverse vorzusingen. Manchmal erhalten sie von den Anwesenden, die ihre Handflächen nach oben geöffnet halten, eine Antwort auf das Vorgetragene. Dann plötzlich erheben sich alle zum Gebet. Dabei betet jeder der Gläubigen in seinem eigenen Tempo und für sich selbst. Zuerst beugen sich die Männer vor und stützen sich mit ihren Händen auf ihre Knie. Nachdem sie sich kurz nochmals erheben, knien sie sich hin und berührten mit ihrer Stirn den Boden. Diesen Vorgang wiederholen sie mehrmals. Erst dann folgt die Predigt von Bekim Alimi. Seit 2004 halte er diese auf Deutsch, damit sowohl Muslime aus verschiedenen Ländern als auch andersgläubige Gäste, denen die Türen der Moschee jederzeit offenstehen, sie verstehen würden, erklärt der Imam. «Denn je mehr verschiedene Leute zu uns in die Moschee in Wil kommen, ungeachtet ihrer Herkunft oder ihres Glaubens, desto heller wird diese leuchten.» Bereits am alten Standort an der Titlisstrasse habe man Gäste jederzeit willkommen geheissen. Im Islamischen Begegnungszentrum zeigt sich dieser Gedanke nun auch in Form einer Zuschauertribüne, von wo aus die Gäste den Gebeten beiwohnen können. Zudem nutzt Alimi seine erste Predigt in der neuen Moschee, um den Institutionen der Stadt Wil zu danken. Diese seien stets kooperativ gewesen und hätten den Bau der neuen Moschee unterstützt. Dann bitten er und die anderen Gläubigen Allah darum, alle Personen, die am Bau der Moschee beteiligt gewesen sind, reichlich zu belohnen.

Nach der Predigt erheben sich alle Gläubigen zum erneuten Gebet. Dieses Mal jedoch führen sie das Ritual gemeinsam durch. Immer wieder sind dabei die Worte «Allahu akbar» zu hören. Sinngemäss übersetzt bedeuten diese «Gott ist gross». Es sei schade, dass manche diesen Satz für ihre Zwecke missbrauchen, erzählt ein Mann nach dem Gebet. Schliesslich stecke in dem Satz nichts Böses. Leute, die den Glauben als Vorwand für Verbrechen ausnutzten, seien keine richtigen Muslime. Bereits im Vorfeld der Eröffnung wurde die Wiler Moschee in den Medien als Vorzeigeprojekt betitelt. Denn in Wil wird ein fortschrittlicher Islam gelebt. Ein Islam, der Offenheit gegenüber Andersgläubigen gross schreibt und den Dialog mit der Bevölkerung nicht meidet, sondern gezielt sucht.

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