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Ernst Dobler – ein Gewerbler durch und durch

Nachruf
Philipp Stutz

Ernst Dobler war nicht nur Unternehmer und Politiker. Er war in erster Linie Gewerbler und präsidierte den kantonalen Gewerbeverband. Nun ist er im Alter von 88 Jahren von uns gegangen.

Ernst Doblers rhetorische Fähigkeiten waren legendär. Er mass sich gerne mit politischen Gegnern in der Debatte. Wer mit ihm zu tun hatte, wusste bald, dass er Ecken und Kanten hatte. Und wer sich mit ihm anlegte, hatte es schwer. Das betraf nicht alleine Politiker, sondern auch Journalisten. Differenzen aber waren meist schnell bereinigt. Seinen Ehrgeiz und seine Kämpfernatur lebte er in der Politik noch mehr aus als im Geschäftsleben. Er wusste aber auch, dass es motivierter Mitarbeiter bedarf, um als Unternehmer erfolgreich zu sein. Ernst Dobler hat Leistung verlangt, selbst Leistungsbereitschaft vorgelebt, aber diese auch honoriert. Aus Arbeitsverhältnissen entstanden Freundschaften. Und die Lehrlinge schätzten ihn als väterlichen, später als grossväterlichen Freund. Er zeigte sich immer besorgt um seine Familie.

Geboren wurde Ernst Dobler 1929 in der von der Industrie geprägten Arbeiterstadt Winterthur als Sohn eines Lokomotivführers. Die damaligen Kriegs- und Krisenjahre haben ihn geprägt. Das Bild mit dem Heer von Arbeitslosen, die auf der Schützenwiese mit Suppe und Brot verpflegt wurden, blieb ihm unvergessen. Seinen Zürcher Dialekt hat er nie verleugnet. 1959 konnte er das Elektrofachgeschäft von Christian Meisser in Oberuzwil er­werben. Seine Lebenspartnerin Annemarie Hardegger fand er in Wil. 1959 wurde geheiratet und das Geschäft eröffnet. Ein Jahr später kam Sohn Ernst auf die Welt, drei Jahre später Walter und 1965 seine Tochter Annemarie.

Als Unternehmer gehörte er dem Wirtschaftsflügel seiner Partei an. So wurde er 1966 in den Vorstand des kantonalen Gewerbeverbandes berufen. Von 1973 bis 1994 prägte er als dessen Präsident die Politik im Kanton massgeblich. «Er schätzte die Gewerbler – und die Gewerbler ihren Präsidenten», heisst es in der Todesanzeige. Stolz war Ernst Dobler auf sein Duzis mit dem Übervater der CSU, dem ehemaligen bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauss, seinem grossen Vorbild. Dies liess er sich sogar auf einer Karte zu später Abendstunde bestätigen. Für ihn gab es aber keine Standesunterschiede. Er verkehrte mit jedem gleich und vergass seine Herkunft nie. Er sagte immer: «Man darf seine Hausnummer nie vergessen.»

Als dann beide Söhne den Beruf des Elektrikers erlernten und er davon ausgehen konnte, seine Nachfolge in der Familie geregelt zu haben, war er hocherfreut. Ebenfalls freute es ihn, dass alle seine Kinder Legislativ- und Exekutivmandate auf kommunaler und kantonaler Ebene bekleideten, und dazu noch als Mitglieder seiner Partei.

Ernst Doblers politische Heimat war die konservativ-christlichsoziale Partei, heute CVP. 1964 wurde er in den Grossen Rat gewählt. Von 1975 bis 1987 amtete er als erster Vizepräsident der CVP des Kantons St. Gallen und 1983 für vier Jahre als Vorstandsmitglied der schweizerischen CVP. Wie sich dann aber die CVP entwickelte, passte ihm gar nicht. Den Kurswechsel weg vom Konservativen, der Raum für eine neue politische Kraft zuliess und den Abwärtstrend der einst stolzen Partei einleitete, bedauerte er zutiefst. Als er das Pensionsalter erreichte, gab er alle politischen Ämter ab und widmete sich wieder dem Unternehmen. Wer aber geglaubt hatte, er würde kürzertreten, der irrte sich. Ehe ihm ein Rückenleiden vor vier Jahren den Aufenthalt im Büro verunmöglichte, war er noch zwei Jahrzehnte im Betrieb tätig.

Um seine Gesundheit war es in der Folge immer schlechter bestellt. Ein Wechsel von der Wohnung ins Pflegeheim Wolfgang wurde unumgänglich. Er war dankbar, mit seiner Annemarie die letzten Monate umsorgt und gut aufgehoben leben zu können, und freute sich über jeden Besuch. Am 21. September ist Ernst Dobler gestorben. Er hinterlässt Spuren.

Philipp Stutz

Philipp.stutz

@wilerzeitung.ch

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