Erneuerbare Energien
Wiler Stadtrat will kleine Solaranlagen weniger fördern als bisher – und erntet Kritik aus dem Parlament: «Minimale Kommunikationsregeln nicht eingehalten»

Der Stadtrat hat beschlossen, im neuen Jahr grössere Solarstromanlagen mehr zu fördern, dafür kleinere weniger. Mit diesem Entscheid ist der Grüne-Politiker Guido Wick alles andere als einverstanden und fordert, dass der Entscheid zurückgenommen wird.

Sabrina Manser
Drucken
Die Förderbeiträge für kleinere Solarstromanlage in der Stadt Wil werden im neuen Jahr gekürzt.

Die Förderbeiträge für kleinere Solarstromanlage in der Stadt Wil werden im neuen Jahr gekürzt.

Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

«Mehr Geld für Solarstromanlagen.» So lautete vor einigen Wochen eine Mitteilung der Stadt Wil. Was auf den ersten Blick nach mehr Förderbeiträgen klingt, ist bei genauerem Hinschauen nicht zu 100 Prozent der Fall.

Die Stadt hat bei der Totalrevision des Energiefondsreglements entschieden, den Bau von grösseren Solarstromanlagen zu fördern und damit den Umstieg auf erneuerbare Energien zu beschleunigen, heisst es in der Mitteilung. Der maximale Förderbeitrag pro Solarstromanlage wird deshalb auf 30'000 Franken verdoppelt. Mit der neuen Regelung können Solarstromanlagen mit einer Maximalleistung bis 100 Kilowattpeak statt wie bisher 30 Kilowattpeak gefördert werden. Damit diese Verdoppelung aber finanzierbar ist, wird der Beitrag pro Kilowattpeak auf 300 Franken reduziert. Das heisst: Für kleinere Anlagen gibt es weniger Geld.

Das neue Reglement tritt ab dem 1. Januar 2023 in Kraft.

Unverständlicher Entscheid

Guido Wick, Stadtparlamentarier, Grüne Prowil

Guido Wick, Stadtparlamentarier, Grüne Prowil

Bild: Benjamin Manser

Alles andere als einverstanden, einerseits mit der Kommunikation und andererseits mit der neuen Regelung, ist Stadtparlamentarier Guido Wick von den Grünen Prowil. «Wenn in den Onlinenews der Stadt Wil weder im Titel noch im Lead von Kürzungen für kleine Photovoltaikanlagen die Rede ist, werden minimale Regeln der Kommunikation nicht eingehalten», findet Wick. «Zudem wäre es bei einer Kürzung von Fördermitteln üblich, zumindest eine vernünftige Übergangsfrist anzusetzen.»

Zudem lehnt Wick die Entscheidung, die «im stillen Kämmerchen» getroffen wurde, ab. Er sagt: «Wer in der jetzigen Situation erneuerbare Energien von kleinen Anlagen weniger fördert, hat den Ernst der Lage noch nicht verstanden.»

Von der Verdoppelung der Beiträge würden nur Firmen mit grossen Dachflächen profitieren, Ein- und Mehrfamilienhäuser hätten das Nachsehen. Wick hat deshalb eine Interpellation beim Stadtrat eingereicht. Darin schreibt er: «Unserem Land droht eine Energienotlage.» Und weiter: «Es sollte alles unternommen werden, damit weniger Energie verbraucht wird.»

Die Förderung der Photovoltaikanlagen sei in der Stadt Wil bisher gut gewesen, auch wenn eine Mehrheit sie noch nicht genutzt habe, so Wick. «Der Entscheid des Stadtrats ist vor diesem Hintergrund inhaltlich und zeitlich nicht nachvollziehbar.» Wick findet, dass jetzt eine verstärkte Überzeugungsarbeit und finanzielle Förderung angesagt sei.

Die Umsetzung neuer Photovoltaikanlagen sei vor allem bei Mehrfamilienhäusern sowie Stockwerkeigentümergemeinschaften mit einem grossen Aufwand und persönlichem Engagement verbunden. «Werden auch noch Fördergelder reduziert, wird die erfolgreiche Realisierung von vielen kleineren Anlagen noch schwieriger», so Wick.

Entscheid soll zurückgenommen werden

Wick verlangt nun, dass der Stadtrat den Entscheid zurücknimmt. Ansonsten wäre für ihn eine zielführende Änderung, dass die maximale Förderung von 500 Franken pro Kilowattpeak nur genehmigt werde, wenn die Antragsstellenden die gesamte geeignete Fläche für eine Photovoltaikanlage nutzen würden, statt nur jene für den Eigenbedarf.

Wick sagt ausserdem: «Ich erwarte, dass die Stadt transparent kommuniziert.» Wird an der Förderreduktion festgehalten, sollte es zumindest eine angemessene Übergangsfrist geben, damit die Leute eine Chance hätten, ein Projekt ohne Reduktion einzureichen.

Weiter will der Grüne-Politiker vom Stadtrat wissen, wie er dem Ausbau der Fotovoltaikanlagen in allen Segmenten einen Schub verleihen möchte. Zudem seien die Energieziele im «Kommunalen Klimaschutz Wil» seit dem Krieg in der Ukraine überholt. Wick findet, dass diese angepasst werden müssen.

Eine Antwort des Stadtrats ist bis zur Parlamentssitzung im Februar zu erwarten.