Erinnerung an eine «goldige» Zeit

Albert und Rosa Rüttimann übernahmen heute vor genau 50 Jahren den Klosterhof Rössli in Magdenau. Der ehemalige Land- und Gastwirt erinnert sich gerne an diese «goldige» und glorreiche Zeit.

Melanie Graf
Drucken
Teilen
Das ehemalige Wirtepaar Rosa und Albert Rüttimann: Ihre Erinnerungen gehören dem Klosterhof Rössli in Magdenau. (Bild: zVg.)

Das ehemalige Wirtepaar Rosa und Albert Rüttimann: Ihre Erinnerungen gehören dem Klosterhof Rössli in Magdenau. (Bild: zVg.)

Magdenau/Degersheim. Albert Rüttimann hat seine Memoiren verfasst. Eigentlich nicht für die Öffentlichkeit, mehr für seine zehn längst erwachsenen Kinder. Es sind Erinnerungen an die «guten alten Zeiten», welche er und seine Familie im Klosterhof Rössli in Magdenau verbracht hatten. Ein dicker Ordner dokumentiert das Leben des Mannes, welcher vor 50 Jahren, am 13. April 1961 genau, mit seiner Frau Rosa und fünf Kindern in die Wohnung des «Klosterhofs» zog. Im Jahr 1996, 35 Jahre und zwei Tage später, war die Ära Rüttimann im «Rössli» zu Ende. Seither wohnt das Ehepaar Rüttimann in einem netten Häuschen in Degersheim.

«Kunde war König»

Die Wiler Zeitung traf den Mann in seinem Zuhause in Degersheim. Im Mülidörfli wohnt er, sein Herz und seine Erinnerung aber hat er im Klosterhof Rössli in Magdenau gelassen. «Ohne Aufzuschneiden», Rüttimann hebt den Finger und öffnet den dicken Ordner, «bei uns war der Kunde ein wahrer König.» In seinem Gasthaus seien unzählige Verlobungs-, Taufen und Hochzeitsfeiern von statten gegangen. «Spitzen von Militär, Politik und Kirche haben sich bei uns wohl gefühlt», erzählt Rüttimann weiter. Banken, Vereine und Theaterfreunde hätten ihre Gaststube und den Saal gefüllt. Ärzte und Juristen hätten von ihren Hausspezialitäten vom Kalb, vom Schwein, Schaf und der Ente gekostet.

Tagelöhner und Klosterknechte

«Das <Rössli> war ein erfolgreiches Haus», so der ehemalige Wirt. Es sei seine Pflicht, allen zu danken. Ein Gast habe einst gesagt, im «Rössli» treffe man mehr Leute an Festlichkeiten als in Las Vegas. Doch dies sei nicht immer so gewesen, erinnert sich Rüttimann. «Als wir im Jahr 1961 das Restaurant übernahmen, war es heruntergewirtschaftet. Wir zogen am 13. April mit unseren damals fünf Kindern ein», erzählt der gebürtige Aargauer. Anfänglich hätten sie nur Klosterknechte, Tagelöhner und Tagediebe im Restaurant begrüssen dürfen, sonst sei niemand gekommen. Erst nach 13 Jahren hätten sie das erste grosse festliche Essen im Saal servieren dürfen. Nebst dem Gasthof betrieb die Familie auch den Bauernhof nebenan. Acht Kühe nannte Rüttimann sein Eigen. Die eigene Entenzucht lieferte die Grundlage, welche Rosa Rüttimann zur Spezialität des Hauses weiterverarbeitete.

Gäste von weit her

«Wir boten auch Gästezimmer an», erzählt der ehemalige Wirt, stolz darauf, dass die Leute auch von weit her nach Magdenau kamen. Rüttimann blättert im Ordner weiter. Unzählige Zeitungsartikel hat er gesammelt. «Wir wurden oft gerühmt», erinnert sich der 80-Jährige, der als Wirt oft ein Edelweiss-Hemd getragen hatte.

Er habe halt gewusst, dass Gastfreundschaft dass A und O sei. «Ich habe die Gastfreundschaft vorgelebt, das fehlt heute an vielen Orten», kritisiert er. Die Kinder halfen im Betrieb mit. Das Arbeiten in der Gastronomie beeinflusste sogar die Enkelkinder. 36 Enkelkinder haben Rosa und Albert Rüttimann, wovon einige der ältesten, laut ihrem Grossvater, erfolgreich in der Gastronomie Fuss gefasst hätten. «Wir haben Glück gehabt im Leben», sagt er. «Goldige Zeiten haben wir im <Rössli> erlebt. Bis zur letzten Minute haben wir gerne gewirtet», sagt Albert Rüttimann und schliesst seinen Ordner.