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Erika Schiltknecht ebnet den Weg in die Selbständigkeit - nächstes Jahr aber ist Schluss mit JUZ

Wer sich selbstständig macht, braucht Mut. Und guten Rat. Den gibt’s in Flawil bei Erika Schiltknecht, die Jungunternehmer bei ihren ersten Schritten begleitet.
Daniela Huijser
Seit 19 Jahren steht Erika Schiltknecht dem Jungunternehmerzentrum in Flawil als Leiterin vor. Nächstes Jahr allerdings ist Schluss: Die 63-Jährige geht in Pension. (Bild: Benjamin Manser)

Seit 19 Jahren steht Erika Schiltknecht dem Jungunternehmerzentrum in Flawil als Leiterin vor. Nächstes Jahr allerdings ist Schluss: Die 63-Jährige geht in Pension. (Bild: Benjamin Manser)

Die eigene Chefin, der eigene Chef zu sein – das wünschen sich viele. Und wie es so ist mit Wünschen: Manche gehen in Erfüllung, manche nicht. Denn der Schritt in die Selbstständigkeit ist ein grosser, schwieriger, zeitintensiver. An Stolpersteinen und Fallgruben mangelt es nicht. Eine, die das besonders gut weiss, ist Erika Schiltknecht. Seit 19 Jahren leitet sie in Flawil das Jungunternehmerzentrum, kurz Juz genannt.

Sie, die früher als Unternehmensberaterin und Liegenschaftenverwalterin selbstständig tätig war, berät im Juz all jene, die von einem eigenen Geschäft träumen. Das sind viele, wie die Statistik der letzten Jahre zeigt. 55 Jungunternehmer kamen 2018 zu Erika Schiltknecht und erzählten ihr von ihren Plänen. «Manche kommen mit einer Idee, andere mit einem ausgearbeiteten Businessplan. Manche sind gerade fertig mit der Ausbildung, andere gehen so langsam auf die Pensionierung zu», erzählt die 63-Jährige.

Chancen und Risiken Schritt für Schritt aufzeigen

Für die Beratungen sind unterschiedliche Eigenschaften gefragt: Erika Schiltknecht muss einfühlsam und verständnisvoll sein, aber auch ehrlich und direkt. Denn wer zum Juz kommt, erwartet eine konkrete Starthilfe. Mit Sachlichkeit, Erfahrung und klaren Worten reagiert die Juz-Leiterin. «Zum einen sind da die Vorschriften, Gesetze und Regeln, die je nach Berufsgruppe eingehalten werden müssen. Und zum anderen sind manche Ideen schlicht nicht finanzierbar.

Es gibt Geschäftsmodelle, von denen nie jemand ein genügendes Einkommen erwirtschaften könnte.» Da gilt es dann, Schritt für Schritt aufzuzeigen, wo es zum Scheitern kommen würde – und vielleicht zugleich neue Horizonte zu zeigen. Ob jemand die Einwände zur Kenntnis nimmt oder nicht, kann Erika Schiltknecht nicht beeinflussen.

Gewöhnlich gibt es nach der ersten Beratung im Juz ein weiteres Gespräch bei einem Betriebswirtschafter, das noch mehr Klarheit bringen kann. Gelegentlich erfährt sie später, wer den Schritt in die Selbstständigkeit wieder aufgegeben hat. «In Flawil treten viele dem Gewerbeverein bei, da treffen wir uns dann wieder. Und natürlich freut es mich, wenn ich Erfolgsgeschichten höre.»

Arbeitslosigkeit in Flawil Ende der 1990er-Jahre

Ihre eigene Laufbahn ist auch eine Erfolgsgeschichte: Ursprünglich machte Erika Schiltknecht einen Abschluss im Detailhandel, gefolgt von einer Weiterbildung an einer höheren Fachschule. Später arbeitete sie in unterschiedlichen Branchen, war meistens zuständig für Personal und Finanzen, interessierte sich für Informatik und bildete sich auch da weiter. Parallel dazu zog sie zwei Kinder gross und freut sich heute zusammen mit ihrem Ehemann über sechs Enkel.

Dass sie nunmehr seit 19 Jahren das Juz leitet, war nie geplant. «Ende der 1990er-Jahre hatten wir in Flawil sehr viele Arbeitslose, nachdem zwei grössere Unternehmen eingegangen waren. Damals suchte eine Gruppe Flawiler zusammen mit den Gemeindebehörden nach einer nachhaltigen Lösung. Es sollten verschiedene Arbeitsplätze und Kleinunternehmen geschaffen werden. Also wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, an der ich beteiligt war», erzählt die vielseitige Geschäftsfrau. «Die Studie zeigte auf, dass unter anderem ein Beratungszentrum für neue Unternehmen nützlich wäre.» So entstand schliesslich in Zusammenarbeit mit dem Kanton St. Gallen das Jungunternehmerzentrum (früher Tedi genannt). Beratungen gibt es heute an vier Standorten: Neben Flawil wird auch in Gossau, Wil und Wattwil ein Juz geführt.

Vom Handwerker bis zum Akademiker

Die positive Machbarkeitsstudie war natürlich erst ein vager Anfang. Wer sollte ein solches Zentrum aufbauen und leiten? Erika Schiltknecht wurde angefragt. Und sagte nach reiflicher Überlegung zu. «Ich wagte den Absprung aus meiner damaligen Tätigkeit und stieg beim Juz ein.» Damals wie heute arbeitet sie halbtags. Doch wo früher viel Aufbauarbeit ihre Zeit beanspruchte, sind es heute Jungunternehmer vom Akademiker bis zum Handwerker, die ihr Engagement erfordern. Gerade aus der Berufsgruppe der Handwerker kämen seit einigen Jahren immer mehr Ratsuchende ins Juz.

Trotz ihrer langjährigen Arbeit im Juz gibt es für Erika Schiltknecht immer noch Ideen, die sie überraschen. «Ich weiss noch, wie jemand zu mir kam und sagte, er wolle Software entwickeln, die aus der Cloud zu beziehen wären. Damals hatte noch kaum jemand von so etwas gehört und ich war skeptisch», erinnert sie sich. Heute seien aber zwei ehemalige Jungunternehmer mit grösseren Firmen erfolgreich; eine – die Glarotech GmbH – ist immer noch in der Region ansässig. «Das freut mich natürlich besonders, denn es ist wichtig, dass im Lokalen neue Betriebe, neue Firmen entstehen.»

«Seit der Gründung haben wir bereits 1600 Menschen beraten und damit in unserer Region 3600 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten.»

Kürzlich überraschte sie das Geschäftsmodell einer Trauerbegleitung. «Da merke ich manchmal, dass ich nicht zu konservativ werden darf, sondern offen bleiben muss für Neues», räumt die Juz-Leiterin ein. Diese Offenheit bewahrt sie sich auf vielfältige Weise: Zum einen mit Netzwerken, etwa im Gewerbeverein Flawil. Zum anderen auch mit ihrem Amt im Gemeinderat, bei dem die FDP-Frau seit 15 Jahren Mitglied ist.

Pensionierung im nächsten Jahr

Gelegentlich aber möchte sie auch Abschalten, den Kopf lüften. Das gelingt ihr besonders gut beim Malen, einem Hobby, das Erika Schiltknecht seit vielen Jahren intensiv pflegt. «Wir bauten bei unserem Haus sogar ein Atelier mit idealen Lichtverhältnissen an», sagt sie und strahlt. Freude bereitet ihr auch Eyra, ihre karamellfarbene Lagotto-Hündin. Täglich begleitet sie sie ins Büro, trabt munter neben dem E-Bike her und geniesst ein paar Stunden ihre Ruhe unter dem Schreibtisch.

Nächstes Jahr wird ihre Besitzerin dann viel mehr Zeit haben: Erika Schiltknecht wird pensioniert und beim Juz aufhören. Die Pläne sind geschmiedet: «Mein Mann ist schon pensioniert, und gemeinsam werden wir mit unserem Camper durch Europa reisen», sagt sie voller Vorfreude. Zufrieden und glücklich blickt sie auch zurück auf ihr Engagement beim Juz: «Seit der Gründung haben wir bereits 1600 Menschen beraten und dadurch wurden in unserer Region insgesamt 3600 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten.» Zahlen, die sie mit Stolz erfüllen, denn: «Ich war bei all diesen Unternehmen von Anfang an mit dabei.»

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