Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Erika Häusermann (GLP) kritisiert Stadtrat Dario Sulzer wegen
steigender Sozialhilfekosten

Die Sozialpolitik des Stadtrats sei wirkungslos, findet Stadtparlamentarierin Erika Häusermann. Eigene Lösungen präsentiert sie keine, fordert aber einen Wechsel an der Spitze des Departements.
Gianni Amstutz
Erika Häusermann will Dario Sulzer als Vorsteher des Departements für Soziales, Jugend und Alter bei den nächsten Wahlen durch einen bürgerlichen Politiker abgelöst sehen. (Bild: PD)

Erika Häusermann will Dario Sulzer als Vorsteher des Departements für Soziales, Jugend und Alter bei den nächsten Wahlen durch einen bürgerlichen Politiker abgelöst sehen. (Bild: PD)

«Wer denkt, mit einem Stellenausbau die Sozialhilfekosten nachhaltig stabilisieren zu können, glaubt an Wunder.» Dies sagt Erika Häusermann von der GLP in Anlehnung an die vergangene Parlamentsdebatte. Dort sorgte eine Interpellation zu den steigenden Sozialhilfekosten für rege Diskussionen, weshalb sie sich nun mit einer Stellungnahme an diese Zeitung wandte. Als Antwort auf die Frage, wie die Stadt gedenke, die steigenden Kosten in der Sozialhilfe in den Griff zu bekommen, prüft der Stadtrat einen Ausbau der Arbeitsintegration. Erstrebenswert wäre eine Fallbelastung von 80 Fällen pro 100 Stellenprozent. Derzeit liegt das Verhältnis bei 102 Fällen pro Vollzeitstelle.

«Die Zahlen sprechen eine andere Sprache»

GLP-Stadtparlamentarierin Erika Häusermann. (Bild: PD)

GLP-Stadtparlamentarierin Erika Häusermann. (Bild: PD)

Mehr Stellen in der Arbeitsintegration? Sowohl für Interpellant Benjamin Büsser von der SVP als auch für Erika Häusermann ist dies nicht die Lösung. Eine solche präsentieren kann Erika Häusermann allerdings auch nicht. Das sei schliesslich Aufgabe des Stadtrats. Klar sei hingegen, dass die Strategie eines stetig wachsenden Personalbestandes nicht zielführend sei, so die GLP-Politikerin. «Die Zahlen sprechen eine andere Sprache», sagt sie.

Seit der Einführung der Arbeitsintegration sei die Anzahl Personen, welche im sogenannten 1. Arbeitsmarkt eine Stelle gefunden hätten, sogar zurückgegangen. Tatsächlich ist sowohl der relative Prozentsatz als auch die absolute Anzahl Abmeldungen aus der Sozialhilfe von 18,8 Prozent (168 Personen) 2013 auf 14,7 Prozent (158 Personen) 2017 gesunken. «Die Arbeitsintegration nahm ihre Arbeit erst im Laufe des Jahres 2013 auf. Die positiven Auswirkungen, welche sich in den Folgejahren zeigen sollten, blieben aber aus», sagt Erika Häusermann. Sie sieht darin den Beweis für ihre These, wonach zusätzliche Stellen in diesem Bereich wirkungslos bleiben würden. «Im Jahr 2017 fanden nur 33 von 1074 Sozialhilfebeziehenden eine Stelle im 1. Arbeitsmarkt. Das sind magere 3,1 Prozent.»

Kinder und Pensionierte unter den Sozialhilfefällen

Diese Rechnung könne man so nicht machen, sagt Stadtrat Dario Sulzer (SP), Vorsteher des Departements für Soziales, Jugend und Alter (SJA). Schliesslich sei von den insgesamt 1074 Sozialhilfebezügern ein Teil noch Kinder, ein weiterer Teil im oder kurz vor dem Pensionsalter, bei anderen sei die Integration aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich.

Auch dürfe man nicht vergessen, dass in der Arbeitsintegration nicht alle Sozialhilfebezüger betreut werden könnten. Es müsse eine Priorisierung vorgenommen werden, bei der Personen mit höheren Chancen auf eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt bevorzugt würden. Der Bericht über die Arbeitsintegration an das Parlament vom August 2016 habe gezeigt, dass das System funktioniere, sagt Sulzer. Bei den erwachsenen Personen, welche die Beratungen abschlossen, nahmen rund 50 Prozent eine Erwerbstätigkeit auf.

Eine verfehlte Willkommenskultur?

Doch nicht nur die Prüfung zusätzlicher Stellen für die Arbeitsintegration ist Erika Häusermann ein Dorn im Auge. Auch für den generellen Anstieg der Sozialhilfequote auf 4,5 Prozent (Stand: 2017) sieht sie den Stadtrat in der Verantwortung. Schliesslich liege die Stadt Wil damit weit über dem kantonalen Durchschnitt von 2,2 Prozent oder vergleichbar grossen Städten wie Gossau mit 1,4 Prozent (2016) und Rapperswil-Jona mit 1,8 Prozent (2016). «Ist die Stadt derart attraktiv für Sozialhilfebezüger? Oder hat die Stadt eine Willkommenskultur aufgebaut?», fragt sie. Sie fordert eine Überprüfung der Ursachen dieses Umstands.

Dario Sulzer wendet ein, dass es viele Faktoren gebe, auf welche der Stadtrat keinen Einfluss habe, die aber eine hohe Sozialquote mit sich bringen würden. Dazu gehörten beispielsweise das Arbeitsplatzangebot, Zu- und Abwanderung nach beziehungsweise von Wil sowie die Zentrumswirkung der Stadt.

Häusermann will SJA unter bürgerlicher Führung

Die Wurzel des Problems verortet Erika Häusermann aber sowieso anderswo. Sie sieht diese in der Führung des Departements durch den zuständigen Stadtrat Dario Sulzer. Genauso wie bereits seine Vorgängerin Barbara Gysi (SP), die ebenfalls aus dem linken Lager gekommen sei, habe es Sulzer nicht fertiggebracht, das Departement und die hohen Sozialhilfekosten in den Griff zu bekommen. «Bei den nächsten Wahlen sollte es deshalb zu einem Wechsel der Führung des SJA kommen», sagt Erika Häusermann.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.