Er will nur die besten Maurer

WILEN. Anfang Juli treffen sich in Leipzig die besten jungen Maurer aus der ganzen Welt, um an den Wettkämpfen von World Skills einen Titel zu gewinnen. Ruedi Signer aus Wilen gewann 1997 Gold und sitzt heute als Maurer-Experte in der Jury.

Gjon David
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Mit 21 Jahren war er bei den Maurern Schweizer Meister. Mit 22 holte er bei den World Skills (Berufsweltmeisterschaften) in St. Gallen die Goldmedaille. Das war 1997. Heute ist Ruedi Signer 38 Jahre alt und noch immer in der Baubranche tätig. «Seit 13 Jahren arbeite ich als Bauführer Tiefbau bei der Firma Vetter AG in Lommis», sagt er. Der Vater von drei Kindern lebt mit seiner Frau seit mehr als sieben Jahren in Wilen bei Wil. Neben seinem Beruf engagiert sich Signer für die World Skills.

Arbeiten mit den Besten

Vor zehn Jahren suchte der Schweizerische Baumeisterverband einen neuen Chef-Experten für die nationalen und internationalen Meisterschaften.

Signer schickte sein Dossier und wurde prompt gewählt. «Ich wollte unbedingt dabei sein. Die internationalen Berufsmeisterschaften unterstütze ich, weil ich seit meiner Jugend einen starken Bezug zu den World Skills habe.» Ausserdem mache ihm die Zusammenarbeit mit den handwerklichen Spitzenleuten viel Freude, sagt der 38-Jährige.

«Jedes Jahr veranstalten wir in der Schweiz mehrere Wettbewerbe und suchen die besten Maurer aus.» Wer über alle Wettbewerbe das beste Resultat erziele, werde Schweizer Meister. Dieser Maurer nimmt anschliessend an den internationalen Berufsmeisterschaften für die Schweiz teil. «Die World Skills 2013 werden vom 2. bis 7. Juli in Leipzig ausgetragen», sagt Signer. Stefan Heller aus Ossingen nimmt dieses Jahr für die Schweiz teil. «Wir haben lange für diese Meisterschaft trainiert, Stefan ist sehr gut vorbereitet.»

Stark abgenommen

Signer und seine Kollegen von der Jury schauen bei allen Teilnehmern genau hin. «Sauberes und exaktes Arbeiten ist gefragt.» Die Teilnehmer müssen in 24 Arbeitsstunden, auf vier Tage verteilt, ihr Bestes geben. «Man ist permanent unter Zeitdruck und muss hoch konzentriert arbeiten. Es entscheiden kleinste Details und Millimeter, wer Weltmeister wird.» Signer erinnert sich an seinen Sieg von 1997: «Ich hatte innerhalb weniger Tage über drei Kilo abgenommen. Ich konnte auch nicht recht schlafen, man ist mit den Gedanken ständig bei der Arbeit. In der Nacht dachte ich über die Strategie nach, über die weiteren Arbeitsschritte.»

Unvergessliche Eindrücke

Heute wisse er genau, unter welchem Druck die Teilnehmer stehen. «Aber nachdem alles vorbei ist, vergisst man die Eindrücke und Erlebnisse nicht mehr.»

Ausserdem sei der Wettbewerb sehr motivierend für die jungen Handwerker. «Zu wissen, dass man in seinem Beruf Weltmeister werden kann, spornt die Leute an. Der Beruf des Maurers wird so attraktiver.» Denn viele Jugendliche würden heute lieber in einem Büro arbeiten als draussen auf dem Bau. «Eine Handwerker-Lehre ist aber ein starkes Fundament fürs Leben.» Ruedi Signer muss es wissen; nach der Maurerlehre ging er in die Polierschule, liess sich zum Bauführer ausbilden und absolvierte das Nachdiplomstudium zum diplomierten Wirtschaftsingenieur.

Wenn er für World Skills im Ausland ist, dann trifft er immer auf starke Charaktere. «Diese jungen Berufsleute wissen nicht nur, wie ihr Beruf funktioniert, nein, sie sind auch hervorragende Persönlichkeiten.» Deshalb mache er den Job als Schweizer Chef-Experte. «Der administrative Aufwand für die World Skills wird immer grösser, aber zu sehen, wie in anderen Ländern das gleiche Handwerk auf verschiedene Weisen ausgeübt werde, sei unbezahlbar. «Die Schweiz erreicht übrigens im Vergleich zu anderen Ländern immer wieder Top-Plazierungen.»