Er verlässt die Komfortzone

Gestern räumte René Bosshart sein Büro auf der Gemeindeverwaltung von Eschlikon. Der Gemeindeschreiber wechselt zur Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde. Besonders in Erinnerung bleibt ihm ein Pilgerkäse verzehrender Japaner.

Philipp Haag
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René Bosshart packt in Eschliker Gemeindescheiberbüro seine persönlichen Sachen zusammen. (Bild: Stefan Beusch)

René Bosshart packt in Eschliker Gemeindescheiberbüro seine persönlichen Sachen zusammen. (Bild: Stefan Beusch)

ESCHLIKON. «Nein», sagt René Bosshart, er sei nicht der Einflüsterer des Gemeindeammanns gewesen. Klar habe er regelmässig Inputs geliefert, sich geäussert, wenn er zu Sachgeschäften befragt wurde, ein Primus inter pares, das sei er aber mitnichten gewesen. Dies entspricht auch nicht Bossharts Persönlichkeit. Er steht nicht gerne im Mittelpunkt. Er ist der Schaffer, der stille Schaffer im Hintergrund. Dementsprechend war die Aufgabenteilung mit Gemeindeammann Robert Meyer, mit dem Bosshart «ein Team bildete».

Während Meyer sich der Bevölkerung annahm, sich die Sorgen und Nöte der Einwohner anhörte, löste Bosshart die Probleme, und zwar an seinem Pult auf der Gemeindeverwaltung von Eschlikon. Dieses Pult im zweiten Stock ist nun leer. Gestern räumte der Gemeindeschreiber sein Büro, verstaute seine persönlichen Sachen in Kisten, schaltete den Computer aus, zog die Tür, welche die letzten siebeneinhalb Jahre stets offen war, hinter sich zu und übergab seinem Nachfolger Marcel Aeschlimann den Schlüssel.

Rundreise durch die Region

Es war ein Abschied ohne Wehmut. Eine schöne Zeit sei es gewesen, sagt Bosshart. Er nimmt viele Erinnerungen mit. An eine Begegnung denkt er besonders gerne zurück, diejenige mit dem Kulturbeauftragten der japanischen Stadt Mogami. Der Gast aus Asien, der über den Kontakt der ortsansässigen Firma Schmid Energy Solutions nach Eschlikon gekommen war, blieb drei Tage im Dorf. «Einen Nachmittag lang fuhr ich mit ihm durch den Hinterthurgau», sagt Bosshart. Über Allenwinden gelangten die beiden, die sich mit Hilfe einer Dolmetscherin unterhielten, nach Au, wo sie die Käserei von Franz Heinzer besuchten. Der Pilgerkäse schmeckte dem Japaner derart gut, dass er gleich mit 20 Stück in seine Heimat zurückkehrte. Daneben waren es vor allem Sachgeschäfte, die Bosshart als Höhepunkte während seiner Zeit auf der Eschliker Gemeindeverwaltung bezeichnet: Die Erarbeitung des Beitrags- und Gebührenreglements sowie des Strategiepapiers zur Entwicklung des Industriegebietes Riet. Die Vielfalt an Themen und Geschäften war es, welche für Bosshart den Job spannend machten. Musste er sich an einem Tag mit dem Gestaltungsplan für ein neueingezontes Grundstück auseinandersetzen, war es am nächsten Tag die Studie für einen Gleisanschluss im Industriequartier und am Tag darauf ein Flurstreit, bei dem sich Nachbarn nicht auf eine Höhe der Sträucher einigen konnten.

Das rechtliche Gewissen

Bosshart war das rechtliche Gewissen auf der Gemeindeverwaltung. Er nahm an den Gemeinderatssitzungen als Protokollführer teil und brachte die gesetzesrelevanten Aspekte bei der Diskussion über die Sachgeschäfte ein. Ausserdem verstand er sich als Bindeglied zwischen Verwaltung und Gemeindebehörde. Negatives hat der 40-Jährige nur wenig erlebt. «Es kam vor, dass jemand zwischen der sachlichen und persönlichen Ebene nicht unterscheiden konnte», sagt Bosshart. Zum Glück sei dies aber nur selten geschehen.

Derartige Auseinandersetzungen gehören nun der Vergangenheit an. Bosshart zieht Anfang des nächsten Jahres ein Dorf weiter zur Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) in Sirnach. Bei der KESB ist Bosshart für die Finanzen zuständig. Nach fast 15 Jahren als Gemeindeschreiber – sieben Jahre in Fischingen und siebeneinhalb in Eschlikon – sei der Zeitpunkt gekommen, «die Komfortzone zu verlassen und mich einer neuen Herausforderung zu stellen».

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