«er und i» mit Leichtigkeit ersetzt

FLAWIL. Am Samstag hätte im Kulturpunkt Flawil das Juristen-Duo «er und i» auftreten sollen. Doch wegen Heiserkeit konnte «er» nicht singen. «Europa – die Band der neuen Leichtigkeit» sprang gerne in die Lücke.

Michael Hug
Drucken
Teilen
Im Anzug auf dem Weg in den Schlagerolymp: Europa – die Band der neuen Leichtigkeit. (Bild: mhu.)

Im Anzug auf dem Weg in den Schlagerolymp: Europa – die Band der neuen Leichtigkeit. (Bild: mhu.)

«Heute spielen er, er, er und ich», verkündete Sänger Jonas Bischof. Da «er», Wolfgang Egli vom Singer/Songschreiber-Duo «er und i», unpässlich war, sprangen gleich drei «Ersatz-er» ein und ein neuer «i». Daniel Weniger, der «i», als Zuschauer zugegen, zeigte sich trotz entgangenem Engagement gutgelaunt: «Es bleibt ja sozusagen in der Familie.» Die Familienbindung sei erklärt: Wenigers ältester Sohn Samuel Weniger spielt bei «Europa» das Schlagzeug. Diese Tatsache war auch der Grund, wie nach der sehr kurzfristigen Absage – nur 24 Stunden vor dem Auftritt – ein adäquater Ersatz gefunden werden konnte.

Band der neuen Leichtigkeit

«Europa» bezeichnet sich selbst als «die Band der neuen Leichtigkeit». Was immer das auch heissen mag, leicht nehmen mögen es die vier jungen Jungs, aber leicht machen tun sie es sich nicht. Das Songschreiben und -covern scheint dem Quartett ziemlich wichtig zu sein: «In der Museumsbar hat's Busen wunderbar.» Nonsens? Vielleicht, doch unterhaltsam. Schlager von deutschen Interpretinnen und Interpreten tönen über weite Strecken auch so. Und genau dieses Genre steuern die Kinder der schönen Europa auch an: «Europa, Du bist im Sternen-Stier das schönste Kalb!» Damit wird klar: Mit dem politischen Europa haben die selbsternannten Bohèmiens auf dem Weg in den Schlagerolymp nichts am Hut. Vielmehr mit dem Olymp, denn ihre Europa ist in der griechischen Mythologie jene junge schöne Dame, die Gott Zeus zu einem Seitensprung bewegte (wozu er sich in einen Stier verwandelte, damit seine Gattin Hera nichts mitbekam).

Grosse Gefühle, Mord und Intrigen, Sex und Früste sind darum auch die Themen in den Europa-Liedern. Der Song «Vögeli» brachte es zum Ausdruck. Da meuchelt ein Mann eine Taube, nur weil sie es gewagt hat, sich in sein frisch gemachtes Liebesnest zu setzen. Wegen der Tat und des vergossenen Blutes mag die Geliebte nicht mehr Liebe machen und verschwindet stumm, mit kaltem Herz aus seinem Leben.

Abbild des Lebens

Ein wenig grotesk sind solche Schilderungen schon, aber oft auch wahr und damit ein Abbild des Lebens. Mit dem «Liebesakt auf der Achterbahn» hatten Jonas Bischof (Gesang), Andrin Uetz (Gitarre), Ruedi Tobler (Orgel) und Samuel Weniger (Schlagzeug) ihr Publikum endgültig im Sack und die Wehmut über den Ausblieb von «er und i» löste sich im Jubel über die Neuentdeckung auf.

Aktuelle Nachrichten