«Er spricht mit Sprache und mit Ton»

Kirchberg. Kaum ist die Welt erwacht, da rennen sie schon, die Männer. Erst mal gemeinsam, aber wie der eine sieht, dass der andere schneller ist, sputet er sich und schafft selbst einen Vorsprung.

Drucken
Teilen

Kirchberg. Kaum ist die Welt erwacht, da rennen sie schon, die Männer. Erst mal gemeinsam, aber wie der eine sieht, dass der andere schneller ist, sputet er sich und schafft selbst einen Vorsprung. Wie die Kräfte langsam schwinden und der Erste zu sein nicht mehr ganz einfach ist, versucht der eine den anderen am Vorwärtskommen zu hindern. Erst mit Stein, dann mit Speer, mit Bogen und Felsbrocken. Durch nichts aber lässt sich der andere aufhalten, umgehend versucht er selbst der Erste zu sein. Die Verletzungen heilen schnell und tot fällt keiner um. Männer sind nicht wirklich verletzlich, nicht totzukriegen, Männer sind die wahre Krönung der Schöpfung – die Krone der Erschöpfung.

Männer sind Mammutjäger

Männer sind und waren immer Mammutjäger, Frauen gab es zu jener Zeit noch nicht. Erich Furrer und Erich Hufschmid haben dies in den vergangenen drei Jahren des Öfteren auf den Kleinkunstbühnen der Schweiz aufgeführt und beweisen wollen. Nun traten sie nach jenem denkwürdigen Abend im ausverkauften «Bräägg» 2008 wieder einmal in Furrers Wohngemeinde auf. «Uns war immer klar, dass wir Furrer als Einheimischen auch mal hier haben wollten», sagt Maria Winiger vom Kirchberger Kulturverein «open ohr», «nun hat's endlich allen ins Jahresprogramm gepasst.» Doch scheint der Ruf der wackeren Steinzeit-Comedians etwas verblasst zu sein, denn es kamen nicht jene Massen von Publikum, die wegen Hufschmid-Furrer noch bei ihrem Einstieg ins Métier vor gut drei Jahren in die Säle strömten. Doch um das «Depot», die Hausbühne von «open ohr», voll erscheinen zu lassen, reichte es allemal.

Fragen zur Evolution

Wer zur Evolution der Menschheit bis zum vergangenen Samstagabend noch Fragen hatte, der hat sie nun mit Bestimmtheit nicht mehr. Die beiden Mammutjäger erklärten unter Zuzug sämtlicher non- und verbaler sowie körpersprachlicher Kommunikationsformen innert fünf Viertelstunden die Entstehung der Spezies Homo Sapiens von der Amöbe bis zum nackten Affen. Beginnend beim mörderischen Überlebenskampf im Sumpf der Einzeller und endend in der Ausbildung der Sprache. Als dann bald der erste Primat auf seinem Baum sass, war der Bogen zu den Tierli-Walter-Vorführungen in der Schulturnhalle schnell gespannt.

Die Entdeckung der Sprache

Schliesslich wird die Sprache mittels prononcierter Lautgebung entdeckt, es entstehen die differenzierten Idiome, die so verschieden gar nicht sind, gehen sie doch global und nahtlos ineinander über. Jener Moment der Transzendenz, in der die Sprache den Durchbruch schafft, gehen auf ein Erlebnis während einer jungpleistozänen Kochstunde zurück. Mangels Jagderfolg nach dem grössten damals lebenden Säugetier, dem Mammut, landet ein Feldhase auf dem Grill. «Mahlzeit», artikuliert der eine vor dem ersten Biss in des Hasen köstlich gebratenen, jedoch ungewürzten Hinterlauf. Unter Grunzen, Spucken und Rülpsen pflichtet ihm der andere schliesslich bei, worauf Ersterer meint: «Darin liegt nun des langen Wartens Lohn, der Mensch spricht nun mit Sprache und mit Ton! Michael Hug

Aktuelle Nachrichten