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Er segelt leise durch die Strassen: Das ist der neue Elektrobus der Bus Ostschweiz AG

In Wil wurde der schweizweit erste Elektrobus seiner Art vorgestellt. Zum Einsatz kommt er in der Äbtestadt aber noch nicht.
Nicola Ryser
Von links: Ivan Kobler, Gemeindepräsident Rickenbach; Roland Ochsner, Unternehmensleiter BOS; Rico Kellenberger, Leiter Produktion BOS; Nicole Knaus, Fahrpersonal BOS; Roman Habrik, Gemeindepräsident Kirchberg; Stefan Grötzinger, Energiebeauftragter TBW. Bild: Nicola Ryser

Von links: Ivan Kobler, Gemeindepräsident Rickenbach; Roland Ochsner, Unternehmensleiter BOS; Rico Kellenberger, Leiter Produktion BOS; Nicole Knaus, Fahrpersonal BOS; Roman Habrik, Gemeindepräsident Kirchberg; Stefan Grötzinger, Energiebeauftragter TBW. Bild: Nicola Ryser

Es ist ein anderes Fahrgefühl. Keine plötzlichen Ruckbewegungen, wenn der Fahrer einen neuen Gang einlegt; keine stufenartige Beschleunigung, die den Motor immer wieder von neuem aufheulen lässt; und kein Lärm, der durch den ratternden Motor verursacht wird.

Es sind diese spürbaren Unterschiede, die den neuen Elektrobus der Bus Ostschweiz AG (BOS) von den normalen, dieselverbrauchenden Bussen unterscheiden. Das Gefährt wird nämlich – wie es dessen Bezeichnung bereits verrät – ausschliesslich von Strom angetrieben. Die Vorteile: weniger Lärm- und CO2-Emissionen sowie eine bessere Energieeffizienz. Der Elektrobus der Marke eCitaro von Mercedes, der gestern in Wil präsentiert wurde, ist der erste seines Typs, der nun schweizweit in Betrieb genommen wird – und es soll nicht der letzte bleiben.

Sechs Batterien auf dem Dach, vier im Heck

Das ostschweizerische Unternehmen, zu dem auch «WilMobil» gehört, hat bereits in der Vergangenheit den Weg in die E-Mobilität gesucht. 1897 wurde der Betrieb der Altstätten-Berneck-Strassenbahn erstmals aufgenommen, in den 40er-Jahren ein Trolleybusnetz im Rheintal aufgebaut, das bis in die 70er-Jahre in Betrieb war. «Mit dem Elektrobus wollen wir zu unserer Tradition in der E-Mobilität zurückkehren. Da Umwelt und Klima brandaktuelle Themen sind, ist nun auch der passende Zeitpunkt gekommen, den Bus zu lancieren», erklärt BOS-Unternehmensleiter Roland Ochsner.

Äusserlich ist beim Elektrobus kein Unterschied zu einem gewöhnlichen Dieselbus zu erkennen. Die Sitzordnung ist ebenso gleich wie die Innenausstattung und die Positionierung der Türen, an der Oberfläche dominiert weiterhin Blau und Weiss. Doch unter der Fassade kommen die Differenzen zum Vorschein. Im Heck findet sich kein Motor mehr, sondern vier Batterien mit einer Lebensdauer von fünf Jahren. Sechs weitere befinden sich auf dem Dach, dadurch ist der Bus mit knapp 3,5 Metern leicht höher als die motorbetriebenen Modelle.

Sechs Stunden Ladezeit, 150 Kilometer Reichweite

Am Ende ist es jedoch tatsächlich dieses neue Fahrgefühl, das den grössten Unterschied ausmacht. BOS-Produktionsleiter Rico Kellenberger beschreibt es wie folgt:

«Der Bus segelt eher, als dass er fährt. Es gibt kein Getriebe, das Widerstand leistet, sobald man vom Gas geht. Das ist ein spezielles Gefühl.»

Dies gilt nicht nur für die Fahrgäste, sondern auch für die Fahrer selbst. Durch eine Schulung sollen sie den Umgang mit dem Gefährt und dessen Batterien lernen, auch der Sicherheit wegen. «Schliesslich fliesst Starkstrom durch den Bus.»

Geladen wird der Bus im Depot, im Schnitt dauert die Ladezeit zwei bis sechs Stunden an. Durch die sechs Batterien hat der Bus bei hoher Leistung eine Mindestreichweite von 150 Kilometern. «Wenn wir beispielsweise heizen und gleichzeitig bergauf fahren müssen, dann verbrauchen wir sehr viel Energie. Die können wir jedoch schon während der Fahrt zurückgewinnen. Durch die Rekuperation beim Bremsen werden die Batterien wieder geladen», erklärt Kellenberger.

Dass durch den Stromantrieb im Vergleich zu einem Dieselmotor die Power ein wenig fehlt, verneint er – im Gegenteil:

«Der geht ab wie ein Pfeil.»

Eine Ausweitung ist noch zu teuer

Am 1. Oktober wird der Bus in Betrieb genommen, zu Beginn jedoch nur im Rheintal als Linienbus. Nach Wil finden vorerst lediglich Sonderfahrten statt. Roland Ochsner begründet: «Wir wollen zuerst einmal Erfahrungen sammeln. Zudem ist eine Expansion noch nicht finanzierbar.» Ein Elektrobus koste aktuell fast doppelt so viel wie ein normaler Bus. Ausserdem müsse an vielen Orten das Stromnetz verstärkt werden. Doch Ochsner betont:

«Dies ist erst der Anfang. Unser nächster Schritt ist es, die Elektrobus-Einsätze auszuweiten. Und wer weiss: Vielleicht verkehrt alsbald einer auch in Wil.»

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