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Er macht Kunstwerke aus historischem Abfall

Der Fund von römischen und keltischen Münzen in Wilen hat Aufsehen erregt. Der Künstler Martin Warth freut sich aber aus anderen Gründen über die Suche.
Gianni Amstutz
In seiner Garage verarbeitet Martin Warth auch die Abfälle aus der Suche von Daniela Wiesli. (Bilder: Tobias Bruggmann)

In seiner Garage verarbeitet Martin Warth auch die Abfälle aus der Suche von Daniela Wiesli. (Bilder: Tobias Bruggmann)

Als sich die Dorfchronistin Daniela Wiesli mit Metalldetektoren auf die Suche nach der archäologischen Geschichte des Dorfes Wilen machte, freute sich Martin Warth vor allem über das, was die Historikerin nicht interessiert: die Abfälle, das Wertlose, der Schrott. Denn Martin Warth ist Künstler.

Er verwertet Abfälle zu Kunstwerken: «Der Reiz am Abfall liegt in der Geschichte, die hinter dem Stück steckt. Manchmal frage ich mich, was uns ein Stück Schrott erzählen würde», sagt Warth. Das Erzählen übernimmt er dann selber: Seine Augen leuchten und aus seinem Mund sprudeln die Geschichten über die Herkunft des Materials von jedem einzelnen Kunstwerk. Normalerweise sucht Warth die Abfälle selbst: in seinem Wohnort Wilen, in der Umgebung, aber auch in den Ferien, wo er dann auch mal seinen Reisekoffer mit Abfällen für neue Kunstwerke füllt. Doch jetzt beliefert ihn die Dorfhistorikerin, mit neuen alten Materialien.

Nicht jeder Abfall wird verwendet

Martin Warth verarbeitet jedoch nicht alle Abfälle: «Am liebsten mag ich handgeschmiedete Gegenstände, die eine Patina haben, vielleicht schon etwas rosten und so eine Geschichte erzählen.» Deshalb ist es für ihn auch schwierig, in der Schweiz neue Materialen zu finden. Abfall hat es genug, doch meistens findet er nur Aluminium.

Bei der Arbeit an den Kunstwerken stellt sich Warth dann selbst vor Hürden: «Ich verlöte meine Stücke nicht, weil ich den Materialien nicht wehtun möchte.» Dennoch müssen Materialien verbunden werden. Die Lösung für dieses Problem findet er während einer Joggingrunde oder in seinem Beruf. Warth ist gelernter Zahntechniker und kennt deshalb einige Tricks: «Ich klebe oder verdrahte meine Kunstwerke lediglich. So könnte man die alten Gegenstände auch wiederverwenden.» Die Arbeit mit Abfällen ekelt ihn nicht: «Der Zerfall gehört zum Lebensprozess eines Stoffes, und bei mir überwiegt die Neugier.»

Todesfall bringt Warth zur Kunst

Die Kunstwerke selbst zeigen verschiedene Motive. Meistens sind es ganz reale, oft Menschen. Menschen, die Warth etwas bedeuten, wie seine Mutter. Deren Tod hat ihn zur Kunst gebracht, so verarbeitete er ihn. Warth ist Autodidakt, hat nie einen Kurs besucht oder eine Ausbildung gemacht.

Manchmal nimmt Warth auch die Aktualität in seine Kunstwerke auf: Neben dem Sofa steht eine syrische Flüchtlingsfamilie, geschaffen aus alten Rohren des Schweizer Militärs. «Die Flüchtlinge haben die Krise im Körper», erklärt der Künstler. Und manchmal ist Warth auch der Zeit voraus: Vor einigen Wochen baute er die JU-52 nach. Zwei Wochen später stürzte eines der echten Flugzeuge ab.

«Dann lasse ich die Hosen runter»

Warth möchte nicht von der Kunst leben: «Der grosse Vorteil meiner Arbeit ist, dass ich keinen Druck habe. Viele Leuten sagen, dass man das meinen Stücken anmerke.» Dazu produziert er nur unregelmässig neue Gegenstände – gefasst erzählt er: «Als ich vor einigen Jahren eine persönliche Krise durchlebte, konnte ich lange Zeit gar nichts produzieren.» Die Kunstwerke wurden bis jetzt nur selten ausgestellt: «Die Werke sind ein Teil meines Innern. Bei einer Ausstellung lasse ich die Hosen runter», erklärt der Künstler. Dennoch gibt Warth nicht selten Privatführungen: Dann nämlich, wenn Kunden in sein Zahntechnik-Labor kommen, welches er bei sich zu Hause eingerichtet hat. Der zweite Punkt, den Warth an Ausstellungen stört, ist die Preisliste: «Für die Werke Preise festzulegen, ist immer ein grausamer Akt, weil mein Trennungsschmerz riesig ist», sagt Martin Warth nachdenklich.

Für das erste Stück verwendet Martin Warth ein altes, rostiges Hufeisen.

Für das erste Stück verwendet Martin Warth ein altes, rostiges Hufeisen.

Deshalb ist sein Haus auch vollgestellt mit Skulpturen, sein Arbeitsplatz in der Garage ebenfalls und auch in einer alten Scheune, der Ort der letzten Ausstellung, stehen noch Figuren. Und jede Figur hat ihre eigene Geschichte.

Eine Ausstellung ist auch mit den Funden von Daniela Wiesli möglich. Doch zuerst geht es für Warth in die Garage, wo er die Objekte fertigt. Denn etwas möchte er nicht: Seine Kunstwerke unter Zeitdruck herstellen.

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