Er ist mit allen Wassern gewaschen

Hans Salzmann ist Badmeister in Oberuzwil. Er beschäftigt sich mit Wasser und Technik. Und ist Konfliktlöser.

Philipp Stutz
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Die reiche Erfahrung, die Hans Salzmann gesammelt hat, kommt ihm in seiner täglichen Arbeit als Badmeister zugute. (Bild: Philipp Stutz)

Die reiche Erfahrung, die Hans Salzmann gesammelt hat, kommt ihm in seiner täglichen Arbeit als Badmeister zugute. (Bild: Philipp Stutz)

Er ist jovial, beinahe kumpelhaft, und mit den meisten Badegästen per Du. Für sie ist er einfach der Hans – auch für Kinder. Was aber nicht heisst, dass damit Respekt und Autorität verloren gehen. Im Gegenteil. Hans Salzmann betont:

«Die straffen Baderegeln müssen von allen eingehalten werden.»

Wer sich um diese Vorgaben schere, den knöpfe er sich vor. Und wer glaube, Verwarnungen in den Wind schlagen zu müssen, habe Konsequenzen in Form eines bis zu dreitägigen Badiverbots zu gewärtigen.

Auch Saisonverbote hat der Badmeister schon aussprechen müssen. «Im vergangenen Jahr waren zwei Jugendliche aus dem Platanenhof davon betroffen.» Doch Salzmann glaubt durchaus, dass sich Kinder in der Badi austoben dürfen. «Wir waren auch mal jung», meint der Fünfzigjährige etwas gönnerhaft.

Handys sind hier
kein Thema

Die Anlage im Ghürst fernab von Lärm und Hektik ist idyllisch gelegen und umfasst einen schönen Baumbestand. Es ist ein Familienbad, in dem jeder sein Plätzchen findet. Dass Eltern wegen des Blicks aufs Handy ihre Kinder unbeaufsichtigt lassen, hat Salzmann im Gegensatz zu anderen Bädern bisher nicht beobachtet. Er ist überzeugt:

«Hier schaut man aufeinander und will trotzdem seine Ruhe haben.»

Ebenso wenig ist Littering im Oberuzwiler Freibad ein Thema. «Kürzlich konnten wir an einem Sonntag 1311 Badegäste begrüssen», sagt Salzmann. «Am Abend hatten wir gerade mal fünf Aschenbecher zu leeren, ein Tablett mit Gläsern und Tellern abzuräumen und ein wenig Papier zu entsorgen.»

Das sei allerdings in der Vergangenheit schon weit schlimmer gewesen. «Jugendliche, die eine Sauordnung hinterliessen, habe ich darauf anderntags abgefangen und ihnen zwei Tage Badiverbot erteilt.» Das habe seine Wirkung nicht verfehlt. Es seien denn auch oft kleine Massnahmen, die zum Erfolg führten. Doch insgesamt stellt Salzmann den Badegästen ein gutes Zeugnis aus.

Seit 13 Jahren ist Hans Salzmann Badmeister in Oberuzwil. Vorher wirkte er in gleicher Funktion im Kanton Zürich, wo er vier Bäder geleitet hatte. Heute ist er Präsident des Schweizerischen Badmeister-Verbandes Region Ost. In Oberuzwil könne er sich entwickeln und verwirklichen. Die lange Erfahrung, die Salzmann mitbringt, ist es, die ihm bei seinen täglichen Herausforderungen zugute kommt. Sei es bei Tätigkeiten, bei denen er handwerkliches Geschick und technisches Wissen besitzen muss, oder beim Umgang mit Menschen verschiedenster Altersgruppen. Obschon auch hier in der vergleichsweise kleineren Badi zu Spitzenzeiten bis zu 1500 Gäste zugegen sind, strahle das Freibad ein spezielles Flair aus.

Seit 30 Jahren 
im Geschäft

Anfangs hatte wenig auf diesen beruflichen Werdegang hingewiesen. Hatte der in Hoffeld-Degersheim Aufgewachsene doch eine Lehre als Zimmermann und Bauschreiner absolviert. Nach Meinungsverschiedenheiten mit seinem damaligen Chef hat er den Bettel hingeworfen und wurde Badmeister. Dreissig Jahre ist das her. Im Winter arbeitet Salzmann als Pneumonteur und aushilfsweise als Badmeister im örtlichen Hallenbad.

1500 bis 1600 Badegäste vermag die Infrastruktur der Anlage zu verkraften. Im Hitzesommer 2003 waren es schon mal 2000 Besucher gewesen. Zurzeit ist die Hitze extrem. Hat dies Auswirkungen auf die Badegäste? Salzmann verneint. «Alles verläuft normal, keine Spur von Aggression.» Ein Problem bilde hingegen die mangelnde Hygiene. «Das bleibt ein Ärgernis.» Die grössten Gegner der Wasserqualität finden sich unter Badegästen, die vor dem Sprung ins kühlende Nass nicht duschen und verschwitzt ins Wasser springen. Männer und Frauen seien gleichermassen die «Sünder». Junge Männer trügen unter den Badeshorts oft Unterhosen. Frauen zögen nicht selten morgens ihren Bikini an und gingen dann erst nach der Arbeit schwimmen.

«Man redet immer von Harnstoff im Wasser. Doch diese Substanz findet sich nicht nur im Urin, sondern auch in Kosmetika, Schweiss und Sonnencreme.»

Deshalb wird das Wasser von einer Filteranlage gereinigt. Regelmässig nimmt das Badmeisterteam Proben.

Hans Salzmann wird von den Badegästen geschätzt. Seinen linken Oberarm ziert ein Lederband mit Feder. Das hat sich zu seinem Markenzeichen entwickelt. Genauso wie eine Tätowierung eines Wolfs, der den Mond anheult. «Das hat mit Schamanismus zu tun und gehört zu meinem Leben.» Badmeister ist für ihn nicht nur Berufung, sondern eine Lebenseinstellung.

«Es ist eine vielseitige Tätigkeit. Ich beschäftige mich mit Menschen, Wasser, Technik und bin zugleich Konfliktlöser. Wenn man diese Profession lebt, kann man sich entfalten und weiterentwickeln.»