Er hat die Finanzen fest im Griff

Wiler Persönlichkeiten Teil 13: Auch im Ruhestand bleibt der Finanzfachmann Robert Signer eine gefragte Person. Er engagiert sich in zahlreichen Vereinen und Institutionen. Am meisten Zeit wendet er derzeit für den Schiesssport auf.

Friedrich Kugler
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Robert Signer ist seit 2008 Präsident der Stadtschützen Wil. (Bild: fk.)

Robert Signer ist seit 2008 Präsident der Stadtschützen Wil. (Bild: fk.)

WIL. Mit der Freiwilligenarbeit ist es so eine Sache. Den einen Menschen fehlt die Lust, den anderen die Zeit, um sich während des Berufslebens in den Dienst einer guten Sache zu stellen. Nach der Pensionierung können oder wollen sich viele nicht mehr aufraffen, um neue Erfahrungen zu sammeln. So ist der 65jährige Robert Signer für viele Vereine und Institutionen ein wahrer Glücksfall. Er ist eine Persönlichkeit, die in Finanzangelegenheiten als Präsident, Kassier oder Revisor auf einen während Jahrzehnten gesammelten, enormen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann.

Ein unermüdlicher Schaffer war Robert Signer schon in jungen Jahren. Dank des Berufes seines Vaters inmitten von Pferden und Lastwagen im Areal der Brauerei Schützengarten in St. Gallen aufgewachsen, verdiente er in seiner Freizeit mit allerlei Arbeiten ein Taschengeld – «eine mich prägende Zeit», wie Robert Signer heute feststellt. Sechs Jahre nach Abschluss der Banklehre hielt er bereits das Diplom «Eidg. dipl. Bankbeamter» in den Händen. Der berufliche Aufstieg konnte beginnen.

Per Zufall in die Politik

Dass er mit 32 Jahren in der Politik landete, war ein reiner Zufall. Eines Abends stand der frühere Wiler Stadtammann Hans Wechsler vor seiner Türe. Er wollte sich als Kandidat für den Kantonsrat zurückziehen und machte sich auf die Suche nach einem Ersatz. «Ich rechnete mir kaum Chancen aus, figurierte ich doch auf der dreizehn Namen umfassenden Liste weit unten. Umso grösser war die Überraschung, als ich auf Anhieb gewählt wurde», erinnert sich Robert Signer.

Bereut hat er sein Engagement in der Politik nie. «Die Tätigkeit als Parlamentarier ermöglichte mir das Knüpfen von vielfältigen Beziehungen im Kanton und in der Region Wil. Ich lernte Prioritäten zu setzen und konnte mich auf dem Gebiet der Rhetorik laufend verbessern. Letztlich brachte mich die Politik auch beruflich weiter», erzählt der Banker im Ruhestand.

Auf Anhieb treffsicher

Ebenfalls einem Zufall entsprang die heutige Begeisterung für den Schiesssport. 1989 war Wil letztmals Austragungsort des kantonalen Schützenfestes. Auf Anfrage seines Partei- und Kantonsratskollegen Josef Hartmann übernahm Robert Signer die Rolle eines Finanzchefs. Zwar hatte er in jungen Jahren einen Jungschützenkurs besucht, doch später schoss er nur noch sporadisch. Für das OK-Mitglied war das Mitmachen am Kantonalen schon fast Ehrensache. Fast ohne Training in der 300-Meter-Distanz angetreten, wurde der Einsatz mit gleich drei Kränzen belohnt.

Die Begeisterung für den Schiesssport war geweckt. 2008, als sich die schwere Erkrankung des früheren Stadtammanns Josef Hartmann immer stärker bemerkbar machte, trat Robert Signer auf Wunsch des mittlerweile Verstorbenen das Amt des Präsidenten der Stadtschützen Wil mit seinen rund 160 Mitgliedern an. Halbe Sachen gibt es im Leben von Robert Signer nicht. Rund einen Tag pro Woche wendet er seit fünf Jahren für die Stadtschützen auf. Eine Absage erteilte er dagegen dem Schweizer Schiesssportverband, der ihn gerne als Finanzchef verpflichtet hätte.

Kantonalschützenfest im Visier

Nun wartet auf Robert Signer und sein OK-Team ein weiterer Brocken: Im kommenden Sommer wird Wil an drei Wochenenden Schauplatz des 62. St. Galler Kantonalschützenfestes sein. Zu diesem Grossanlass werden rund 8000 Schützen erwartet. «Eines unserer Ziele ist es, den Schiesssport an drei Wochenenden im Juni und Juli einer breiten Bevölkerung näher zu bringen. Dafür lassen wir uns einiges einfallen. Die Vorbereitungsarbeiten laufen auf Hochtouren. Wir liegen im Terminplan, doch die Finanzen bzw. die Sponsorensuche halten uns doch recht auf Trab», ist vom OK-Chef zu erfahren.

Während das Kantonalschützenfest 2014 immer mehr ins Visier von Robert Signer kommt, kann er langsam mit einem Anlass abschliessen, der ihm sein bisher grösstes Nebenamt beschert hat. Die Rede ist vom Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2010 in Frauenfeld. Weil sich dort seine langjährige Arbeitgeberin Raiffeisen als Königspartnerin engagierte, musste nicht lange nach einem Finanzchef gesucht werden. «Mit einem Budget von 22,5 Millionen Franken war das eine Riesensache. Je ein halbes Jahr vor- und nachher kam diese Funktion fast einem Vollzeitjob gleich», blendet Robert Signer auf eine arbeitsreiche Zeit zurück.

In Burgdorf Schlussstrich ziehen

An das Frauenfelder Grossereignis erinnert sich Signer gerne: «Dank des herrlichen Wetters und der uns von der Stadt und der Armee zur Verfügung gestellten tollen Infrastruktur wurde das Schwingfest auch finanziell zu einem Erfolg. Das rund 20köpfige engere OK-Team wird von den Veranstaltern ans Eidgenössische Schwingfest 2013 eingeladen. Die restlichen OK-Mitglieder werden dank des erwirtschafteten Reingewinns samt Partnern, insgesamt rund 280 Personen, Ende August nach Burgdorf reisen – eine Belohnung, die sie verdient haben. Somit kann ich unter das Grossereignis von 2010 bald einen Schlussstrich ziehen.»

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2010 war auch in finanzieller Hinsicht ein voller Erfolg. Dass das Kantonalschützenfest 2014 ebenfalls mit einem Plus abschliessen kann, ist das nächste grosse Ziel von Robert Signer.

In einer losen Serie porträtiert die Wiler Zeitung Persönlichkeiten aus der Stadt Wil, die sich im Ruhestand befinden. Sie zeigt auf, wie diese nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben ihren Gewinn an Freizeit nutzen und dabei zu teilweise neuen Ufern aufbrechen.