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Er hat 8000 Lehrlinge begleitet: Berufsschullehrer Philippe Junod geht in Pension

Nach 32 Jahren als Berufsschullehrer in Wil und Uzwil geht Philippe Junod aus Niederuzwil in Pension. Ein Lehrer der «alten Schule» war er jedoch nicht.
Tobias Söldi
Seine grossen Sommerferien haben begonnen: Ex-Berufsschullehrer Philippe Junod. (Bild: Tobias Söldi)

Seine grossen Sommerferien haben begonnen: Ex-Berufsschullehrer Philippe Junod. (Bild: Tobias Söldi)

Pensioniert? Noch nicht ganz: «Eigentlich befinde ich mich wie immer in den Sommerferien», sagt Philippe Junod. Am 4. Juli hat er seine letzte Sportlektion am Berufs- und Weiterbildungszentrum in Uzwil unterrichtet. «Dass ich pensioniert bin, merke ich wohl erst wirklich, wenn meine Frau, ebenfalls Lehrerin, wieder arbeiten geht», sagt der 64-Jährige, der in Niederuzwil wohnt – seine eigentliche Herkunft verrät aber sein breiter Basler Dialekt.

36 Jahre seines Lebens hat Junod als Lehrer gearbeitet, 32 davon an Berufsfachschulen. Seine Laufbahn führte ihn im Anschluss an das Studium in Bern nach Wil, dann nach Uzwil.

«Wenn ich zurückdenke, ist die Zeit sehr schnell vergangen.»

Etwa 8000 Lernende – Lastwagenchauffeure, Elektromonteure, Schreiner – hat er hauptsächlich in Sport und in Allgemeinbildung unterrichtet und sie auf ihrem Weg ins Erwachsenendasein begleitet.

Zwischen Kollege und
Autoritätsfigur

Und «begleiten» ist das richtige Wort. Denn Junod sah sich nie als blosser Vermittler von Wissen. «Mit Frontalunterricht hat man an der Berufsschule keine Chance.» Denn dort ist die Ausgangslage eine ganz andere als an der Sekundarschule oder der Kantonsschule. «Mit der Lehre werden die Karten neu gemischt», sagt Junod. In der praktischen Ausbildung stellen die jungen Erwachsenen ihre Fähigkeiten unter Beweis, die Bedeutung der Schule dagegen nehme ab. «Viele sind zu Beginn in der Tat etwas schulmüde. Andere betrachten den Unterricht als Schonraum.»

Umso wichtiger war es Junod, die Jugendlichen abzuholen. «Lehrperson und Schüler müssen kooperieren, ein Team bilden mit einem gemeinsamen Ziel: die LAP bzw. das Qualifikationsverfahren.» Sein Rezept dafür: die Person ins Zentrum stellen, sie ernst nehmen und respektieren. «Das Schulfach war für mich immer das Medium zur Person.» So gab es in Junods Klassen etwa Runden, in denen die Lernenden über ihre Befindlichkeit sprechen konnten. Ein Lehrer der «alten Schule» war Junod nicht.

Dass der Grat zwischen Nähe und Distanz ein schmaler ist, weiss Junod. «Man muss einen Mittelweg zwischen Autorität und Kollegialität finden.» Die Balance hat er offensichtlich gefunden. Junod erzählt:

«Kürzlich hat ein Schüler an meine Türe geklopft, der vor 30 Jahren bei mir im Unterricht war. Er wollte sich wieder einmal mit mir treffen.»

Früher machte ihm im 
Sport niemand etwas vor

Was hat ihn all die Jahre motiviert? «Die Neugierde am Menschen», sagt Junod, ohne zu zögern. «Der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern, die Herausforderung, einen Draht zu ihnen zu finden.» Dass er älter wurde, die Lernenden aber immer jung blieben, war kein Problem. «Das Alter hat nichts damit zu tun.» Ausser beim Sport: «Als junger Lehrer konnte mir kaum jemand etwas vormachen. Heute bin ich ein Oldtimer», sagt er lachend.

Verändert hat sich in diesen drei Jahrzehnten auch der Stellenwert des Sports. Junod erinnert sich an heute kaum mehr Vorstellbares: Am Anfang seiner Lehrtätigkeit standen manche Lehrmeister dem Sportunterricht noch kritisch gegenüber, empfanden ihn als unnötig.

«Sie fragten sich: Was, wenn der Lehrling einen Unfall hat?»

Was Junod ebenfalls festgestellt hat: Die Heterogenität der jungen Leute in Bezug auf ihr sportliches Engagement hat zugenommen. Auf der einen Seite gebe es leidenschaftliche Sportler – Junod staunt oft über die technischen Fähigkeiten, die sie mitbringen –, auf der anderen Seite die wenig Aktiven. «Sport ist selektiver geworden.» Das habe auch mit dem Leistungsdenken der Gesellschaft zu tun: «Es geht im Sport nicht nur um das Soziale – Kollegen zu treffen, sich in einem Sportverein gut aufgehoben zu fühlen –, sondern immer mehr auch darum, Leistung zu erbringen.»

Das Ruhigwerden als 
Herausforderung

Der Leistungsdruck ist Junod nun mit seiner Pensionierung genommen, zumindest jener, der auf ihm als Lehrer lastete. Doch Pläne für die Pensionierung hat er genügend: Ein Sprachaufenthalt; Zeit mit seinen Kindern und Enkelkindern zu verbringen; auch sein eigenes Coaching-Projekt Atelier Lebenskunst will er weiterführen.

Langweilig wird es ihm also nicht, eine Herausforderung könnte hingegen das langsame Herunterfahren werden: einen Tag auch einmal vorbeiziehen zu lassen, sich treiben lassen, weniger gezielt vorgehen. «Ich weiss noch nicht, wie gut es mir gelingen wird, mich darauf einzulassen.»

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