Dieser Flawiler bringt ein Stück Afrika in die Ostschweiz 

Ananda Geissberger liebt Afrika. Der facettenreiche Kontinent hat ihn schon früh fasziniert. Regelmässig bringt er afrikanische Musik in den Kulturpunkt mitten in Flawil. Am 1. Februar kann er ein Jubiläum feiern.

Daniela Huijser
Hören
Drucken
Teilen
Ananda Geissberger vor dem Kulturpunkt Flawil.

Ananda Geissberger vor dem Kulturpunkt Flawil.

Lisa Jenny

Mitreissender Rhythmus, einschmeichelnde Stimme, überschwappende Lebensfreude – man muss keine hellseherischen Fähigkeiten haben, um sich vorzustellen, was am 1. Februar im Kulturpunkt mitten in Flawil abgehen wird. Denn das Little Africa Festival hat das Publikum bereits mit den vergangenen 19 Ausgaben in eine andere Kultur entführt, in eine Auszeit vom beschaulichen Ostschweizer Alltag. Nun also steigt das 20. Festival.

Ein Jubiläum, das Ananda Geissberger mit freudiger Erwartung erfüllt. Als er 2013 im Kulturpunkt das erste Mal afrikanische Festivalstimmung nach Flawil brachte, wurde die Veranstaltung gleich zum Erfolg. Das Publikum liess sich ein auf die Musik, die Marktstände, das exotische Essen. Für Geissberger, dessen indischer Vorname «Glückseligkeit» bedeutet, erfüllte sich ein Herzenswunsch.

Von afrikanischer Musik gepackt

Denn schon als Bub schwärmte der Flawiler von Afrika. «Bei meiner Grossmutter sah ich oft Fernsehdokumentationen über Afrika», erinnert sich der 33-Jährige. «Und mit meinen Eltern besuchte ich regelmässig das grosse Afro-Pfingsten-Festival in Winterthur.» Mit zwölf hatte er seine Eltern dann so weit gebracht, dass sie mit ihm nach Ostafrika in die Ferien reisten. Die Safaris begeisterten den Teenager, aber auch ein Konzert, das er in Mombasa erlebte. Afrikanische Musik packte ihn – und das nicht nur in den Ferien.

«In Flawil lebte damals Saihou Jagne, ein Musiker aus Gambia, der mich in verschiedenen In­strumenten unterrichtete. Von ihm habe ich sehr viel gelernt.» Ananda Geissberger wurde später zwar kein Profimusiker, sondern besuchte die Kunstschule, wurde Hochbauzeichner und bildete sich zum Eventmanager weiter. Doch die Musik blieb seine Leidenschaft.

«Mich fasziniert der hohe Stellenwert, den Musik in Afrika hat. Sie ist in der dortigen Kultur tief verankert. Und natürlich begeistert mich der Klang, die Rhythmik und die Lebensfreude, welche die Sängerinnen, Tänzer und Musiker ausstrahlen.»
Fasziniert von afrikanischer Musik: Rhythmik, Klang und Lebensfreude haben Ananda Geissberger nie mehr losgelassen.

Fasziniert von afrikanischer Musik: Rhythmik, Klang und Lebensfreude haben Ananda Geissberger nie mehr losgelassen.

Lisa Jenny

Mit 23 beteiligte sich Geissberger erstmals nicht nur als Fan am Afro-Pfingsten-Festival, sondern begann, sich persönlich für den Grossevent zu engagieren. Fünf Jahre später wurde er Programmchef, Anfang Jahr nun Co-Geschäftsleiter. Doch nicht nur die Grossstadt sollte zum Treffpunkt für Fans afrikanischer Musik werden. Auch in seinem Wohnort wollte Ananda Geissberger der afrikanischen Kultur eine Bühne geben.

Musikalische Souvenirs

Dafür standen die Voraussetzungen sehr gut, schliesslich hatte er 2011 den Verein Kulturpunkt gegründet und seither freie Hand bei der Zusammenstellung des Programms. «Mir war es wichtig, dass ich in kleinem Rahmen regelmässig ein afrikanisches Festival organisieren kann. Und das Publikum schätzt es; meistens sind es um die 100, die drei- bis viermal jährlich an unser Little Africa Festival kommen. Fürs Kulinarische sind unterschiedliche afrikanische Köche zuständig.»

Zwei Acts treten jeweils auf, manche Künstler leben in der Schweiz, andere sind gerade auf Tour. Gewöhnlich liegt der Fokus auf Gesang und Musik, gelegentlich tritt eine Tanzgruppe auf. Und ab und zu gesellt sich auch Ananda Geissberger zu einer Band, stimmt in den Rhythmus ein mit einer seiner Perkussionsinstrumente. Und von denen hat der afrikabegeisterte Veranstalter einige, wie ein Blick in den «Estrich» des Kulturpunkts zeigt. Auf mehreren Regalen stehen grössere, kleinere, schlanke oder dickere Trommeln – Souvenirs von Reisen, die Geissberger so oft als möglich auf den afrikanischen Kontinent unternimmt.

Die nächste Reise am Planen

Auch heute noch, nach zahlreichen Afrikareisen, geht’s natürlich auf Safari. Doch die Ziele sind nicht die klassischen Tourismus-Hochburgen. «Früher machte ich eine längere Reise durch ganz Afrika, nun beginne ich, ‹Lücken› zu füllen und jene Länder und Orte zu besuchen, die ich noch nicht kenne.» Im Sommer bereisten Ananda Geissberger und seine Partnerin die Staaten Uganda, Ruanda und Kongo, bevor es zum Schluss zum Tauchen an die Ostküste ging. Im Kongo, jenem Staat, der hauptsächlich durch Krieg und Terror Schlagzeilen macht, besuchte der Flawiler Festivalorganisatoren. Zu einem eindrücklichen Erlebnis wurde später ein Ausflug zu den Berggorillas. Bereits entwirft er die nächste Reise – von Ghana nach Kamerun.

Trotz aller Liebe zu Afrika: Ein Blick in die Agenda des Kulturpunkts zeigt, dass der Programmchef mehr bieten will als afrikanische Künstler. Am kommenden Samstagabend tritt der Blueskünstler Manuel Tavoni auf, am Sonntag die Iren Tale of the Gael. Praktisch jedes Wochenende und manchmal auch an Werktagen lockt Musik ins holzig-heimelige Kulturlokal an der St. Gallerstrasse 15. Tickets werden übrigens keine verkauft; der Verein stellt eine Kollekte auf, verbunden mit einer «Empfehlung» zur Höhe der Spende. «Das funktioniert bestens», sagt Ananda Geissberger erfreut.

«Ich fände es schade, wenn jemand auf einen unserer Anlässe verzichten müsste, weil er sich kein Ticket leisten kann. Diese Philosophie trägt bestimmt dazu bei, dass unser Publikum soziografisch und altersmässig sehr durchmischt ist.»

Das wird auch am 1. Februar so sein, wenn am 20. Little Africa Festival die Sängerin Adomaa und die Fokn Bois aus Ghana auftreten. Ananda Geissberger kann’s kaum erwarten. «Adomaa geht eher in Richtung Michael Buble und Ella Fitzgerald. Die Fokn Boys strotzen vor Selbstironie und Satire, sind Enfants Terrible der Musikszene Ghanas, die erleben gerade einen echten Hype. Das 20. Festival wird ein echter Meilenstein!»