Er bläst KKS den Marsch: DirigentFranz Sutter widmet der Bundesrätin eine Komposition

Nur bekommt auch Bundesrätin Karin Keller-Sutter ihre persönliche Marschkomposition. Seit rund zwei Wochen proben die Musizierenden aus Jonschwil und Lütisburg das Werk ihres Dirigenten, Franz Sutter. Uraufführung ist am Samstag.

Andrea Häusler
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Franz Sutter, seit acht Jahren Dirigent der Spielgemeinschaft Bürgermusik Jonschwil und Musikgesellschaft Lütisburg, vor den Noten des KKS-Marsches in seinem Heim in Jonschwil. (Bild: Andrea Häusler)

Franz Sutter, seit acht Jahren Dirigent der Spielgemeinschaft Bürgermusik Jonschwil und Musikgesellschaft Lütisburg, vor den Noten des KKS-Marsches in seinem Heim in Jonschwil. (Bild: Andrea Häusler)

Es gehört zum guten Ton: Wählt das eidgenössische Parlament ein neues Bundesratsmitglied, wird diesem ein Blasmusikmarsch gewidmet. Die Tradition ist Jahrzehnte alt. Bereits Rudolf Minger, Philipp Etter und Willi Ritschard erhielten ihre musikalischen Würdigungen, Bundesrat Gnägi sowieso. Auch die ersten Frauen in der Landesregierung, Elisabeth Kopp, Ruth Dreyfuss und Ruth Metzler durften solche persönlichen Ehren entgegennehmen. Jetzt bekommt die Wiler Bundesrätin Karin Keller-Sutter ihre eigene Komposition. Allerdings nicht vom Musikverein ihres Wohnorts, sondern von jenem des Bürgerorts.

Andreas Signer: «Bei uns war das kein Thema»

Die Idee hierfür stammt von Jonschwils Gemeindepräsident Stefan Frei. Ist er damit Wil und der Stadtharmonie in den Rücken gefallen? Mitnichten, sagt der Dirigent der Wiler Musikformation, Andreas Signer. «Der Bundesratsmarsch war bei uns so lange kein Thema, bis dieses von Jonschwil besetzt war.» Ohnehin gehöre das Komponieren nicht zu seinen Steckenpferden, räumt er ein. Folglich sei er nicht unglücklich darüber, dass Franz Sutter den ehren-, aber auch anspruchsvollen Part übernommen habe.

Keine Punk-Elemente für Punk-Liebhaberin

Freudensprünge ob der Aufgabe hatte allerdings auch dieser nicht gemacht. Nicht nur, weil er nie zuvor einen Marsch komponiert hatte. Er hatte schlicht Respekt vor dem riesigen Aufwand. Gleichwohl sei er der Herausforderung letztlich erlegen, sagt Franz Sutter. Die Befürchtungen hätten sich denn auch bewahrheitet: «Stundenlang habe ich nachgedacht, x-mal begonnen, um die Noten dann wieder dem Papierkorb zu übergeben.» Denn die Melodie, dies war Sutters Anspruch an sein Werk, sollte Karin Keller-Sutters Persönlichkeit spiegeln. Kennen gelernt hat er sie allerdings nie. «Obwohl ich immer wieder gefragt werde, ob wir verwandt seien.» So bildete denn der Eindruck, den er von KKS aus den Medien gewonnen hatte, der Leitfaden für seine Komposition. «Sie steht für mich für Kompetenz, Geradlinigkeit, Zielstrebigkeit, aber auch Herzlichkeit», sagt Franz Sutter.

Dass sie sich in einem Interview als Punk-Fan geoutet hatte, spielte bei Sutters Arbeit keine Rolle. Wenngleich der musikalische Horizont des einstigen Mitglieds einer Rock- und Popband weit über die «Militärmusik» hinausreicht. Denn allein die Tatsache, dass ein Marsch gewünscht war, schränkte ihn bei der musikalischen Ausgestaltung des Notenwerks erheblich ein. «Der Marsch, die wohl ureigenste Domäne der Blasmusik, hat einen definierten Aufbau. Ohne diesen wäre das Stück kein Marsch», erklärt er. Sutter nennt dabei drei Teile: «Den Start, in dem das Thema des Marsches vorgestellt wird, folgt oft ein Basssolo, das von den tiefen Tönen dominiert wird. Der dritte Teil nennt sich Trio. Dieser ist so benannt, weil der Part früher auch in dieser Besetzung gespielt worden war. Mittlere und höhere Töne prägen diese Passage.»

Spielbarkeit für alle Musikanten gewährleisten

Vom Ursprung her stehen die Märsche in unterschiedlichen Tempi. Gemein ist ihnen, dass sie das Gehen oder Marschieren im Gleichschritt erleichtern sollen, weswegen sie in der Militärmusik eine besondere Bedeutung haben. Das Tempo war denn auch für Franz Sutter eine Knacknuss, muss die Komposition doch von quasi jedermann – und nicht nur von Profis – gespielt werden können. Gleiches betrifft die Virtuosität des Stücks: «Ich musste schwierig zu spielende Passagen aus dem Stück nehmen», sagt er, «mit der Konsequenz, dass mir die Melodie so nicht mehr gefiel.» Ihm blieb nichts anderes übrig, als sich erneut hinzusetzen und sich noch einmal mit dem Stück auseinanderzusetzen.

Viereinhalb Minuten und ein Piccolo-Solo

Und wie klingt er nun, der Karin Keller-Sutter-Marsch? Lehnt die Melodie an eine bestehende Komposition an, werden Assoziationen geweckt? Franz Sutter zuckt die Schultern. Seine Mimik verrät nichts. So soll es auch sein, findet er. Bei der Spielgemeinschaft Bürgermusik Jonschwil und Musikgesellschaft Lütisburg, die er seit 2011 dirigiert, sei die Melodie gut angekommen, gibt er ausweichend Preis. Für ihn sei dies ein Indikator dafür, wie das Publikum später reagieren wird. Und dann entgleitet ihm doch noch die eine oder andere geheime Information. So hat der «konzertante Marsch», als den Sutter seine Komposition bezeichnet, eine Spielzeit von viereinhalb Minuten; ist also eher länger als ein herkömmlicher Strassenmarsch. Und: Er beinhaltet ein Piccolo-Solo.

Uraufführung des KKS-Marsches: Samstag, 29. Juni, 11 Uhr, Schulhausplatz in Jonschwil.

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