Entsorgung
Oberbüren droht «Mülleimer» der Region zu werden: Weiterer Deponiestandort im Richtplan festgelegt

Nutzenbuecherwald, Degenau, Radmoos, Sonnenberg und jetzt auch Thurhof: Geht es nach dem Kanton, sollen auf Oberbürer und teilweise auf Gossauer Gemeindegebiet fünf neue Aushub-/Abbruchdeponien entstehen. Die Behörden argumentieren und intervenieren, finden aber kaum Gehör.

Andrea Häusler
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Ungeachtet der Vorbehalte der Gemeinde Oberbüren wurde das Wiesland beim Thurhof als künftiger Deponiestandort im Richtplan 21 festgesetzt.

Ungeachtet der Vorbehalte der Gemeinde Oberbüren wurde das Wiesland beim Thurhof als künftiger Deponiestandort im Richtplan 21 festgesetzt.

Bild: PD

Ob Dorf oder Stadt, Strasse oder Weg – es wird gebaut. Und wo Neues entsteht, fällt zunächst Aushub- oder Abbruchmaterial an, das mit Lastwagen auf Deponien geführt wird. Nur: Deponieraum ist im Kanton St. Gallen zum raren Gut geworden. Neue Standorte sind gefragt. Eignung zeigt, allein aufgrund der Lage zwischen Wil und Gossau sowie der Nähe zur Autobahn, die Gemeinde Oberbüren. Geht es nach dem Willen des Kantons, sollen hier in den nächsten Jahren vier neue Deponien entstehen, wobei drei davon teilweise auf Gossauer Gemeindegebiet liegen. Hinzu kommt das Kiesabbauprojekt Sonnenberg der Holcim Kies und Beton AG. Das Projekt hatte 2019 und 2020 öffentlich aufgelegen und Einsprachen beschert. Die Gesuchsunterlagen liegen beim Kanton zur Prüfung.

Eine Deponie, die Aushubdeponie Ruetwis der Arge Heinz Kaiser AG/Brunner Umweltservice AG in Niederwil, ist bereits seit 2018 in Betrieb. Vergangenes Jahr wurden hier rund 45000 Kubikmeter Material eingebaut. Das entspricht in etwa dem Volumen von 1300 7,5-Tonnen-Lastwagen.

Ein Gesuch liegt nur für Deponie Nutzenbuech vor

Nutzenbuecherwald, Degenau und Radmoos, und Thurhof: Der Planungsstand der Deponieprojekte ist unterschiedlich weit fortgeschritten. Für den Standort Radmoos, seit 2016 im Richtplan enthalten, fand eine erste Vorprüfung statt, eine zweite sowie das Mitwirkungsverfahren sind weiterhin pendent. Betreiben will die Deponie die Brunner Umweltservice AG in Flawil.

Sowohl die Deponie Degenau als auch der Standort Nutzenbuech sind im Richtplan 18 enthalten, wobei für das Areal Degenau noch kein konkretes Baugesuch vorliegt. Anders beim Vorhaben im Gebiet Nutzenbuecherwald. Die Koch AG, Strassen- & Tiefbau, Kies & Beton aus Appenzell hat im Jahr 2020 in Oberbüren und Gossau ein Gesuch zur 1. Vorprüfung eingereicht. Beide Gemeinden haben sich kritisch geäussert. Es wurde eine zweite Prüfung verlangt. Der Entscheid über das weitere Vorgehen liegt nun bei der Gesuchstellerin.

Nahe der Niederhelfenschwiler Grenze auf Oberbürer Gemeindeboden liegt das 100000 Quadratmeter grosse Thurhof-Areal. Und dieses hat es in sich. Der Standort liegt im kantonalen Landschaftsschutzgebiet Thurauen und grenzt zudem an ein Auengebiet von nationaler Bedeutung. Entsprechend kritisch äusserten sich die Standortgemeinden, aber auch die Regio Wil zum Vorhaben des Kantons, den bisher als Zwischenergebnis im Richtplan enthaltenden Standort definitiv in den Richtplan 21 aufzunehmen.

«Thurhof» trotz Opposition im Richtplan festgesetzt

Ende März ist die Vernehmlassung zur Richtplan-Anpassung 21 abgelaufen. Und es kam anders, als Oberbüren dies gewünscht hatte: Der Deponiestandort Thurhof wurde definitiv festgesetzt. Ungeachtet der Ablehnung des Gemeinderats und dessen Antrags auf Löschung des Standorts als Zwischenergebnis.

Die Opposition gegen den Standort am westlichen Dorfeingang ist nicht neu. Bereits als der Standort als Zwischenergebnis im kantonalen Richtplan aufgenommen wurde, hatte sich der Gemeinderat dagegen gewehrt. Die Bedenken sind die gleichen geblieben. Gemeindepräsident Alexander Bommeli nennt einerseits die Problematik des Radwegs Sonnental-Oberbüren sowie der drohenden Mehrbelastung beim Sonnentalerkreisel. «Zudem befindet sich der Standort in einem Auenschutzgebiet, weshalb das Gebiet sehr sensibel auf negative Umwelteinflüsse reagiert.» Betreiben will die Thurhof-Deponie übrigens die Hastag St. Gallen Bau AG mit Sitz in St. Gallen. Ein konkretes Gesuch habe das Unternehmen bisher jedoch nicht eingereicht, sagt Bommeli.

«Es fehlt eine Deponiestrategie»

Das Bedürfnis nach weiteren Deponiestandorten sieht auch der Oberbürer Gemeinderat. Allerdings sei die Konzentration der Standorte auf der Achse Oberbüren-Gossau kritisch. Dennoch und trotz vehementer Ablehnung seien drei Deponiestandorte in der Region Gossau-Oberbüren definitiv im kantonalen Richtplan aufgenommen geworden. «Es darf nicht sein, dass diese Region einer Überbelastung ausgesetzt wird und willkürlich Deponiestandorte definiert werden. Deshalb hat der Gemeinderat in den vergangenen Jahren bei jeder Richtplananpassung verlangt, dass der Kanton zuerst eine Strategie vorlegt, bevor weitere Deponiestandorte in den Richtplan aufgenommen werden. Das hat er auch in der Vernehmlassung zum «Thurhof» getan. «Leider liegt bis heute keine solche Strategie vor», sagt Bommeli.

Die Auswirkungen von Deponien auf die Landschaft, die Umwelt und den Verkehr sind erheblich. Dennoch bleibt den Gemeindebehörden lediglich die Möglichkeit, immer wieder zu intervenieren und Anpassungen zu verlangen. Verbieten können sie den Bau von Deponien nicht: «Wenn ein Baugesuch die Voraussetzungen erfüllt, müssen wir die Ausführung bewilligen», sagt de