Entscheidet Person oder Partei?

In Uzwil bewerben sich vier Kandidaten für die Wahl zum Schulratspräsidenten. Am 25. November findet der zweite Wahlgang statt. Roland Eggenberger ist neu dazugekommen. Der ausgebildete Schulleiter will an seinem Wohnort Verantwortung übernehmen.

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Roland Eggenberger ist mit dem Uzwiler Bildungswesen vertraut. Hat er doch hier während 24 Jahren als Sekundarlehrer unterrichtet. (Bild: stu.)

Roland Eggenberger ist mit dem Uzwiler Bildungswesen vertraut. Hat er doch hier während 24 Jahren als Sekundarlehrer unterrichtet. (Bild: stu.)

Herr Eggenberger, worin besteht Ihre Motivation, für das Amt des Schulratspräsidenten im zweiten Wahlgang zu kandidieren?

Roland Eggenberger: Ich bin überzeugt, das Amt gut ausüben zu können. Ich wurde von verschiedenen Personen darauf angesprochen, und seit der offiziellen Kandidatur erhielt ich viele positive Reaktionen. Ich möchte für die Gemeinde Uzwil, in der ich seit 30 Jahren wohne, Verantwortung übernehmen.

Sie bezeichnen sich als parteilos. Welchem politischen Spektrum sind Sie zuzuordnen?

Eggenberger: Ich bin politisch interessiert, gehöre aber keiner Partei an. Wenn ich als Schulratspräsident gewählt werde, habe ich mich auch mit politischen Fragen zu beschäftigen. Doch stehe ich diesbezüglich eher rechts der Mitte. Auch ökologische Themen sind mir wichtig, sie sollten aber meiner Ansicht nach nicht fundamentalistisch angegangen werden. Ich halte wenig von einem Schwarzweiss-Schema. Um tragfähige Lösungen zu erreichen, sind oft Kompromisse notwendig.

Ist die Ausbildung als Schulleiter für diese Funktion von Vorteil?

Eggenberger: Sicher, ich kenne alle Ebenen der Schule. Ich war an beiden Wirkungsorten in die verschiedensten Abläufe involviert. Ich kenne damit den Alltag und die Probleme der Schule nicht nur von der Eltern-, sondern auch von der Lehrer-, Schulleiter- und Behördenwarte. Ich begreife die Angst vor einer schulnahen Person in diesem Amt nicht, denn wenn ich weiss, wovon das Gegenüber redet, dann kann ich dies besser beurteilen.

Sie haben lange in Uzwil unterrichtet. Wie haben Sie die Schule hier erlebt?

Eggenberger: Mir hat es hier sehr gut gefallen. 2005 verliess ich die Schule Uzwil ungern. Ich wollte mich aber weiterentwickeln, und dafür wollte ich mich einer neuen Herausforderung in einer neuen Umgebung stellen. Die Schule Uzwil habe ich von 1994 bis 2010 auch als Vater erlebt. Das ist eine wertvolle Erfahrung für jede Person, welche im Schulumfeld tätig ist.

Aktuell ist die Oberstufenreform. Ihre Meinung dazu?

Eggenberger: Hier hat Uzwil noch einen grossen Nachholbedarf. Die Bildung von Oberstufenzentren wurde verpasst (Schule auf die grüne Wiese in Richtung Henau-Algetshausen statt Aufstockungen) oder auf die lange Bank geschoben. Ich habe in den sieben Jahren «auswärts» mit Oberstufenzentren gute Erfahrungen gemacht.

Die Sonderpädagogik, der Umgang mit sogenannt schwierigen Schülern, ist ebenfalls in aller Munde.

Eggenberger: Die Sonderpädagogik sollte sich mit Schülern beschäftigen, die vermehrten Förderbedarf ausweisen. Dies sind auffällige Defizite im schulischen wie auch sozialen Bereich. Es sollte aber das Spektrum im anderen Bereich, die permanent unterforderten Schüler, nicht vergessen gehen. Was heisst schwierige Schüler? Es gibt zu viele Kleinklassen, in welche Problemfälle einfach abgegeben werden.

Auch der Unterricht in Niveaugruppen ist aktuell.

Eggenberger: Im Thurgau, wo ich seit Sommer 2010 arbeite, sind Niveaugruppen obligatorisch. Diese Form wird den Fähigkeiten der Schüler eher gerecht, bedingt aber Oberstufenzentren. Die negativen Erscheinungen wie weniger Lektionen beim Klassenlehrer sind aufzufangen, die Vorteile überwiegen aber klar.

Was halten Sie vom Einsatz des Computers im Unterricht?

Eggenberger: In der heutigen Welt ist der Computer nicht mehr wegzudenken. Er ist im Unterricht situationsgerecht einzusetzen. Man denke bei den Schülern nur an die Informationsbeschaffung, Texte verfassen, Vorträge machen, Online-Übungen. Die elektronische Wandtafel als Arbeitsinstrument für die Lehrperson wird je nach Stufe und Fachbereich auch vermehrt eingesetzt werden. Wichtig ist, dass bei den Schülern und Eltern auch Gefahren und Probleme im Umgang mit den neuen Medien thematisiert werden. Die Technik ist nicht aufzuhalten, so hat im Alltag das Smartphone den PC schon lange abgelöst. Es gibt ja gemäss Presse auch Schulung der Bühler-Lehrlinge per Netz, wenn diese auswärts sind.

Der Schulratspräsident ist in der Einheitsgemeinde Mitglied des Gemeinderates. Da ist Exekutiverfahrung gefragt. Können Sie solche ausweisen?

Eggenberger: Die letzten sieben Jahre war ich intensiv in die Arbeit in der Schulbehörde eingebunden. Die Arbeit in der Exekutive ist mir daher vertraut. Ich arbeitete vor allem auch in Halingen intensiv in der Behörde mit, aus rechtlichen Gründen aber ohne Stimmrecht. In personellen Dingen wie bei Anstellungen war die Führung bei mir, entschieden haben dann aber die Behördenmitglieder.

Wie wollen Sie diese Herausforderung bewältigen?

Eggenberger: Ich habe festgestellt, dass sehr wichtige Eigenschaften in der Schulleiter- und Behördenarbeit das Zuhören-können, die schnelle Auffassungsgabe und die Dossier-Sicherheit sind. Über diese Eigenschaften verfüge ich sicher.

Der Schulratspräsident hat's beinahe ausschliesslich mit Menschen zu tun. Kann das auf die Dauer nicht zermürbend sein?

Eggenberger: Das ist ja nichts anderes als im Beruf Lehrer und Schulleiter. Man muss gerne mit Menschen zu tun haben und Geduld haben. Wichtig ist ein Ausgleich, ein gutes Umfeld. Ich habe festgestellt, dass, wenn man auf zwei Beinen steht, die eine oder andere Krise mit dem zweiten Bein aufgefangen werden kann. Wenn man nur auf einem Bein steht, sich beispielsweise nur durch die Arbeit definiert, dann kann es sehr schwierig werden.

Können Sie wenn nötig auch hart durchgreifen?

Eggenberger: Sicher. Das gehört auch zum Job als Schulleiter, es geht nicht ohne! Gemäss dem Spruch «Wer die Schlechten schont, schadet den Guten». Es geht um das Wohl von Personen, also muss man in diesem Zusammenhang auch ganz klar Grenzen setzen, und wenn diese nicht eingehalten werden, weitere Lösungen finden. Damit meine ich Schüler, Eltern und Angestellte der Schule.

Welche Prioritäten möchten Sie in der Arbeit im Schulrat setzen?

Eggenberger: Die Oberstufenreform mit Niveaus wäre sicher der erste Brocken, das heisst Strukturen in beiden Schulhäusern aufbrechen und die Schulanlagen neu definieren. Allgemein ist das Ziel: Eine gute Schule für alle, was aber nicht für alle Schüler dasselbe heisst. Schulanlagen mit eigenem Profil, welche gut funktionieren und in welche die Schüler gerne gehen. Dazu muss intensiv mit den Schulleitungen zusammen gearbeitet werden. Probleme müssen konsequent angegangen werden, sie werden nicht totgeschwiegen oder auf die lange Bank geschoben.

Interview: Philipp Stutz

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