«Entscheiden, bevor es zu spät ist»

FUSSBALL. Die frühzeitige Entlassung von Sportchef Erdal Keser beim FC Wil wirft Fragen auf. Während Keser auch gestern nicht erreichbar war, nimmt Vizepräsident Roger Bigger Stellung zu offenen Punkten und zur Zukunft des Vereins. Das Projekt mit Investor Günal sieht er nicht in Gefahr.

Simon Dudle
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«Der Aufstieg soll so schnell wie möglich realisiert werden», sagt FC-Wil-Vizepräsident Roger Bigger. Von der Europa League spricht er nicht. (Bild: Urs Bucher)

«Der Aufstieg soll so schnell wie möglich realisiert werden», sagt FC-Wil-Vizepräsident Roger Bigger. Von der Europa League spricht er nicht. (Bild: Urs Bucher)

Herr Bigger, keine zwei Monate nach Arbeitsbeginn von Sportchef Erdal Keser muss er schon wieder gehen. Es muss etwas vorgefallen sein.

Roger Bigger: Es gab unterschiedliche Auffassungen, wie das Amt des Sportchefs auszuführen ist. Manchmal ist es besser, eine Trennung frühzeitig zu vollziehen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Keser und Trainer Fuat Capa sollen das Heu nicht auf der gleichen Bühne gehabt haben.

Bigger: Die beiden hatten manchmal unterschiedliche Auffassungen, das ist richtig.

Hat sich Keser von der Mannschaft verabschiedet?

Bigger: Das Team hatte nach dem Spiel gegen Chiasso einige Tage frei. Darum war das nicht möglich. Ob es noch passieren wird, weiss ich nicht.

Erdal Keser, Entlassener Sportchef des FC Wil. (Bild: Ralph Ribi)

Erdal Keser, Entlassener Sportchef des FC Wil. (Bild: Ralph Ribi)

Sie haben Keser zum FC Wil geholt. Sind die Entwicklungen dieser Tage eine persönliche Niederlage für Sie?

Bigger: Nein, ganz und gar nicht. Es war nämlich etwas anders. Erdal Keser hat mich kontaktiert, und zwar im Auftrag der MNG-Group. Danach gab es diverse Treffen, bei denen Keser gar nicht dabei war. Bei den Übernahme-Vertragsverhandlungen war Keser nicht zugegen. Erst nach der Freistellung des damaligen Trainers Francesco Gabriele kam er wieder ins Spiel.

War der Sportchef innerhalb der Mannschaft umstritten?

Bigger: Das weiss ich nicht. Als Vizepräsident bin ich zu wenig nahe dran am Tagesgeschäft.

Siegesprämien gibt es beim FC Wil nur, wenn die Mannschaft in die Super League aufsteigt. Hatte der Sportchef der Mannschaft ursprünglich etwas anderes versprochen?

Bigger: Entweder hat er falsch kommuniziert, oder das Team hat es falsch aufgenommen. Es dürfte sich um eine Kommunikationspanne handeln.

Keser betonte immer, man wolle etwas Langfristiges aufbauen in Wil. Nun ist er bereits wieder weg. Steigt nun Investor Mehmet Nazif Günal aus?

Bigger: Nein, ganz bestimmt nicht. Ich bin mit Herrn Günal senior in engem Kontakt. Er sagte mir, dass man manchmal auch heikle Entscheidungen treffen muss, bevor es zu spät ist.

Unter Keser war die Zielsetzung klar und ambitioniert. Diese Saison aufsteigen und möglichst schnell in der Europa League spielen. Ändert sich daran etwas?

Bigger: Der Aufstieg soll so schnell wie möglich realisiert werden. Wenn es in dieser Saison nicht klappt, dann greifen wir in der nächsten wieder an.

Und die Europa League?

Bigger: Wenn wir aufgestiegen sind, kann man darüber reden.

Werden auch nach Kesers Abgang noch zwei neue Spieler für die Offensive gesucht?

Bigger: Wir prüfen Alternativen. Wenn, denn müssten es schon Leute für die Offensive sein.

Statt eines Sportchefs wird eine Sportkommission eingesetzt. Dieser sollen Kenner der Schweizer Fussballszene angehören. Wer?

Bigger: Das steht noch nicht fest. Wir suchen mindestens eine Person, die in der Schweizer Szene einen guten Namen hat.

Wohnen prominente Spieler wie Captain Egemen Korkmaz oder der Brasilianer André Santos immer noch im Hotel?

Bigger: Korkmaz hat mit seiner Familie mittlerweile eine Wohnung in Wil gefunden, Santos eine in St. Gallen.

Wird immer noch nach einem CEO Ausschau gehalten?

Bigger: Zuerst müssen wir Ersatz für Büroleiterin Daniela Grella und für Marketingmann Dominic Zurkirchen suchen. Wenn diese Positionen wieder besetzt sind, schauen wir weiter.

Apropos: Mit Daniela Grella, Dominic Zurkirchen, Patrick Kugler und «Heiri» Hofmann haben gleich mehrere langjährige Mitarbeiter den FC Wil verlassen. Wieso diese Häufung?

Bigger: Die Situation war nicht bei allen gleich. Patrick Kugler konnte seine Funktion als Teammanager aus familiären Gründen nicht mehr ausführen, er bleibt aber für das Catering zuständig. Bei den anderen hat zum Teil die Geduld gefehlt. Am Anfang stand im Fokus, das Vertragsverhältnis mit Spielern und Staff zu regeln. Dass es dabei zum Teil drunter und drüber geht, ist verständlich.