Enorme mentale Herausforderung

DEGERSHEIM. Yasin Chennaoui ist aus Porto Carras zurück. Der Degersheimer Schachjunior beendete seine erste und gleichzeitig letzte Weltmeisterschaft als U12-Spieler auf Rang 153. Nächstes Jahr wird er in der Kategorie U14 starten.

Andrea Häusler
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Freundschaftliche Geste zwischen harten Gegnern. Yasin Chennaoui an der WM in Griechenland. (Bild: pd)

Freundschaftliche Geste zwischen harten Gegnern. Yasin Chennaoui an der WM in Griechenland. (Bild: pd)

«Es war eine eindrückliche und nachhaltige Erfahrung», sagt Yasins Mutter Alexandra Chennaoui drei Tage nach der Rückkehr vom Austragungsort der Jugend-Schachweltmeisterschaft 2015, der griechischen Insel Halkidiki. Obwohl die Turniertage strukturiert und die Rückzugsmöglichkeiten bescheiden gewesen seien. «Yasin war in seinem Element, hat den Kontakt mit Spielerinnen und Spielern aus der ganzen Welt genossen und sich oft abends noch mit anderen WM-Teilnehmern zu einer Schachpartie getroffen.» Daraus hätten sich Bekanntschaften ergeben, die er nun weiter pflege. «Ein Mädchen aus Slowenien wird uns beispielsweise im Sommer besuchen und gegen den frischgebackenen Vizeweltmeister aus Indien will Yasin künftig via Skype Schach spielen.»

11 Tage Schach spielen

Die Bilanz der 12köpfigen Schweizer Delegation fiel allerdings eher ernüchternd aus. Nach einem vielversprechenden Start ins Turnier wurden die Punkte rarer und in der letzten Turnierhälfte war dann schliesslich definitiv der Wurm drin. Einen Grund dafür sieht Alexandra Chennaoui in der Länge des Turniers, das die beiden U18- Spieler, die drei U16- und U14- und erst recht die vier U12-Spieler an ihre Grenzen geführt habe. «Ein 11tägiges Turnier stellt enorme Anforderungen an die mentale Kondition. Und in der Schweiz werden schlicht keine Turniere über derart viele Runden gespielt.» Yasin reichte es mit vier gewonnenen und sechs verlorenen Partien sowie einem Remis zum 153. Rang in der Kategorie U12.

Umgang mit Niederlagen

Enttäuscht? Alexandra Chennaoui verneint entschieden: «Über das ganze betrachtet überwiegen die positiven Erlebnisse.» In Griechenland selbst seien allerdings zwischendurch schon auch Tränen gerollt. «Mit Niederlagen gegen sehr starke Gegner kann Yasin gut umgehen; sich Fehler gegen bezwingbare Gegner zu verzeihen fällt ihm hingegen ausgesprochen schwer.» Bereits vor Turnierbeginn habe der Trainer vor allzu hohen Erwartungen gewarnt, versucht, die Chancen seiner Schützlinge im Umfeld der rund 1500köpfigen internationalen Konkurrenz realistisch einzuschätzen und seine Beurteilung auch zu kommunizieren. Damit habe er die Jugendlichen vorab auf den Boden gebracht und allfälligen Enttäuschungen entgegengewirkt. «Das Niveau war extrem hoch», sagt Alexandra Chennaoui, die Yasin mit der Familie nach Griechenland begleitet und am Ort unterstützt hat. «Wir haben Jugendliche aus Indien getroffen, die von Privatlehrern unterrichtet werden und, wie Spitzensportler, täglich acht Stunden Schach trainierten.»

Nächstes Jahr U14

Die Weltmeisterschaft ist Vergangenheit. Bereits am nächsten Wochenende ist Yasin Chennaoui gefordert, den Blick nach vorn zu richten. In St. Gallen steht die erste Qualifikation für die Schweizer Meisterschaft 2016 an. Erstmals wird der (noch) 12-Jährige dann offiziell bei den, bzw. gegen die U14-Junioren spielen und damit wieder zu den jüngsten Spielern seiner Kategorie zählen. Seine Ziele? «Yasin möchte sicher noch einmal an einer Schach-Europameisterschaft und/oder Weltmeisterschaft teilnehmen», sagt Alexandra Chennaoui.