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ENGAGEMENT: Abschied von St. Otmar

Eher zufällig kam Barbara Peter aus Wil zu ihrer Arbeit im Haus St. Otmar. 13 Jahre wurden schliesslich daraus. Nun verabschiedet sie sich mit einem weinenden und einem lachenden Auge in die Pension.
Barbara Peter (rechts) mit ihrer Nachfolgerin Marianne Burud (links), Mitarbeiterin Betreuung mit Schwergewicht Hauswartung, und Gabriella Capassi (Mitte), Leitung Haus St. Otmar. (Bild: PD)

Barbara Peter (rechts) mit ihrer Nachfolgerin Marianne Burud (links), Mitarbeiterin Betreuung mit Schwergewicht Hauswartung, und Gabriella Capassi (Mitte), Leitung Haus St. Otmar. (Bild: PD)

«Das Haus und seine Bewohner sind mir ans Herz gewachsen, sie haben mich vor allem auch sehr bescheiden gemacht», erklärt Barbara Peter zum Abschied. Noch einmal etwas anders zu tun, war ihr Ziel, als sie als einstige Lektorin vor 13 Jahren in den Spitex-Bereich einstieg. Ihre Arbeit sollte Sinn haben und anderen Nutzen bringen. Über Pro Senectute kam sie ins Haus Otmar. «Ich hatte einen Klienten, den ich regelmässig aufsuchte und in alltäglichen Belangen unterstützte. Nebenbei lernte ich dann dieses sehr spezielle Haus kennen.»

«Das gibt es kein zweites Mal»

Das Haus St. Otmar wurde vor über 100 Jahren gegründet und bietet heute 26 Männern ein Zuhause. «Das Haus ist schwierig zu umschreiben», erklärt Barbara Peter, «weil es ein solches wohl kaum ein zweites Mal gibt.» Es ist weder Heim noch Auffangstätte, weder Notschlafstelle noch Pension – und doch ist es alles in Union. Jeder Mann, der hier wohnt, bringt seine Lebensgeschichte und damit einen ganz speziellen Grund mit, warum er hier logiert: Stress bei der Ablösung von der Familie, Streit und Scheidung, Arbeitslosigkeit, eine psychische Beeinträchtigung, ja, auch Sucht kann eine Rolle spielen, warum man an die Tür des «Otmar» klopft. Es gibt aber auch Männer, die aus saisonalen Gründen für Wochen oder Monate hier leben und in der Nähe arbeiten, um dann wieder abzureisen.

«Gleich ist bei allen», schmunzelt Barbara Peter, «dass das ‹Otmar› für niemanden die Wunschdestination ist, und dennoch bedeutet dieses Haus für die meisten ein Stück Heimat und Geborgenheit, für die einen ein paar Wochen, für andere ein paar Monate und für manche Jahre.»

Während der 13 Jahre ihrer Tätigkeit habe das Haus einen Wandel durchgemacht, erinnert sich Barbara Peter. Die Hausleitung war einst alleinige Angestellte, lediglich mit Unterstützung einer Reinigungskraft, wohnte im Haus und hatte vor allem die Funktion einer «Schlummermutter». Mittlerweile wurde personell und vor allem auch fachlich erweitert. Die heutige Leitung, Gabriella Capassi aus Wil, hat jahrzehntelange Erfahrung in der Führung einer psychiatrischen Wohn- und Arbeitsstätte und ist eng mit anderen ­Institutionen und Behörden verknüpft. Im Büro ist eine Fachkraft für administrative Belange zuständig, Mitarbeiterinnen mit verschiedenen Funktionen sind vor Ort, halten das Haus «in Schuss» und helfen bei der Tagesstruktur der Bewohner mit.

Bescheiden gemacht

Das Haus wird liebevoll gepflegt, einmal pro Woche wird eine warme Mahlzeit angeboten, und wo Not am Mann ist, wird beraten und unterstützt. Ein Telefon-Pikettdienst rundet das Angebot ab.

Als Haus der unterschiedlichsten Schicksale könnte man das «Otmar» umschreiben. «Jeder der Männer hat eine andere Geschichte, und jede ist in ihrer Art beeindruckend», findet Barbara Peter. Es gibt Männer, die durchaus einst beruflich erfolgreich waren, jedoch durch irgendwelche Irr- und Wirrungen des Schicksals zurückgeworfen wurden und nun versuchen, wieder Tritt zu fassen in der Hoffnung, nochmals einen Platz an der Sonne zu ergattern. «Die Arbeit hier im Haus hat mir gezeigt, wie rasch man nach unten katapultiert werden kann – trotz guter Ausbildung und vielen Fähigkeiten. Das Leben ist unberechenbar, und genau deshalb kann das Haus Otmar eine (überlebens-) wichtige Zwischenstation sein. Mich jedenfalls hat die Zeit hier sehr bescheiden gemacht.»

Ganz will Barbara Peter «ihrem Otmar» den Rücken nicht zuwenden: Sie nimmt nun Einsitz in der Betriebskommission und leistet ehrenamtlich Vorstandsarbeit. (red)

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