Energiewende
«Ein Grossprojekt, das seinesgleichen sucht»: Stadt Wil will riesige Fotovoltaikanlage realisieren

2019 initiierte das Parlament auf Antrag der Grünen Prowil die Solaroffensive. Nun soll eine Million Franken für den Bau einer Solaranlage auf dem Dach der Firma Schmolz + Bickenbach verwendet werden. Diese würde umgerechnet Strom für 190 Einfamilienhäuser produzieren. Das Parlament entscheidet im September.

Gianni Amstutz
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Auf den Dächern und an den Fassaden der Firma Schmolz + Bickenbach in Bronschhofen soll eine der grössten Fotovoltaikanlagen der Stadt Wil entstehen.

Auf den Dächern und an den Fassaden der Firma Schmolz + Bickenbach in Bronschhofen soll eine der grössten Fotovoltaikanlagen der Stadt Wil entstehen.

Bild: PD

Die Ziele sind hochgesteckt. Bis 2050 strebt Wil die Klimaneutralität an. Damit das gelingt, muss zumindest ein weitaus grösserer Teil des Stroms als heute aus erneuerbaren Quellen im Versorgungsgebiet stammen. Da der Krebsbach nicht genug Wasser führt, um ein Wasserkraftwerk zu bauen, und Windenergie bisher ebenfalls kein Thema ist, bleibt nur eine Option: Solarenergie muss die treibende Kraft in der Energiewende sein.

Das Parlament hat deshalb 2019 Geld für eine Solaroffensive gesprochen. Nun beantragt der Stadtrat aus diesem Topf einen Kredit über eine Million Franken für ein Projekt, das es in dieser Grösse noch nie gab.

Ein neues Modell forciert den Ausbau von Solarenergie

Das Problem, mit dem die Stadt sich konfrontiert sieht: Nur ein Bruchteil aller Liegenschaften befindet sich im Besitz der Stadt. Der Einfluss beschränkt sich also vielfach darauf, Anreize zu setzen und den Bau von Anlagen zu subventionieren. Jetzt hat die Stadt aber eine weitere Möglichkeit gefunden, wie sie dem Ziel von 15 Prozent Solarstrom bis 2050 näherkommen kann.

Beim sogenannten Contracting-Modell stellen Private ihr Dach den Technischen Betrieben Wil (TBW) zur Verfügung, die darauf eine Solaranlage bauen. Im Gegenzug erhält der Kunde eine über die gesamte Vertragslaufzeit fixe Dachnutzungsgebühr beziehungsweise durch die Nutzung des Eigenverbrauchs einen kostengünstigeren Ökostrom ab seinem eigenen Dach. Ein solches Projekt soll nun in leicht angepasster Form erstmals realisiert werden – und zwar bei der Schmolz + Bickenbach Stahlcenter AG in Bronschhofen, bekannt als Schmobi.

Sowohl Stadt als auch Schmobi profitieren

Die Stadt spricht von einer Win-win-Situation. Die Schmobi könne von kostengünstig produziertem 100-Prozent-ökologischem Solarstrom profitieren. Die TBW von der Überschussenergie und dem daraus resultierenden Strom, den sie als Herkunftsnachweise für den Weiterverkauf an ihre Kundschaft verwenden können.

Die Bruttokosten für den Bau der Anlage betragen rund eine Million Franken. Diese sollen von der TBW über das Konto «Solaroffensive» bezahlt werden. Der Stadtrat legt dem Parlament deshalb einen Bericht und Antrag für einen Kredit in dieser Höhe vor. Effektiv dürfte das Projekt nach Abzügen von Förderbeiträgen durch den Kanton und die Stadt 800'000 Franken kosten.

Schmobi zahlt die Anlage mittels Eigenverbrauchskosten des FV-Stroms sowie des Überschussstroms ins TBW-Verteilnetz spätestens nach 25 Jahren, gemäss aktueller Kalkulation sogar schon in den nächsten 17 bis 18 Jahren, zurück. Circa 60 Prozent des produzierten Stroms werden von der Schmobi für den Eigenverbrauch benötigt, die restlichen 40 Prozent fliessen ins Netz und können von den TBW weiterverkauft werden.

Strom für 190 Einfamilienhäuser

Die Stadt spricht von einem Grossprojekt, «welches in dieser Dimension seinesgleichen in der Stadt Wil sucht». Betrachtet man die Zahlen, ist das keine Übertreibung. Durch den Bau dieser Anlage würde sich die Gesamtproduktion auf Wiler Stadtgebiet um 850 kWp erhöhen, was einem Plus von 10 Prozent gleichkommt. Diese zusätzlich produzierte Solarenergie von rund 720'000 kWh entspricht ungefähr dem Strombedarf von 190 Einfamilienhäusern.

Ende September soll das Geschäft im Parlament behandelt werden. Wird der Kredit gesprochen, soll bereits im Oktober die Projekteingabe erfolgen. Der Baustart ist für November vorgesehen und schon im Dezember soll die Anlage in Betrieb genommen werden.