ENERGIESTADT: Auf dieser Grundlage will er aufbauen

Der Grüne Daniel Stutz hat am 1. Januar das Stadtratsamt von Marcus Zunzer (CVP) als Vorsteher des Departements Bau, Umwelt und Verkehr übernommen. Nun muss er seine Wahlsprechen erfüllen, die Energiestadt Wil einen Schritt weiterzubringen.

Thomas Riesen
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Stadtrat Daniel Stutz: «Wenn wir konsequent nachhaltig bauen, ist viel möglich.» (Bild: Marlies Scarpino)

Stadtrat Daniel Stutz: «Wenn wir konsequent nachhaltig bauen, ist viel möglich.» (Bild: Marlies Scarpino)

Thomas Riesen

redaktion@wilerzeitung.ch

Mit dem Projekt Energiestadt ist ein Förderprogramm verbunden. «Der städtische Energiefonds ist eine sehr gute Grundlage, auf der sich aufbauen lässt», fasst der neue Stadtrat zusammen und verweist auf das offene Energiekonzept und dessen Bedeutung (siehe Box). Unabhängig davon kann er bestätigen, dass das Förderprogramm «Wirkung zeigt und akzeptiert ist». Aber Daniel Stutz muss auch zur Kenntnis nehmen, dass nicht alle zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft werden. Daraus leitet er Handlungsbedarf ab.

Anteil mindestens verdoppeln

Als besonders wichtig bezeichnet Stadtrat Daniel Stutz «die Massnahmen zur Wärmesanierung bei bestehenden Gebäuden». Diese halten sich konstant auf einem Spitzenplatz: 2016 belief sich die Förderung auf über 70000 Franken, 2015 auf über 50000 und 2014 waren es noch rund 30000 Franken. Zufrieden ist er damit aber nicht, denn jährlich müssten in Wil mindestens zwei Prozent aller Liegenschaften energetisch verbessert werden, um das Ziel des Energiekonzepts zu erreichen. Die aktuelle Quote liege bei rund einem Prozent. Deshalb denkt er über eine Zusammenarbeit mit dem Wiler Gewerbe nach, um Liegenschaftenbesitzern realisierungsreife Möglichkeiten aufzuzeigen – und Projekte zu beschleunigen.

Der erste Eindruck täuscht

Nummer eins bei den Fördermassnahmen sind Fotovoltaik­anlagen. Die Nachfrage ist allerdings gesunken. 2016 waren es nurmehr 130000 Franken, 2015 knapp 300000 und 2014 noch deutlich über 300000 Franken. Daniel Stutz führt das darauf zurück, dass Projekte zuerst auf den grossen Dachflächen realisiert worden seien, etwa bei der Larag AG. Für die kleineren Flächen können sich künftig Verbund­lösungen ergeben oder neue innovative Lösungen mit lokalen Stromspeichern.

Kurt Egger, Energieberater der Stadt Wil, erkennt noch andere Gründe. Der Bund hat seine Förderung verstärkt, entsprechend sei die Förderung in Wil reduziert worden. «Es werden nicht weniger Fotovoltaikanlagen gebaut.» Zugleich betont er: «Die Entwicklung der Solarstromproduktion ist mittelfristig von der Energiestrategie des Bundes abhängig.» Darüber wird in der Schweiz am 21. Mai an der Urne abgestimmt.

E-Fahrzeuge als Ausbaumöglichkeit

Über den bestehenden Massnahmenkatalog hinaus ist Daniel Stutz für die Förderung von E-Fahrzeugen. Für ihn stellt sich immer die Frage: Mit welchen Mitteln erreichen wir welche Ziele? Dazu braucht es Massnahmen über den Energiefonds hinaus. Ein Beispiel: Für ihn ist die Förderung des Fuss- und Veloverkehrs zentral. Noch sei Wil keine Velostadt, dafür müsse die Infrastruktur verbessert werden. Unabhängig von solchen Überlegungen steht für Daniel Stutz fest: «Sobald das Energiekonzept verabschiedet ist, werden die Massnahmen überprüft.»

Optimist oder Pessimist?

Baulich sieht der neue Wiler Stadtrat Handlungsbedarf. Er spricht von 2000-Watt-Arealen im Sinne der 2000-Watt-Gesellschaft, an die er glaubt. «Wenn wir konsequent nachhaltig bauen, ist vieles möglich.» Es sei grundsätzlich eine Frage der Haltung beziehungsweise des Wollens: «Denken wir optimistisch oder pessimistisch?» Ein weiterer Aspekt ist für ihn die Erkenntnis, dass Moral alleine als Ansporn nicht genügt. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sollen ein vernünftiges Verhalten fördern. Möglicherweise wird Wil dereinst als Nachhaltigkeits-Leuchtturm über die Region hinaus ausstrahlen. Für Daniel Stutz ist das nur eine Frage der Zeit. Er ist Optimist. Jetzt muss er nur noch die Pessimisten überzeugen.