Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Endliche Liebe: Eine Flawiler Autorin sinniert über Gefühle und das Älterwerden - aber nicht alleine

Helga S. Giger aus Flawil und Peter Gross haben gemeinsam ein Buch geschrieben.
Zita Meienhofer
Helga S. Giger hält ihr Erstlingswerk in den Händen. Sie hat es gemeinsam mit ihrem Partner geschrieben.Bild: Zita Meienhofer

Helga S. Giger hält ihr Erstlingswerk in den Händen. Sie hat es gemeinsam mit ihrem Partner geschrieben.Bild: Zita Meienhofer

«Ich muss Ihnen unbedingt schreiben.» Mit diesem Satz beginnt die Korrespondenz zwischen Celine und Thomas, ihre Liebesgeschichte und der Roman von Helga S. Giger und Peter Gross. 116 Seiten später endet die Briefkorrespondenz, im Wissen, dass es ihnen nicht mehr möglich sein wird, einander weiterhin zu schreiben. Celine und Thomas sind keine unbekümmerten Verliebten in jugendlichem Alter, sie sind in die Jahre gekommen, haben das Leben erfahren, kennen Beschwerden, Krankheiten, Schwäche und den Verlust von geliebten Menschen.

Entsprechend ist der Schreibstil des Liebespaares. Kaum ein 20-jähriger würde seiner Angebeteten folgende Sätze schreiben: «Ganz zufällig geriet ich in die Vernissage Ihrer gerade stattfindenden Ausstellung. Ihre Bilder, liebe Frau B., sind ein Beispiel für das, was ich mit Worten zu beschreiben suche, für ein Geheimnis, das mich zu immer neuen Gedanken zwingt: Ich bringe Sie nicht aus meinem Kopf. Sie verfolgen mich. Ihre Bilder und Skulpturen haben mich fasziniert und überwältigt.»

Sie schrieben seit jeher – aber nicht gemeinsam

Schreiben gehört für Helga S. Giger und Peter Gross zum Alltag. Sie, die in Flawil zwei Jahrzehnte die Kulturstätte Nachtcafé führte, Prosa, Gedichte, Lieder und Kabarettszenen schrieb und noch immer schreibt. Er, Soziologe und Autor verschiedener Bücher – unter anderem des Bestsellers «Multioptionsgesellschaft».

Das Schreiben ist für sie nicht Neuland, Neuland war nur das gemeinsame Schreiben. «Es gab dazwischen Krisen», sagt Helga S. Giger, «aber ich habe immer wieder insistiert.» Denn es war ihre Idee, gemeinsam an einem E-Mailroman zu schreiben. «Peter musste sich von einer Krankheit erholen, dabei musste er eine Beschäftigung haben», erklärt Giger. Sie schrieb den Plot und legte ihn ihm vor. Er übernahm den Part von Thomas, sie jenen von Celine. So schrieben sich die Flawilerin und der St.Galler hin und her – manchmal sofort, manchmal verstrichen Tage. Allerdings via E-Mail und nicht in Briefform.

Fiktive Personen wider- spiegeln Lebensphasen

Szenen in ihrem Buch widerspiegeln ihr Leben. Thomas, als ehemaliger Museumsdirektor, beschreibt Bilder, erklärt seiner Celine die Bedeutung der Skulptur «Die Verzückung der Heiligen Theresia» von Gian Lorenzo Bernini. Obwohl Helga S. Giger klar deklariert, sie seien es nicht, finden sich ihre Interessen, ihre Lebenserfahrungen, ihre Vorlieben, ihre Gedanken und Ängste in vielen Passagen wieder. Denn, wer sonst, wenn nicht ein Kunstkenner, kann diese Skulptur so beschreiben, wie Peter Gross es tut? Nicht zuletzt ist der Tod, der Verlust ein immer grosses Thema. Thomas beschreibt seinen Schmerz nach dem Tod seiner geliebten Frau, Celine ist von Streitigkeiten und Bosheiten umgeben, nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hat. «Es sind fiktive Personen», sagt Helga S. Giger einige Male während des Gesprächs, «doch prägen persönliche Erfahrungen die Charaktere von Thomas und Celine.» Die Briefe der beiden älteren Menschen Celine und Thomas findet letztlich Thomas’ Tochter schön aufbewahrt in einer schwarzen Schachtel. Sie macht sich auf die Suche nach Celine.

An Ideen fehlt es der Flawilerin nicht

Eine schwarze Schachtel mit den Briefen, die ein grünes Band umgibt, ziert nun auch den Buchumschlag dieses Romans. Für die Herausgabe des Werkes konnten die Autoren das Verlagshaus Schwellbrunn gewinnen. Ab kommenden Dienstag ist es im Handel erhältlich. Bei Helga S. Giger wird es dann nicht ruhiger. «Wir werden sicher Lesungen halten», sagt sie. Und, auch anschliessend wird sie nicht still in ihrer Wohnung sitzen. Ideen für weitere Projekte hat die umtriebige Dame schon im Kopf.

Hinweis: Ich muss Ihnen schreiben, Helga S. Giger und Peter Gross ist im Buchhandel oder beim Verlagshaus Schwellbrunn erhältlich.

Die Autoren

Helga S. Giger wurde 1939 in Frankfurt am Main in den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs geboren. Sie besuchte in Heidelberg die Schulen, studierte in Heidelberg und Karlsruhe. 1961 zog sie in die Schweiz. Sie war in der Textilbranche tätig, zuletzt als Geschäftsführerin. Daneben schrieb und schreibt sie Prosa, Gedichte, Lieder und Kabarett-Sketche. Zwanzig Jahre führte sie die Kulturinstitution Nachtcafé Flawil. Sie ist Mutter von drei Kindern, Grossmutter von vier Enkeln und lebt in Flawil.
Peter Gross, 1941 im Toggenburg geboren, studierte Soziologie, Nationalökonomie und Betriebswirtschaftslehre in Zürich und Bern. Professuren in Bamberg (D) und St. Gallen. Er ist verwitwet, Vater zweier erwachsener Kinder und Grossvater von drei Enkelkindern. Publikationen: «Die Multioptionsgesellschaft» (1994), «Wir werden älter. Vielen Dank. Aber wozu?» (2013) und «Ich muss sterben» (2015). 2016 erhielt er den Grossen Kulturpreis der St. Gallischen Kulturstiftung. Er lebt in St. Gallen.(pd)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.