ENDE: «Wir sind uns nähergekommen»

Der Verein Wirtschaftsraum Südthurgau löst sich genau zwei Jahrzehnte nach seiner Gründung auf. Neue Gesetze und andere Organisationen forcierten den Entscheid. Nicht alles wird aber verschwinden.

Sandra Grünenfelder
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Nehmen Abschied vom «Wirtschaftsraum Südthurgau»: Guido Grütter, Präsident Bruno Lüscher und Clemens Albrecht. (Bild: Sandra Grünenfelder)

Nehmen Abschied vom «Wirtschaftsraum Südthurgau»: Guido Grütter, Präsident Bruno Lüscher und Clemens Albrecht. (Bild: Sandra Grünenfelder)

Sandra Grünenfelder

sandra.gruenenfelder@ thurgauerzeitung.ch

Das Ziel war gross, die Herausforderungen waren es auch: hohe Arbeitslosenzahlen und steigende Sozialkosten veranlassten Hansjörg Schmid 1997, den Verein Wirtschaftsraum Hinterthurgau zu gründen. Der Standort am südlichsten Ausläufer des Kantons sollte gefördert, die Wirtschaftskraft gesteigert, Arbeitsplätze sollten geschaffen werden.

Heute, 20 Jahre später, präsentiert sich die Region selbstbewusster denn je, sagt der amtierende Vereinspräsident Bruno Lüscher. Dies macht den bevorstehenden Schritt für ihn leichter. «Wir haben unser Ziel erreicht. Es braucht uns nicht mehr», sagt er. Der mittlerweile zu Wirtschaftsraum Südthurgau umbenannte Verein wird an der nächsten Jahresversammlung Ende Juni aufgelöst.

Neue Ausgangslage hat Einfluss beschnitten

Die Gründe dafür sind vielfältig. Neue Gefässe sind entstanden, Einflussmöglichkeiten durch die eingeführte Agglomerationspolitik gesunken. «Die Ausgangslage hat sich völlig geändert», sagt Lüscher. Das Ziel des Wirtschaftsraums Südthurgau war es, eine selbstbewusste Region aufzubauen und die Akteure aus Wirtschaft, Politik und Gemeinde näher zusammenzubringen. «Darauf können wir stolz sein. Denn das ist uns gelungen.»

Auch eine Umfrage unter den Mitgliedern des Vereins zeigte, dass alle Zeichen auf Umbruch standen. Fast alle der 14 Gemeinden, fünf Kollektivmitglieder und 49 Einzelpersonen standen hinter der Auflösung. Zu viele Or­ganisationen würden sich für irgendetwas einsetzen, so der Tenor. «Es gibt mittlerweile starke kommunale Institutionen, wie beispielsweise den Gewerbeverein», sagt der Münchwiler Gemeindepräsident und Mitglied des Wirtschaftsraumes Guido Grütter. Ein wichtiger Einflussfaktor sei auch die Gründung der Standortförderung Regio Wil gewesen, der auch die Hinterthurgauer Gemeinden angehören.

«Unsere Tätigkeiten wurden mehr und mehr obsolet», so Grütter. Wenn ein Verein nur für zwei Jahresversammlungen bestehe, dann habe das keine Daseinsberechtigung mehr. Besonders die neue Raumplanungspolitik des Bundes habe den Verein in seinen Tätigkeiten beschnitten. «Das neue Gesetz akzeptiert als Ansprechpartner nur die Regionalgruppen», sagt Grütter. «Wir hatten dadurch kein Gehör mehr.» Die Entscheidung sei also keine finanzielle Frage, sondern eine des Nutzens gewesen.

Vermögen geht in aufgegleiste Projekte über

Als Vertreter der beiden Wirtschaftsverbände bedauert Clemens Albrecht den Enscheid. «Die Arbeit des Vereins war sehr wertvoll für uns», sagt der Präsident von KMU Region Hinterthurgau. Die Akzeptanz seitens Gewerbe und Industrie der Gemeinde gegenüber sei stark gestiegen. Dennoch: «Es gibt keine Gründe, ein totes Ross zu reiten.» Doch das Wirken des Wirtschaftsraums Südthurgau wird auch in Zukunft Früchte tragen. Nicht nur das Energieprojekt «Keest», das Lüscher als «un­seren Leuchtturm» bezeichnet und das mittlerweile einen Leistungsauftrag des Kantons hat, strahlt nachhaltig weiter. So übernimmt der Arbeitgeberverband die ­Betreuung der Jobplattform «Skills4u». KMU Region Hinterthurgau führt zudem die Netzwerkveranstaltungen weiterhin durch. Das Vereinsvermögen geht denn auch an die beiden Projekte über.

Die grösste Errungenschaft für Bruno Lüscher ist allerdings wenig messbar. «Wir sind uns nähergekommen und stehen gemeinsam für unsere Region ein.»