Ende der befohlenen Überstunden

Die dreimonatige Frist der von 42 auf 44 Stunden verlängerten Arbeitszeit pro Woche für das Uzwiler Gemeindepersonal ist abgelaufen. Trotz teils heftiger Kritik zieht der Gemeinderat ein positives Fazit.

Urs Bänziger
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3. März 2015: Gemeindepräsident Lucas Keel und Verwaltungsleiter Thomas Stricker informieren über die Arbeitszeitverlängerung. (Bild: Urs Bänziger)

3. März 2015: Gemeindepräsident Lucas Keel und Verwaltungsleiter Thomas Stricker informieren über die Arbeitszeitverlängerung. (Bild: Urs Bänziger)

UZWIL. Vorbei ist die Zeit der befohlenen Überstunden für das Uzwiler Gemeindepersonal. Die Frist der verlängerten Arbeitszeit ist in dieser Woche abgelaufen. Die Mitarbeitenden können wieder wie gewohnt 42 statt 44 Stunden pro Woche arbeiten.

Der Entscheid des Gemeinderates, aus Solidarität mit der exportorientierten Wirtschaft die Arbeitszeit für alle der rund 100 Gemeindeangestellten für drei Monate zu verlängern, hat national für Schlagzeilen gesorgt und teils heftige Kritik bei den Gewerkschaften und beim Verband St. Galler Kantons- und Gemeindepersonal ausgelöst.

Keel: «Hauptziele erreicht»

Gemeindepräsident Lucas Keel wehrt sich gegen die Kritik. Der Entscheid der Nationalbank, die Kursuntergrenze zum Euro aufzuheben, sei ohne Beispiel gewesen. Der ganze Wirtschaftskreislauf sei betroffen. Der Gemeinderat sei der Meinung gewesen, man könne nicht einfach zusehen, sondern müsse handeln. Dazu stehe er auch heute noch, sagt Keel.

Die Arbeitszeit zu erhöhen, sei nicht die einzige Massnahme gewesen. Der Gemeinderat habe beispielsweise auch Fremdkapital zu tiefsten Zinsen langfristig aufgenommen. «Wir sitzen mit zahlreichen Betrieben an unserem exportorientierten Werkplatz im selben Boot. Und wir rudern mit, zeigen staatliche Leistungsbereitschaft.» Diese Bereitschaft sei in der Industrie richtig verstanden worden. «Unsere beiden Hauptziele, nämlich Flagge zeigen und Solidarität beweisen, haben wir dank des Einsatzes unseres Personals erreicht», sagt Keel.

Zusätzliche 2000 Arbeitsstunden

Während die Mitarbeitenden des grössten Arbeitgebers in der Gemeinde, der Firma Bühler, mindestens noch bis September 45 statt 40 Stunden pro Woche arbeiten, muss das Gemeindepersonal keine angeordneten Überstunden mehr leisten. Ihr Pensum beträgt wieder wie vorher 42 Stunden pro Woche. Schon vor drei Monaten hatte der Gemeinderat mitgeteilt, dass es «keine Option auf eine Verlängerung» gebe.

Mit den zusätzlich geleisteten rund 2000 Arbeitsstunden seien Mehrwerte geschaffen worden, sagt Verwaltungsleiter Thomas Stricker. Nahezu alle definierten Projekte und Vorhaben seien abgeschlossen worden. Alle Verwaltungsabteilungen hätten Prozesse überprüft und eruiert, wie im neuen Gemeindehaus am Infoschalter Zwei-Minuten-Dienstleistungen angeboten werden können. Die interne Beurteilung der Arbeiten sei noch nicht abgeschlossen.

Personal «nicht begeistert»

Dass bei den Uzwiler Gemeindeangestellten die Arbeitszeitverlängerung auf wenig Verständnis stiess, gesteht jetzt auch der Gemeinderat ein. Insgesamt sei die Aktion «nicht mit Begeisterung» aufgenommen worden, sagt Verwaltungsleiter Thomas Stricker. Diese Erwartung habe der Gemeinderat auch nicht gehabt. Die Reaktionen im persönlichen Kontakt hätten von Irritation bis Stolz gereicht. Nach den Worten von Gemeinderat Ruedi Müller ist die Aktion in der Wirtschaft besser angekommen als bei den eigenen Leuten.

Schockiert über die Arbeitszeitverlängerung zeigte sich vor drei Monaten der Präsident des Verbandes St. Galler Kantons- und Gemeindepersonal, Benno Lindegger. Auch nach Ablauf kann er der Aktion nichts Positives abgewinnen. Das Ganze sei eine Alibiübung gewesen. «Sie hat einzig dafür gesorgt, dass die Uzwiler Gemeindeangestellten verunsichert und verärgert sind.» Man könne eine Gemeindeverwaltung nicht mit einem Industriebetrieb gleichsetzen. In der Industrie mache eine Arbeitszeitverlängerung Sinn, um die Produktivität zu steigern. In der Gemeindeverwaltung von Uzwil habe die Aktion den Eindruck erweckt, als sei das Personal nicht fähig, seine Aufgaben und Pendenzen in der regulären Arbeitszeit zu erledigen.

Im Verband sei das Vorgehen des Uzwiler Gemeinderates gar nicht gut angekommen. «An unserer HV Mitte Mai haben viele Vertreter anderer Gemeinden kein Verständnis dafür gezeigt und die Aktion als daneben empfunden», sagt Lindegger. Er ist nicht überrascht, dass keine andere Gemeinde im Kanton dem Beispiel Uzwils gefolgt ist.

Auf Rechtsweg verzichtet

Der Verbandspräsident wundert sich, dass sich von den Gemeindeangestellten niemand zur Wehr gesetzt hat. Einige hätten sich zwar nach ihren Rechten erkundigt, aber auf den Rechtsweg verzichtet. «Sie hätten Anspruch auf Entschädigung für die geleisteten Überstunden», ist der Rechtsanwalt aus St. Gallen überzeugt. Ein vertraglich vereinbartes Arbeitsverhältnis könne nicht einfach von heute auf morgen geändert werden.