EMOTIONAL: «Jetzt sind wir der Sündenbock»

Ob Fusionsabstimmung, Turnhallensanierung oder Steuerfusssenkung: In Lütisburg gaben in der zu Ende gehenden Legislatur viele Themen zu reden. Dies dürfte sich nicht ändern. Ein Rück- und auch Ausblick.

Simon Dudle
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«Es ist offensichtlich, dass das Dach der alten Thurbrücke saniert werden muss», sagt Lütisburgs Gemeindepräsidentin Imelda Stadler mit Blick auf die neue Legislatur. (Bild: Simon Dudle)

«Es ist offensichtlich, dass das Dach der alten Thurbrücke saniert werden muss», sagt Lütisburgs Gemeindepräsidentin Imelda Stadler mit Blick auf die neue Legislatur. (Bild: Simon Dudle)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

«Lütisburg wäre nicht da, wo es heute ist, wenn wir nicht einiges gewagt hätten.» Das sagt Gemeindepräsidentin Imelda Stadler, wenn sie auf die zu Ende gehende Legislatur zurückblickt. Ein Meilenstein wurde vor knapp einem Monat gesetzt. Oder eben nicht, da sich die Lütisburger Stimmbürger hauchdünn gegen die Prüfung einer Fusion mit Bütschwil-Ganterschwil und Oberhelfenschwil ausgesprochen haben. Neun Stimmen machten den Unterschied, womit dieses Thema bereits wieder vom Tisch ist. «Jetzt sind wir der Sündenbock. Wir werden das Resultat Anfang Jahr im neuen Gemeinderat diskutieren und das weitere Vorgehen definieren», sagt Stadler.

Fakt ist, dass die noch bestehende Behörde nicht geschlossen hinter der Fusion stand und sie lieber einen Zusammenschluss nur mit Bütschwil-Ganterschwil prüfen lassen hätte. «Wir haben die Forderung gestellt, dass es bei der Abstimmung Teilfragen gibt, mit wem man sich eine Fusion vorstellen könnte. Darauf wurde allerdings nicht eingegangen. Wäre Bütschwil-Ganterschwil der einzige Partner gewesen, hätte wohl ein anderes Abstimmungsergebnis resultiert», sagt Stadler.

Ob nun ein neuer Anlauf nur mit Bütschwil-Ganterschwil genommen wird, lässt die Gemeindepräsidentin offen und verweist auf die noch zu erfolgende Analyse, welche nach Beginn der neuen Legislatur vorgenommen wird. Oder wird Kirchberg Fusionspartner? Immerhin wurde vor rund vier Jahren genau dar­über in einer grossen Projektgruppe diskutiert, bevor sich die Bevölkerung für Bütschwil-Ganterschwil ausgesprochen hat. «Wir arbeiten in diversen Bereichen mit Kirchberg zusammen, zum Beispiel in der Feuerwehr. Das funktioniert gut. Fusionsgespräche gibt es aber nicht. Wir könnten auch gut eigenständig bleiben», sagt Imelda Stadler.

Politische Behörde wäre für eine Einheitsgemeinde

Immer wieder ein Thema in Lütisburg sind die Finanzen, da die Gemeinde jedes Jahr rund zwei Millionen Franken aus dem kantonalen Finanzausgleich bezieht und ein strukturelles Defizit aufweist. «Alle Toggenburger Gemeinden sind im Finanzausgleich. Uns geht es unter anderem dank Landverkäufen gut und das Vermögen ist so gross wie vor sieben Jahren die Schulden», sagt Stadler. Darum findet sie es richtig, dass der Steuerfuss dieses Jahr von 145 auf 135 Prozentpunkte gesenkt worden ist – trotz Kritik aus der Bevölkerung. Man könne sich dies leisten. Was passiert, wenn die veraltete Turnhalle dereinst saniert wird, lässt sie offen, da die Primarschulgemeinde diesbezüglich am Ball sei.

Beim Ausblick auf die neue Legislatur, die ab dem 1. Januar mit den beiden neuen Gemeinderäten Ruedi Epper und Werner Scherrer anstelle von Werner Grob und Walter Meile in Angriff genommen wird, fällt das Stichwort «alte Thurbrücke». Diese ist im Besitz der Gemeinde und muss saniert werden. «Wahrscheinlich gibt es aus finanziellen Gründen eine abgespeckte Variante. Es ist aber offensichtlich, dass das Dach erneuert werden muss. Wir nehmen dafür einen noch zu bestimmenden Betrag ins Budget des Jahres 2017», sagt Gemeindepräsidentin Stadler.

Ob in den nächsten vier Jahren auch über eine Einheitsgemeinde – also die Verschmelzung von Politik und Schule zu einer Behörde – diskutiert wird, steht noch nicht fest. Bekannt ist, dass der aktuelle Gemeinderat für eine Verschmelzung wäre. «Vielleicht ergibt sich ja ein gemeinsames Legislaturziel von Schul- und Gemeinderat», sagt Stadler.