Eltern auf der Schulbank

Gut ein Dutzend Erziehungsberechtigte besuchen derzeit ein Elterntraining, in dem die Klippen im Umgang mit ADS- und ADHS-betroffenen Kindern entschärft werden sollen.

Christine Gregorin
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Kursleiterin Nicole Zeitner bringt viel Erfahrung und grosses Fachwissen mit. (Bild: cg.)

Kursleiterin Nicole Zeitner bringt viel Erfahrung und grosses Fachwissen mit. (Bild: cg.)

Mehr Sicherheit gewinnen im Umgang mit ADS/ADHS, den Familienfrieden wiederfinden, als Vorbereitung auf eine allfällige Diagnose, für eine Wegleitung in stressigen Situationen, um professionelle Unterstützung zu beanspruchen, den Teufels- in einen Engelskreis umzuwandeln oder Wege und Lösungsansätze zu finden – mit diesen Erwartungen sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Dienstagabend im Oberstufenzentrum Sonnenhof erschienen. Kursleiterin Nicole Zeitner, Akademischer Mentalcoach, Diplomierte Lebens- und Sozialberaterin sowie ADHS-Coach und Elterntrainerin aus Frauenfeld, zeigte sich sehr erfreut darüber, dass mehrheitlich beide Elternteile ihr Angebot in Anspruch genommen haben.

Keine Modeerscheinung

Bei ADS/ADHS-Kindern verlaufen Wahrnehmung und Verarbeitung von äusseren Eindrücken und Informationen anders. Sie haben Schwierigkeiten herauszufinden, welcher Reiz wann wichtig ist. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ist ADS/ADHS eine vorwiegend genetisch bedingte und neurobiologisch erklärbare Störung. Die Hauptursache ist eine fehlerhafte Informationsverarbeitung zwischen bestimmten Hirnabschnitten, welche für die Wahrnehmung und Impulskontrolle zuständig sind. Dabei kommt es zu Störungen bei der Signalübertragung zwischen den Nervenzellen. Diese werden verursacht durch ein Ungleichgewicht der Botenstoffe (Neurotransmitter).

Zu den Kernsymptomen zählen Unaufmerksamkeit und Impulsivität bei ADS, das eher Mädchen betrifft und vielfach erst im jungen Erwachsenenalter erkannt wird. Beim ADHS, das mehrheitlich bei Knaben auftritt, kommt der Hyperaktivitätsfaktor noch dazu. Ob dem für ADS/ADHS charakteristisch auffälligen, oft als überaus negativ empfundenen Verhalten der betroffenen Kinder geht meist ganz vergessen, das mit dieser Krankheit auch Attribute wie ideenreich und kreativ, begeisterungsfähig und vielseitig interessiert, hilfsbereit und gerechtigkeitsliebend, phantasievoll und innovativ sowie intelligent und überdurchschnittlich begabt einhergehen.

Umfangreiche Aufarbeitung

An den kommenden vier Dienstagabenden werden am von der Mube (Mein/Unser Beruf Eltern) initiierten Kurs Themen wie Strukturierungshilfen im Alltag, eine positive und wirkungsvolle Kommunikation, das Finden und Durchsetzen von Regeln in der Familie, ADS/ADHS und Hausaufgaben, die Entwicklung von mehr Sicherheit im Umgang mit belastenden Situationen, das Positives erkennen und fördern sowie das Stressmanagement aufgearbeitet und mit zahlreichen praktischen Beispielen vertieft. Selbstverständlich wird dabei nach Möglichkeit auch auf die konkreten Anliegen der Kursteilnehmer eingegangen. Das Elterntraining zeigt neue Ansätze, die sich positiv auf das Verhalten des Kindes auswirken. Es vermittelt Erziehungsmöglichkeiten und Verhaltensweisen, die sich insbesondere im Umgang mit ADS/ADHS-Kindern bewährt haben.

Lob an der Stelle von Strafen

«Der Fokus soll stets auf deren Stärken sowie das Positive gelegt werden», nennt Nicole Zeitner abschliessend den aus ihrer Sicht Schlüssel zum Erfolg. Zudem bilde der Grundsatz «Lob statt Strafen» eingebettet in eine von liebevoller Konsequenz geprägten Erziehung eine wertvolle Ergänzung dazu.

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