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Elefanten und Kleinwüchsige: Ein Augenzeuge erinnert sich an das Gastspiel des Zirkus Knie vor 70 Jahren in Flawil

Während der Ostertage 1949 schlug der Zirkus Knie auf der Schützenwiese seine Zelte auf. Er blieb sechs Tage. Für Ernst Siegenthaler, damals elf Jahre alt, ein unvergessliches Ereignis.
Zita Meienhofer
Auf einer Zeichnung hat Ernst Siegenthaler, damals elfjährig, seine Erinnerungen an den Zirkus Knie festgehalten. (Bild: Zita Meienhofer)

Auf einer Zeichnung hat Ernst Siegenthaler, damals elfjährig, seine Erinnerungen an den Zirkus Knie festgehalten. (Bild: Zita Meienhofer)

Was während der Ostertage vor 70 Jahren in Flawil passierte, passierte wohl vor- und nachher nicht mehr. Er könne sich nur an das eine Mal erinnern, dass der Zirkus Knie in Flawil gastierte, erinnert sich Ernst Siegenthaler. Er, der in Oberglatt aufwuchs und seit Jahrzehnten in Flawil wohnt. Schon die Ankunft der Zirkuswagen am Bahnhof Flawil muss etwas Besonderes gewesen sein.

Das Plakat, mit dem Knie 1949 für seine Auftritte warb. (Bild: Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, ZHdK)

Das Plakat, mit dem Knie 1949 für seine Auftritte warb. (Bild: Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, ZHdK)

Dorfchronist August Bänziger schrieb: «Am 19.4.1949 gastiert auf der Schützenwiese der Zirkus Knie. Bereits fiebert unsere Jugend. Aber auch zahlreiche Erwachsene umsäumten das Bahnhofareal, als der Zirkus-Eisenbahnzug, von Horgen kommend, einfuhr. Er zählte 88 Achsen, war 620 Meter lang und wurde in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vollständig entladen.» Die Leute vom Zirkus Knie müssen am Donnerstag vor Ostern in Flawil eingetroffen, durch das Dorf zur Reithalle gelaufen und dann sechs Tage auf Schützenwiese geblieben sein. «Über die Osterfeiertage kann nicht gespielt werden. Am Ostermontag und Osterdienstag folgen zwei Jubiläumsvorstellungen anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Dynastie», notierte Chronist Bänziger. Vor 70 Jahren wurde das 150-Jahr-Jubiläum der Dynastie gefeiert, dieses Jahr heisst es: «100 Jahre Zirkus Knie».

Elefanten, ein Nilpferd, Pferde und Kleinwüchsige

Für Ernst Siegenthaler, damals elfjährig und Schüler der 4. Klasse, blieb dieser Knie-Besuch unvergesslich. «Er ist mir heute noch in bester Erinnerung», sagt er. In Erinnerung blieben ihm die Elefanten, die mit Ketten an den Beinen angebunden in einem Zelt standen und mit Heu und Wasser versorgt wurden. Es sei damals erzählt worden, dass diese Elefanten aus Deutschland wären, diese hätten das Land wegen der immer noch herrschenden unsicheren Lage verlassen müssen.

Ebenso erinnert sich Siegenthaler an das Nilpferd, das in einem Wagen neben dem Zelt hauste.

«Ich bestaunte das grosse Maul mit den mächtigen Zähnen.»

In Erinnerung blieben ihm auch die vielen Pferde. Die Pferdenummer von Knie sei etwas Besonderes gewesen, erzählt Siegenthaler.

Was ihn besonders interessierte, waren die «Liliputaner». Damals und noch etliche Jahre danach wurden in den Zirkusnummern kleinwüchsige Menschen – Liliputaner genannt – gezeigt. «Da ich selber nicht besonders gross war, faszinierten mich diese Menschen. Ich habe gesehen, dass es so auch geht.»

Ihre Art und Weise muss Ernst Siegenthaler nachhaltig beeindruckt haben, denn einige Wochen später hat er die kleinwüchsigen Menschen auf einer Zeichnung – bei Lehrer Eugen Frei mussten die Schüler monatlich ihre Ideen auf das Zeichnungspapier bringen – verewigt. Die Zirkusleute wohnten damals neben dem Zelt in Häuschen, daneben grasten die Ponys. Datiert ist die Zeichnung mit «Burgau, den 3. Mai 1949».

Nur die Tierschau besucht

An die Zirkusvorstellung kann sich der 81-Jährige nicht erinnern. «Wir hatten mit der Schule wohl nur die Tierschau besucht, eine Vorstellung hätte wohl zu viel gekostet», sagt er rückblickend. Später, als er bereits verheiratet war, schaute er sich erstmals eine Zirkusshow an – und auch heuer gedenkt er, in St. Gallen die Jubiläumsshow des Zirkus Knie zu besuchen. August Bänziger dokumentierte die Ereignisse auf der Schützenwiese in knapper Form und mit einer Illustration.

Abschliessend schrieb er: «Am Ankunftstage war das viermastige Zelt bereits errichtet und um zwei Uhr nachmittags wurden die letzten Tiere, vier grosse und ein kleiner Elefant, zur Schützenwiese geführt, begleitet von einer gewaltigen Kinderschar.» Ernst Siegenthaler ging damals direkt zur Schützenwiese, zu den Tieren.

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