EISHOCKEY: Wilerinnen rocken die Meisterschaft

Der EC Wil verfügt seit dieser Saison über ein Damenteam (Wiler Ladies), das in der Nationalliga C spielt. Der Liganeuling liegt an der Tabellenspitze und steht vor den Aufstiegsspielen.

Daniel Monnint
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Simona Studentova (58) hat schon 75 Skorerpunkte auf ihrem Konto. (Bild: Urs Nobel)

Simona Studentova (58) hat schon 75 Skorerpunkte auf ihrem Konto. (Bild: Urs Nobel)

Daniel Monnint

sport@wilerzeitung.ch

Während für das Männerteam des EC Wil die 1.-Liga-Saison vorüber ist, stecken die Ladies nur wenige Monate nach ihrer Gründung mitten in einer entscheidenden Phase der Saison. Als Tabellenführer in der Ostschweizer Gruppe der Nationalliga C in der Frauen-Meisterschaft sind der Gruppensieg und die Aufstiegsspiele zwei Runden vor Schluss der Qualifikation in Griffnähe. Fünf Punkte beträgt der Vorsprung auf Rapperswil vor den zwei letzten ausstehenden Partien. Auch die Promotion in die B-Liga ist durchaus realistisch.

Team will Herausforderung annehmen

Trainer Marcel Herzog, der das Team vor rund zehn Monaten aus der Taufe gehoben hat, lobt nach 15 Siegen aus 16 Spielen: «Es läuft perfekt, das Team hat enorme Fortschritte innert kürzester Zeit erzielt.» Es hat entschieden, die Herausforderung der Aufstiegsspiele – eine Einfach-Runde gegen die Gruppensieger Zentral (Basel oder Sursee) und West (Sierre oder Neuchâtel) – anzunehmen. Ob ein allfälliger Aufstieg finanziell auch möglich ist, darüber wird der Vorstand zu entscheiden haben, denn zurzeit, so Herzog, sei das Team quasi selbsttragend.

Vorstand zeigt sich begeistert vom Konzept

Marcel Herzog, «ein Ur-Wiler», wie er selber sagt («Ich bin seit 48 Jahren Clubmitglied»), hat dem Vorstand im Frühling letzten Jahres ein Konzept zur Gründung eines Frauenteams vorgelegt. «Er war sofort begeistert und so ist das Team aus dem Nichts entstanden.» Innert kürzester Zeit war das Kader zusammen. «Die meisten Spielerinnen haben sich bei mir gemeldet, nachdem ich die Gründung eines neuen Teams in Wil veröffentlicht hatte.» Die Ausnahmen heissen Simona Studentova und Stefanie Greger. Sowohl die tschechische Nationalspielerin als auch Greger haben langjährige Erfahrung in den beiden obersten Spielklassen und wechselten zusammen mit dem Coach aus dem A-Team aus Reinach zum neuen C-Team in Wil.

Die 30-jährige Tschechin spielte in der Schweiz (Reinach, Neuenburg, Langenthal) und Schweden, die 23-jährige Greger zuletzt drei Jahre bei Reinach. «Ich bin nicht mehr die Jüngste. Deshalb möchte ich mir eine andere Zukunft aufbauen», sagt Studentova zum ungewöhnlichen Wechsel einer Nationalspielerin in die C-Liga. Zurzeit lernt sie die deutsche Sprache und arbeitet zu 60 Prozent in der Firma ihres Trainers. Ihr Ziel: Ein Job in einem Fitnesszentrum – sie ist Fitnessinstruktorin – und/oder der Einstieg ins Trainerbusiness.

Beeindruckende Skorerwerte

Dass Simona Studentova die Skorerliste ihres Teams und der Liga mit 75 Punkten oder fünf Punkten pro Spiel anführt, ist keine Überraschung und nährt die schiefen Blicke der Neider. Marcel Herzog wehrt sich kategorisch gegen den Vorwurf, eine Top-Ausländerin in der untersten Spielklasse zu beschäftigen: «Sicher, ihre Skorerwerte sind beeindruckend, aber sie trägt das Team bei weitem nicht alleine.» Er erwähnt etwa Stefanie Greger und Cindy Näf oder auch die beiden U16-Auswahlspielerinnen Iris Flückiger (viertbeste Skorerin des Teams) und Sarina Bardill als weitere Teamstützen. «Wir haben ein einfaches Spielsystem, das auf die Mischung aus Anfängerinnen, jungen Spielerinnen und ein paar erfahrenen Akteurinnen zugeschnitten ist.»