EISHOCKEY: Wenn Freunde zu Rivalen werden

Das Lokalrivalen-Derby zwischen dem EHC Uzwil und dem EC Wil verspricht Spannung pur. Besonders gespannt auf diese Partie sind auch die Sportchefs, die im Nachwuchs des SC Herisau miteinander gespielt hatten.

Urs Nobel
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Patrick Ammann (links) und Daniel Zeber sind Freunde, ausser während des Lokalrivalen-Derbys. (Bild: Urs Nobel)

Patrick Ammann (links) und Daniel Zeber sind Freunde, ausser während des Lokalrivalen-Derbys. (Bild: Urs Nobel)

Urs Nobel

urs.nobel@wilerzeitung.ch

Lokalrivalen-Derbys zwischen den beiden Eishockeyclubs Uzwil und Wil sind wieder gesellschaftsfähig. Dies beweisen einerseits die Leistungen in der bisherigen 1. Liga-Saison und auch das Hinspiel in Wil war äusserst attraktiv. Wenn morgen Samstag um 18 Uhr in der Uzehalle die Partie zwischen Uzwil und Wil angepfiffen wird, werden sich die beiden Sportchefs Daniel Zeber (Wil) und Patrick Ammann (Uzwil) aus dem Weg gehen. Dann sind sie Rivalen. Ansonsten aber sehr gute Freunde.

Patrick Ammann, an einem Spiel wie dem Lokalrivalen-Derby zwischen Uzwil und Wil werden Sie als Sportchef ebenso wie Daniel Zeber auf der anderen Seite besonders angespannt sein. Dann dominiert die Rivalität. Aber sie beide seid auch Freunde.

Ja, das stimmt. Und zwar schon seit unserer Kinderzeit. Wir haben beim SC Herisau praktisch alle Nachwuchsstufen, also von den Moskitos bis zur Elite, miteinander absolviert und dabei Vieles gemeinsam erlebt. Später haben sich unsere Wege dann aber getrennt und es ist jetzt schon ein bisschen speziell, dass wir uns als Sportchefs zweier Vereine, die in derselben Liga spielen, wieder treffen.

Sie, Daniel Zeber, engagierten sich nach dem SC Herisau beim EHC Uzwil, um jetzt beim EC Wil zu landen. Mit welchen Gefühlen erwarten Sie dieses Spiel?

Wenn man einen derartigen Job beim EC Wil annimmt, dann ist Herzblut dahinter. Heute freue ich mich auf eine Begegnung zweier Teams, die ich kenne und von denen ich überzeugt bin, dass sie sich im Spiel nichts schenken werden.

Als Sie und Patrick Ammann jeweils in den Nachwuchsteams zusammen spielten, waren Sie der Torhüter, Ammann der Stürmer. Gab es Momente, da haben Sie sich massiv über den Stürmer Ammann geärgert?

Da gab es kaum einen Grund, sich über ihn zu ärgern. Patrick war schon früh ein sehr grosses Talent. Auf Stufe Novizen und Elite war er sogar der Captain des Teams. Seine grosse Sozialkompetenz, die ihn heute auszeichnet, war schon damals sicht- und spürbar.

Aber Sie, Patrick Ammann, hatten sicher öfters einen Grund, sich über den Torhüter, der nichts hielt, zu ärgern?

Zu unseren Zeiten, in den frühen Achzigern, gab es beim SC Herisau kaum einmal einen Grund, sich über die Torhüter zu ärgern. Der Verein verfügte praktisch in allen Jahrgängen über gute bis überdurchschnittlich gute Torhüter. Dani gehörte auch zu denen. Klar, alle diese Torhüter – auch Jonas Hiller, der ein Jahr jünger als ich ist – liess Gegentreffer zu, die vermeidbar gewesen wären. Aber auch ich als Stürmer kam zu hundertprozentigen Chancen, die ich nicht immer verwertete. Ich denke, diesbezüglich hat sich nie jemand über den anderen aufzuregen oder zu beklagen.

Wie muss man sich die Situation vorstellen, dass Sie morgen Samstag und in einer Woche als Freunde, aber auch als Sportchefs zweier erbitterter Lokalrivalen aufeinandertreffen?

Zum einen muss man wissen, dass es für uns beide keine einfache Saison ist. Beide Vereine hoffen darauf, dass sich ihr Fanionteam besser als vergangene Saison präsentiert. Und dazu gehören die Punkte. Beim EHC Uzwil haben wir diese dringend nötig und deshalb denke ich, dass solche persönliche Aspekte, wie jene zwischen Dani und mir nebensächlich sind.

Können Sie diese Aussagen bestätigen oder ergänzen?

Was Patrick sagte, ist richtig und dem gäbe es eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Wichtig ist einfach noch zu wissen, dass die frühere Aussage, Uzwil zu schlagen und dann ist die Saison gerettet, veraltet ist. Wenn wir nur dreimal in einer Saison Uzwil schlagen, steigen wir nämlich ab. Aber es ist sicher richtig, es kribbelt in einem solchen Spiel sicher mehr, als beispielsweise gegen Prättigau-Herrschaft. Jetzt bin ich noch ziemlich entspannt, ab morgen jedoch nicht mehr. Niemand will dieses Spiel verlieren. Und wenn doch, die Welt fällt auch nach einer allfälligen Niederlage nicht in sich zusammen.

Patrick Ammann, dem EHC Uzwil geht es sportlich nicht gerade so rund. Fünf Niederlagen in Folge, am Dienstag im Cup ausgeschieden. Kommt da schon ein bisschen Unruhe auf?

Wir machen tatsächlich im Moment eine Phase durch, auf die wir gerne verzichtet hätten. Interessanterweise sind davon aber auch unsere Gegner betroffen, nur konnten sie sich schneller als wir wieder auffangen. Wer zwei, drei Spiele hintereinander gewinnt, macht in der aktuellen Tabelle der 1. Liga bereits wieder einen grossen Sprung vorwärts. Und auch deshalb sind die zwei anstehenden Partien gegen Wil für uns besonders wichtig. Mit einem Schlag könnte alles wieder viel besser aussehen. Die Punkte gegen Teams in der Tabellennähe sind diese Saison besonders wertvoll. Nicht zuletzt auch wegen des Selbstvertrauens, das wieder aufgebaut werden soll.

An Selbstvertrauen dürfte es Ihrem Team, Daniel Zeber, im Moment nicht mangeln. Das dürfte wohl im Überfluss vorhanden sein?

Nein, das ist keineswegs so. Wir haben zwar die letzte Meisterschaftspartie gegen den SC Weinfelden gewonnen, aber wir blicken auch auf weniger brillante Leistungen und enttäuschende Resultate zurück. Ich denke da auch an die Niederlage im Cup gegen den SC Rheintal, einem sehr guten Zweitligisten, der jetzt sogar Arosa aus dem Rennen geworfen hat. Grundsätzlich haben wir zu viele Sechspunkte-Spiele verloren. Wenn es uns jetzt aber gelingt, zweimal den EHC Uzwil zu schlagen, haben wir die Playoffs bereits auf sicher. und wir unser Ziel erreicht.

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