Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EISHOCKEY: Sein Olympiatraum hat sich erfüllt

Der Wiler Eishockey-Schiedsrichter Tobias Wehrli pfeift an den Olympischen Spielen in Südkorea. Seinen ersten Einsatz hat er bereits hinter sich. Vor der Abreise wurde der unterdessen in Liechtenstein wohnhafte Sportler zu seiner Gefühlslage befragt.
Florian Hepberger
Glücksgefühle bei Tobias Wehrli beim Betreten des Olympischen Eises. Der grösste Wunsch ist somit bereits in Erfüllung gegangen. (Bild: PD)

Glücksgefühle bei Tobias Wehrli beim Betreten des Olympischen Eises. Der grösste Wunsch ist somit bereits in Erfüllung gegangen. (Bild: PD)

Tobias Wehrli hat es geschafft, sich als Amateurschiedsrichter in der Schweizer National League für Olympia zu empfehlen. Es ist nicht das erste Grossereignis für den in Mauren wohnhaften Unparteiischen aus Wil.

Tobias Wehrli, vor drei Jahren haben Sie gesagt, dass es für Sie eher unrealistisch sei, bei den Olympischen Spielen als Schiedsrichter dabei zu sein. Jetzt wurden Sie trotzdem nominiert. Sind Sie für dieses Grossereignis bereit?

Wir hatten im vergangenen Sommer den ersten Schiedsrichter-Zusammenzug. Da gab es die Einladung, dass man zu den Vorauserwählten für Olympia gehört. Dort ist dann die Hoffnung ein wenig gestiegen, dass es reichen könnte. Man war näher dabei und schon mal unter den besten 20 der Welt. Als ich Ende November die definitive Zusage für die Teilnahme an Olympia erhalten habe, fing in mir ein Prozess an. Man fragt sich, ob man das will oder nicht. Man fängt an, den Fokus auf diesen Event zu legen und auch den Körper auf das benötigte Toplevel zu bringen. Ich habe ein persönliches Fitnessprogramm absolviert und vor oder nach der Arbeit noch intensiver trainiert, um körperlich bei Olympia bereit zu sein.

Hat sich aufgrund der Olympianominierung bei Ihnen etwas verändert?

Für mich hat die Veränderung bereits im Sommer mit dem ersten Zusammenzug begonnen. Ende November, als die definitive Selektion feststand, habe ich den Trainingsumfang nochmals erhöht. Das waren dann die Tage, an denen du kaum mehr laufen kannst, weil dir aufgrund des Muskelkaters einfach alles wehtut. Aber man hat das gros­se Ziel vor Augen und weiss, wieso man sich das antut.

Wie bekommen Sie Arbeit und Schiedsrichterei gemeinsam unter einen Hut?

Das ist eine Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme. Ich denke, ohne den Support von meiner Familie wäre dies nicht machbar. Und ohne einen Arbeitgeber, der das unterstützt, ebenfalls nicht denkbar. Mit der VP Bank ist es super. Ich habe mit meinem Chef die Vereinbarung, dass ich immer erreichbar bin, auch am Wochenende. Ich glaube, ich arbeite dafür mit mehr Leidenschaft und dadurch auch effizienter. Als Ausgleich zu der sehr kopflastigen Tätigkeit, die wir in der Bank haben, nutze ich das Hockey. Dort braucht es zwar auch den Kopf, aber nicht die Themen, die einen in der Bank beschäftigen.

Ein wenig vergleichen kann man die beiden Tätigkeiten dennoch, zumindest sind bei beiden Tätigkeiten Zahlen im Spiel.

Es braucht eine gewisse Denkfähigkeit als Schiedsrichter im Hockey. Man muss wissen, welche Reglemente es gibt. Die umfassen etwa 200 Seiten und dazu 400 Seiten Ergänzungen, also Erklärungen zu den Regeln. Wenn man dann im Spiel ist und etwas sieht, dann sollte man diese 600 Seiten eigentlich auf Knopfdruck bereithalten. Da gibt es gewisse Tricks, um zu sehen, ob die Aktion richtig oder falsch ist. Wenn etwas falsch ist, dann hebt man die Hand in die Höhe und zeigt die Strafe an und überlegt in der Folge, was für ein Vergehen das war. Wichtig ist, dass man sich dann die Zeit zum Denken nimmt. Denken muss ich auf jeden Fall immer, ob es bei der Arbeit in der Bank, oder beim Eishockey ist.

In der Schweiz gibt es sieben Profischiedsrichter. War das für Sie einmal ein Thema?

Nein, nie. Nach den Jobs, die ich früher hatte oder auch aktuell habe, wäre es für mich wahrscheinlich eher negativ, mich nur auf das Eishockey zu konzentrieren. Ich habe den Ausgleich zwischen Hockey und Bank gern und möchte nicht auf die Karte Hockey als Profi setzen.

Es gibt immer positive und negative Sichten der Professionalisierung. Hat sich Ihrer Meinung nach das Niveau verbessert?

Ich glaube, das Niveau im Hockey insgesamt hat sich verbessert. Dadurch haben sich auch die Schiedsrichter verbessert, auch dank der Videotechnologie. Dadurch, dass man mehr Szenen anschauen kann, hat sich meiner Meinung nach die Qualität der Entscheide verbessert, aber auch die Vorbereitungen im Allgemeinen haben zugenommen.

Aus Ihrer Sicht können Sie nur hoffen, dass die Schweiz nicht ins Finale kommt und Sie das Finalspiel pfeifen können?

Da hat man immer zwei Herzen in der Brust. Zum einen bist du stolz, wenn die Schweiz gut spielt und ins Finale kommt und womöglich Olympiasieger wird. Kurzfristig habe ich dann natürlich nicht so viel davon. Aber langfristig wäre es für das Schweizer Hockey sicher super, weil die Schweizer Hockeyszene davon profitiert.

Es muss also nicht unbedingt der Final sein, damit Sie in Südkorea glücklich sind?

Ein erstes Highlight ist sicher, dass ich einen Schlittschuh auf das olympische Eis stellen darf – und na ja, klar träume ich vom grossen Spiel am Schluss.

Haben Sie die Hoffnung, dass Sie nebst Eishockeyspielen auch etwas von den Olympischen Spielen mitbekommen?

Das wäre schön und ich wünsch mir das auch. Wir wohnen in der Nähe der Hockeystadien, aber weiter weg von den Skibewerben. Gemäss bisherigen Erfahrungen von anderen Schiedsrichtern war es immer eher schwierig, andere Sportarten zu besuchen.

Sie sind unterdessen 40 Jahre alt. Denken Sie schon an ein mögliches Karriereende?

Es ist kein Geheimnis, dass ich nicht mehr solange pfeifen kann, wie ich es bisher gemacht habe. Wir haben ein offizielles Limit von 50 Jahren, aber es gibt aber auch solche, die 55 sind. So gesehen hätte ich noch etwa 15 Jahre vor mir. Die Frage ist einfach, wie lange man aktiv bleiben will. Was ich nicht möchte, ist, dass wenn ich gehe, es heisst: Endlich hört er auf. Ich will dann aufhören, wenn ich auf dem Höhepunkt bin. Jetzt fühle ich mich noch zu jung, um nach Olympia aufzuhören.

Florian Hepberger

sport@wilerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.