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Gian-Marco Wetter schiesst Rappi in der zweiten Verlängerung ins Glück: Die St.Galler ziehen erstmals seit 15 Jahren in den Halbfinal ein

Rapperswil-Jona hat in Lugano Historisches vollbracht: Mit einem hart umkämpften 4:3-Sieg schreiben die Ostschweizer Clubgeschichte. Gian-Marco Wetter erzielte den goldenen Treffer in der 97. Minute. Dieser Erfolg beweist wie gefestigt Rappis Mannschaft ist - hatte sie doch den Rückschlag zu verkraften, einen 3:1-Vorsprung in den Schlussminuten der regulären Spielzeit aus den Händen gegeben zu haben.

Tim Frei
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Nach Gian-Marco Wetters goldenem Treffer gibt es bei Rapperswil-Jona kein Halten mehr.

Nach Gian-Marco Wetters goldenem Treffer gibt es bei Rapperswil-Jona kein Halten mehr.

Bild: Freshfocus / Michela Locatelli

Es ist 23.35 Uhr in der Cornèr Arena in Lugano, als es bei den Spielern von Rapperswil-Jona kein Halten mehr gibt. Gian-Marco Wetter hat die St.Galler soeben in der 97. Minute – und damit kurz vor Ablauf der zweiten Verlängerung ins Glück und den ersten Halbfinal seit 2006 geschossen. Es ist nicht nur ein historischer Erfolg, sondern auch einer, der zeigt, wie gefestigt das Team ist, das auf einer Mission ist – und sich durch Rückschläge nicht beirren lässt.

5513 Tage, respektive 15 Jahre und 38 Tage – es ist eine Ewigkeit her seit Rapperswil-Jonas ersten Playoff-Halbfinalteilnahme. Im März 2006 hatten sich die St. Galler in einer packenden Serie über sieben Spiele gegen Zug durchgesetzt. Und jetzt diese Überraschung gegen den auf dem Papier klar favorisierten HC Lugano. Rappis Halbfinaleinzug ist die grösste Überraschung seit 1992, als der ZSC vor 29 Jahren im Viertelfinal die erfolgreiche Ära der Tessiner («Grande Lugano») beendete.

Dass es mit dem Rücken zur Wand am besten geht, weil man nichts mehr zu verlieren hat – in Lugano hat sich das zum wiederholten Mal gezeigt. Nicht einmal drei Minuten vor Schluss waren die Tessiner noch 1:3 zurückgelegen. Ihr Saisonende und Rapperswils zweiter Halbfinaleinzug schien besiegelt.

Nach 1:3-Rückstand kurz vor dem Schlusspfiff: Lugano gleicht Partie
11,8 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit aus

Doch dann ereignete sich Unglaubliches: Lugano glich die Partie mit zwei Toren aus – beide Male hatte Goalie Niklas Schlegel das Tor für einen sechsten Feldspieler verlassen. Der Ausgleich war für Rapperswil doppelt bitter: Er fiel 11,8 Sekunden vor Schluss nachdem die St. Galler zweimal das leere Tor verpassten. So erzwang Lugano die Verlängerung - und das Momentum schien bei den Tessinern zu sein. Was sich als Trugschluss erweisen sollte.

Steve Moses hatte Rapperswil-Jona im dritten Abschnitt vermeintlich auf die Siegesstrasse gebracht. Der US-Amerikaner, als potenzieller Goalgetter verpflichtet, konnte die hohen Erwartungen lange nicht erfüllen – und wurde von einigen Medien als Fehltransfer bezeichnet. Zuletzt blieb er in elf Partien ohne Tor – und jetzt dies: zwei Tore in diesem wichtigen Spiel innert drei Minuten.

Kurze Zeit nach Luganos glückhaften 1:1-Ausgleich durch Romain Loeffel (45.) erzielte Moses das 2:1 – wie im letzten Spiel in Lugano war es ein Bullygoal. Drei Minuten später doppelte der Stürmer nach mustergültiger Vorarbeit und mit einem Abstauber nach.

Rapperswil-Jona mit starkem Startdrittel

Lugano war in der Defensive über weite Strecken des Spiels extrem anfällig – vor allem dann, wenn Rapperswil nach Scheibengewinn in der neutralen Zone das Spiel schnell machte. Exemplarisch zeigte sich dies im Startdrittel, in dem die St.Galler eindeutig tonangebend waren..

Die Tessiner taten sich im Angriffsspiel erneut extrem schwer. Wieder gelang es den Ostschweizern, mit ihrem einfachen, aber konsequenten Spiel die stark besetzte Lugano-Offensive zu zermürben. Oftmals schafften es die Gäste, die Tessiner nach aussen zu drücken und vom Slot fernzuhalten.

Lugano - Rapperswil-Jona 3:4 n.V. (0:0, 0:0, 3:3)
Cornèr Arena - 50 Zuschauer - SR. Lemelin/Mollard.
Tore: 42. Wick (Moses) 0:1. 45. Loeffel (Arcobello) 1:1. 48. Moses (Wick) 1:2. 52. Moses (Loosli) 1:3. 57. Lajunen 2:3. 60. (59:48) Fazzini (Arcobello) 3:3. 97. Wetter (Ness, Forrer) 3:4.
Strafen: 6-Mal 2 Minuten gegen Lugano; 1-Mal 2 Minuten gegen Rapperswil-Jona.
Lugano: Schlegel; Wellinger, Loeffel; Riva, Heed; Wolf, Chiesa; Herburger, Antonietti; Josephs, Arcobello, Fazzini; Bertaggia, Morini, Bürgler; Suri, Lajunen, Walker; Lammer, Sannitz, Zangger.
Rapperswil-Jona: Nyffeler; Jelovac, Vukovic; Maier, Sataric; Profico, Egli; Dufner, Randegger; Eggenberger, Rowe, Lehmann; Schweri, Cervenka, Clark; Loosli, Wick, Moses; Forrer, Ness, Wetter.
Bemerkungen: Rapperswil ohne Dünner, Payr (alle verletzt), Rüegger, Rehak, Lhotak (alle überzählig). - Lugano ohne Torhüter (57:09-57:21; 58:10-59:48)