Einzigartige Elemente im Chor

Die Niederwiler Kirche wird innen für knapp zwei Millionen Franken renoviert. Das hat die Bürgerschaft im vergangenen März beschlossen. Die Arbeiten wurden aufgenommen, nun konnte die «Baustelle» besichtigt werden.

Zita Meienhofer
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Ueli Schlegel vom Architekturbüro Bossart (dritter von rechts) informiert die interessierten Kirchbürger über den Stand der Renovation sowie über die Neuerungen im Chorraum. (Bild: zi.)

Ueli Schlegel vom Architekturbüro Bossart (dritter von rechts) informiert die interessierten Kirchbürger über den Stand der Renovation sowie über die Neuerungen im Chorraum. (Bild: zi.)

NIEDERWIL. Der Niederwiler Kirchenraum präsentiert sich zurzeit als Baustelle. Die Wände sind kahl, im Kirchenschiff stehen Schubkarren sowie Werkzeuge, und im Chorraum ragen Armierungseisen aus dem Boden. Die Bänke und Leuchter sind abmontiert, eingepackt und verstaut worden, und ein Holzboden bedeckt den bisherigen Natursteinboden. Alles ist staubig. Ein trüber Anblick, wäre da nicht die Gewissheit, dass in einigen Monaten wieder alles im Glanz erstrahlen würde – dann, wenn die Innenrenovation der Kirche abgeschlossen ist.

Erbaut und renoviert

Die Kirche von Niederwil wurde 1875 erbaut, nachdem ihre Vorgängerin dem Brand von 1873 zum Opfer fiel. Zu Beginn der 1950er-Jahre befand sich das Gebäude – innen wie auch aussen – in einem schlechten Zustand. Die Kirchenverwaltung rang sich – so steht es in der Geschichte geschrieben – letztlich zu einer radikalen Neugestaltung durch. 1958 fand die Einweihung der renovierten Kirche statt. 1993 wurde sie innen sanft renoviert. Knapp zehn Jahre später machten sich die Verantwortlichen Gedanken über eine Aussenrenovation, die im Jahr 2003 abgeschlossen werden konnte. 2010 legte der Kirchenverwaltungsrat den Projektierungskredit für die jetzige Renovation vor. Dieser passierte die Bürgerversammlung ebenso problemlos wie der Baukredit im vergangenen März. Im Herbst haben die Arbeiten begonnen. Wenn alles nach Plan verläuft, dann soll die Renovation im Herbst 2012 abgeschlossen werden.

Brandreste gefunden

Bislang sei alles nach Plan verlaufen, sagt Ueli Schlegel vom Architekturbüro Bruno Bossart in St. Gallen, und auch aus archäologischer Sicht sei nichts Aussergewöhnliches zum Vorschein gekommen. «Einzig die Brandreste von 1873, die wir im Chorbereich gefunden haben, sind speziell», so Schlegel.

Chorraum wird verlängert

Nun konnten sich die Niederwiler bei den verantwortlichen Architekten wie auch bei Claudia Bissegger, Präsidentin des Kirchenverwaltungsrates, über den Stand der Arbeiten informieren. Rund 40 Personen nahmen diese Gelegenheit wahr.

Eine grössere Veränderung erfährt der Chorraum. Er wird – wie es das zweite Vatikanische Konzil erfordert – ins Kirchenschiff hinaus verlängert. Diese Neuerung bringt mit sich, dass der Boden im Chor neu aufgebaut werden muss. Ebenfalls erfahren die verschiedenen Elemente im Chor eine Neugestaltung. Diese Neuschaffung zeigt sich in einer Besonderheit, die nur in der Niederwiler Kirche zu sehen sein wird. Die verantwortlichen Architekten, Ueli Schlegel und Bruno Bossart, haben sich mit der Geschichte der Kirche, ihren Eigenheiten sowie ihren Materialien und ihrem Stil eingehend befasst und mit Pater Adrian Willi diese liturgischen Elemente kreiert. Demnach wird an Stelle des Hochaltars ein neues Chorraumelement geschaffen. Dieses besteht aus dem Steinmaterial des bisherigen Hochaltars. In diesem Wandelement, das auf eine Seite offen ist, wird der Tabernakel angebracht. Einzigartig werden auch der Altar sowie das Ambo sein. Der neue Altar ist auf der Sichtseite mit den bereits vorhandenen schmiedeeisernen Apostelstangen verziert. Auf der Rückseite wird eine während des Jahrs verschlossene Jesus-Statue eingebaut. Während der Ostertage wird sie geöffnet und gedreht werden. An der Front des Ambos sind ebenfalls schmiedeeiserne Stangen angebracht. Sie symbolisieren die vier Evangelisten. Altar wie Ambo können – bei Konzertveranstaltungen – auf die Seite geschoben werden.

Im weiteren werden die Heizung sowie die Akustikanlage ersetzt, die Fenster saniert, die Kirchenbänke sowie die Kreuzwegstationen repariert und behandelt. Die Decke wird gereinigt und die Wände saniert und gestrichen.