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Eintritt für den Gottesdienst? Die Katholische Kirche Uzwil diskutiert ohne Tabus über ihre Zukunft

Die Katholische Kirche Uzwil und Umgebung will herausfinden, in welche Richtung sie sich entwickeln soll.
Tobias Söldi
Ein emotionales Thema: Paul Gähwiler-Wick (2. v. r.) diskutiert über die Aussenwahrnehmung der Kirche. Bild: Tobias Söldi

Ein emotionales Thema: Paul Gähwiler-Wick (2. v. r.) diskutiert über die Aussenwahrnehmung der Kirche. Bild: Tobias Söldi

Tabus gibt es keine an diesem Freitagvormittag im Pfarreizentrum in Niederuzwil. «Bänke raus», schlägt jemand vor, als es darum geht, wie die Kirchenräume in Zukunft gestaltet werden könnten. «Warum versuchen wir es nicht einmal mit einen Gottesdienst-Apéro?», fragt jemand anderes. Und einer hält kritisch dagegen:

«Wie viel Spielraum haben wir? Die Kirche ist in ein System eingebunden – das meiner Meinung nach marode ist.»

Die Spannung zwischen Tradition und Innovation ist spürbar.

Organisiert hat diese Diskussionsrunde die Katholische Kirche Uzwil und Umgebung. Sie will neue Impulse erhalten, herausfinden, welche Bedürfnisse bestehen und wie sie sich künftig ausrichten soll. Dafür hat die Institution die Öffentlichkeit zu einem Kick-off-Anlass eingeladen. Gekommen sind etwa 40 Personen mittleren Alters aufwärts. Die meisten von ihnen engagieren sich in irgendeiner Form in der Kirche.

«Es geht auch um extreme Provokation»

An sechs Tischen diskutieren sie über sechs Themenbereiche: das seelsorgerische Angebot, die Finanzen, die Infrastruktur, die Kommunikation bzw. Wahrnehmung, Liturgie und Gottesdienste sowie über das Thema Personal, Mitarbeitende und aktive Christen. «Es sind vielschichtige Themen. Aber die Leute haben den Mumm, offen zu diskutieren», sagt Paul Gähwiler-Wick, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Henau-Niederuzwil. Und Guido Kriech von der KMU-Beratung-Kriech aus Niederwil, der das Projekt als externer Berater begleitet, sagt:

«Es geht auch um extreme Provokation.»

Dass Handlung nottut, da scheinen sich die Anwesenden einig. Die katholische Kirche befindet sich landauf landab nicht in bester Verfassung.

Eines der drängendsten Probleme: der Nachwuchs. «Der Anteil unter 30 Jahren fehlt in der Kirche. Unsere Zukunft fehlt», hält eine Teilnehmerin fest. Doch wie die jungen Leute erreichen? Am Tisch zum Thema Kommunikation fallen Stichworte wie Social Media und Whatsapp, sogar Instagram Storys werden zur Sprache gebracht.

Eintritt bezahlen für den Gottesdienst

Die sinkende Zahl Kirchenmitglieder beziehungsweise die sich mehrenden Kirchenaustritte machen auch das Thema Geld zum Diskussionspunkt: Die Einnahmen aus den Kirchensteuern sinken, der Gedanke der Solidargemeinschaft verliert an Attraktivität. «Die Finanzknappheit kommt, aber noch sind wir absolut keine arme Kirche», sagt der Diskussionsleiter. Aus der Runde kommt die provokative Frage:

«Würden wir für den Gottesdienst Eintritt bezahlen?»

Diskutiert wurde auch über das seelsorgerische Angebot. Der Tenor an diesem Tisch: Das Angebot kommt nicht beim Konsumenten an. Für eine Teilnehmerin ist klar, warum: «Wir brauchen keine Schreibtischtäter, sondern Seelsorger, die den direkten Kontakt suchen und Beziehungen pflegen.»

Bei all den Sorgen und Problemen merkt man aber auch: Den Anwesenden liegt ihre Kirche am Herzen. Sie diskutieren engagiert, sie haben unkonventionelle Ideen. Und sie schätzen das Angebot der Kirche. «Gerade für ältere Menschen ist die Kirche sehr wichtig», sagt jemand.

«Sie gibt ein grosses Beziehungsnetz. Die Gefahr der Vereinsamung ist klein.»

Ziel: Projektabschluss Ende 2020

Wie geht es nun weiter? Die diskutierten Themen werden gebündelt, die wichtigsten Schwerpunkte festgehalten. Danach soll ein Projekthandbuch erstellt werden, das die Gesamtziele und die Ziele der einzelnen Teilprojekte festhält. In einer zweiten Phase will man den Kreis ausweiten und auch Menschen ausserhalb der Kirche ansprechen. «Unser Ziel ist, das Projekt Ende 2020 abzuschliessen», sagt Guido Kriech.

Auch in Flawil

Nicht nur in Uzwil, auch in Flawil macht sich die Kirche Gedanken über ihre Zukunft. Das entsprechende Projekt der reformierten Kirchgemeinde Flawil heisst «Generationenkirche». Dafür wurden drei Konzepte erarbeitet, welche die Kirche als Ort für Kultur, zum Feiern und als niederschwellige Begegnungsplattform in den Blick nehmen. Sichtbar war die «Generationenkirche» mit dem «Sommer im Feld». Während dreier Monate fanden verschiedene Anlässe statt. (tos)

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