EINSTIMMUNG: Jetzt kann Weihnachten kommen

Im Kreis um den von Kerzen gebildeten Stern ertönen Lieder, Gedichte und Geschichten. Oberuzwil hat einen verbindenden Brauch: das Weihnachtssingen auf dem Dorfplatz.

Kathrin Meier-Gross
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Das Weihnachtssingen ist für die Oberuzwiler Bevölkerung eine liebgewordene Tradition. (Bilder: Kathrin Meier-Gross)

Das Weihnachtssingen ist für die Oberuzwiler Bevölkerung eine liebgewordene Tradition. (Bilder: Kathrin Meier-Gross)

Kathrin Meier-Gross

redaktion@wilerzeitung.ch

Fast andächtig schaut das Mädchen dem ruhigen Licht zu, das die Kerze in seiner Hand verbreitet. Währenddessen strömen immer mehr Menschen zum Oberuzwiler Dorfplatz. Alle erhalten eine Kerze und ein Liedblatt. Wie von selbst bildet sich ein Kreis um den leuchtenden Stern, den Mitglieder der katholischen Galluspfarrei auf dem Boden ausgelegt haben. Die Bläsergruppe der Musikgesellschaft Bichwil-Oberuzwil testet derweil ihre Instrumente. Dann gibt Dominik Eugster seinen Musikanten das Zeichen und die nächtliche Szenerie wird von einer Weihnachtsmelodie umhüllt. «Trotz fehlendem Schnee ist das Weihnachtssingen ein Zeichen für den baldigen Beginn der Festtage», sagt Reto Almer, Gemeinderat und Präsident der Kulturkommission, bei der Begrüssung der vielen Gäste.

Neben den farbigen Fenstern der Kapelle verbreiten die zahlreichen Lichter auf der Weihnachtstanne, die Kerzenlichter und die geschmückten Häuser Weihnachtsstimmung.

Viele glückliche Gesichter gesehen

Franziska Schmid beginnt mit einem humorvollen Gedicht über das Leben eines nadelabwerfenden Christbaums, der im nächsten Leben lieber ein Bonsai sein will. Die mehrheitlich bekannten Weihnachtslieder werden immer wieder von kurzen Gedichten und Geschichten unterbrochen. Dann lädt Lisbeth Wirth alle Kinder dazu ein, sich rund um die Bühne zu sammeln. Dort nimmt die Erzählerin, die ein bisschen an Trudi Gerster erinnert, die kleinen und grossen Zuhörer mit zu Esel und Ochs. Nachdem die zwei ihren Platz im Stall bei der Krippe gefunden haben, darf jedes Kind ein Teig-Eselchen aus dem grossen Korb nehmen.

Bevor mit «Stille Nacht» das letzte Lied ertönt, spricht Reto Almer den vielen Helferinnen und Helfern seinen Dank aus. Es sei ein gutes Gefühl, so viele glückliche Gesichter zu sehen. Der Stern in der Mitte des Platzes sei Teil der Aktion «eine Million Sterne». Damit solle ein Zeichen der Solidarität gesetzt werden mit jenen, denen es nicht so gut gehe. Lisa Alder, die mit weiteren Helfern Punsch und Glühwein ausschenkt, sagt zufrieden: «Jetzt kann Weihnachten kommen. Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen diesen traditionellen Anlass schätzen».

Heiri Alder, Mitglied der Kulturkommission der Gemeinde Oberuzwil, verteilt den Kindern leckere Eselchen.

Heiri Alder, Mitglied der Kulturkommission der Gemeinde Oberuzwil, verteilt den Kindern leckere Eselchen.

Lisbeth Wirth erzählt, wie Ochse und Esel zur Krippe kamen. Die Kinder hören ihr gespannt zu.

Lisbeth Wirth erzählt, wie Ochse und Esel zur Krippe kamen. Die Kinder hören ihr gespannt zu.