Einstige Pflästerlipolitik rächt sich

Die Strasse durch Tufertschwil ist ein strassenbauliches Flickwerk ohne tragfähige Basis. Diese Erkenntnis offenbarte sich nach dem Beginn der Sanierungsarbeiten. Jetzt wird alles erheblich teurer – der Sanierungsabschnitt deshalb kürzer.

Andrea Häusler
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Mit dem Dorfende beim hellblauen Gebäude links endet neu auch die Sanierungsstrecke. Die Strasse im Vordergrund bleibt vorläufig, wie sie ist. (Bild: Andrea Häusler)

Mit dem Dorfende beim hellblauen Gebäude links endet neu auch die Sanierungsstrecke. Die Strasse im Vordergrund bleibt vorläufig, wie sie ist. (Bild: Andrea Häusler)

LÜTISBURG. Den Vorwurf unzureichender Vorabklärungen brauche sich der Gemeinderat nicht zu machen, sagt Gemeindepräsidentin Imelda Stadler. Sieben Kernbohrungen seien vorab durchgeführt worden. Das Ergebnis habe in keiner Weise gegen die ursprünglich vorgesehene Sanierung der Berg- und Kapellstrasse gesprochen.

Vom Feldweg zur Strasse

Nichtsdestotrotz stellte sich während der Bauarbeiten heraus, dass die Belagsstärke zu gering ist, um die Sanierung wie geplant durchführen zu können. Eine Tatsache, die in der Historie der Strasse durch Tufertschwil in Richtung Winzenberg begründet ist. Diese war dereinst ein Feldweg, der zum Fahrweg und irgendwann mittels Schottertränke staubfrei gemacht wurde. Später kamen Randabschlüsse hinzu, und die Oberfläche wurde mit einem Deckbelag versehen. Der heutige Drainbelag kam – wohl bei der letzten Sanierung vor rund 20 Jahren – zusätzlich obendrauf.

Die ausführende Strassenbaufirma meldete im Verlauf der Bauarbeiten, die zunächst die Randsanierungen und Entwässerungsreparaturen, anschliessend das Fräsen des Belags und das Einbringen eines neuen Deckbelags vorsahen, Bedenken an der Gebrauchstüchtigkeit der Strassen an. Dies insbesondere hinsichtlich der Abgabe von Garantien. Die Befürchtungen des Unternehmers wurden von Spezialisten bestätigt, sagt Imelda Stadler. Die Flickwerke aus der Vergangenheit wären mit der geplanten Variante nicht nachhaltig zu sanieren gewesen.

Mehrkosten von 120 000 Franken

Der Gemeinderat hat sich mit verschiedenen Möglichkeiten befasst, sich letztlich aber deutlich für eine fachlich und technisch korrekte Sanierung der Berg- und Kapellstrasse entschieden. Als Hauptkriterien wurden die Qualität der Sanierung und die Nachhaltigkeit, sprich die Lebensdauer des neuen Belags, definiert. Ferner schenkte er in seiner Beurteilung auch einer künftigen Sanierung – in 20 oder mehr Jahren – Beachtung. Die Fehler der Vergangenheit sollten sich nicht wiederholen. Aufgrund der zu erwartenden Mehrkosten einer «halbpatzigen» Sanierung zuzustimmen, war für den Gemeinderat keine Option, schreibt er unter anderem im Mitteilungsblatt der Gemeinde Lütisburg. Gespart werden soll auf andere Weise. Indem die Bergstrasse nicht wie ursprünglich geplant auf einer Strecke von 900 Metern bis auf die Höhe Grüebli erneuert wird, sondern nur bis zum Ende des Weilers Tufertschwil, der Liegenschaft René Menzi. Laut Gemeindeschreiber Andreas Breitenmoser, der das Projekt seitens der Gemeindebehörden betreut, wird in einem Strassenabschnitt von lediglich noch 600 Metern der Belag bis auf die Fundationsschicht herausgenommen und durch einen neuen ersetzt. Die Mehrkosten gegenüber der ursprünglichen Sanierungsvariante, die mit Kosten von rund 250 000 Franken veranschlagt war, wurden vom Ingenieurbüro Benno Heer ermittelt. Die Berechnung hat ergeben, dass das umfassendere Sanierungsvorhaben rund 120 000 Franken teurer wird. Der Gemeinderat hat den Nachtragskredit im Rahmen seiner Finanzkompetenz genehmigt.