Einst gefürchtet, heute friedlich

Vereinsleben (5) – Die Stadtschützen Wil betreiben den Schiesssport mit viel Engagement und pflegen dabei nicht nur Kameradschaft und Geselligkeit, sondern achten auch auf den verantwortungsvollen Umgang mit ihren Sportgeräten.

Beatrice Oesch
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Die Stadtschützen Wil gehören zu den ältesten Vereinen der Schweiz. Seit dem Gründungsjahr 1420 haben sie mehrmals ihren Namen geändert, und auch in der Vereinsgeschichte hat sich einiges getan. Schaut man zurück ins 15. Jahrhundert, so stellt man fest, dass der jetzt so friedliche Verein damals vor allem im benachbarten Zürcher Gebiet gefürchtet war, denn unter dem Namen «Wiler Böcke» formierten sich Söldner und Schützen zu gar nicht zimperlichen Überfällen. Solcherlei findet heute noch statt, allerdings selbstverständlich nur noch auf sportlicher Ebene. Für die Wiler Zeitung erzählen Robert Signer, Präsident, und Friedrich Kugler, Medienverantwortlicher der Stadtschützen Wil, über die Geschichte und den ideellen Hintergrund ihres Vereins. «Was mich besonders reizt bei den Stadtschützen Wil ist die Tatsache, dass es sich hier nicht um einen elitären Sportverein handelt, sondern dass Frauen und Männer aus den unterschiedlichsten Berufen bei uns dabei sind, und dass Jugendliche bereits ab etwa neun Jahren bei uns mitmachen können», erklärt Friedrich Kugler.

Bisher keine Unglücksfälle

«Besonders froh sind wir darüber, dass es in der langen Vereinsgeschichte nie einen Unglücksfall oder Suizid mit Schusswaffen gegeben hat. Es ist uns immens wichtig, in unserem Sport konsequent auf verantwortungsvollen Umgang mit den Sportgeräten zu achten, und deshalb bleiben die Waffen der Jungschützen bei uns im Schützenhaus», bekräftigt Robert Signer. Über die Munition wird Buch geführt und sie wird im Tresor gelagert. Den Schiesssport kann man bei den Stadtschützen Wil in der vereinseigenen Schiessanlage in der Wiler Thurau in den Kategorien Gewehr 300 m, Pistole 25/50 m, Kleinkaliber 50 m, Luftgewehr und Luftpistole erlernen und trainieren. In dieser teamorientierten Freizeitbeschäftigung konnte der Verein im vergangenen Jahr mit seinem Nachwuchs in der Schweizer Gruppenmeisterschaft in der Disziplin Luftgewehr eine Goldmedaille und bei der Schweizer Meisterschaft der Luftgewehr-Juniorinnen eine Silbermedaille erringen, und am Eidgenössischen Schützenfest in Aarau gab es gleich zwei Sturmgewehr-Schützenkönige. Die Stadtschützen Wil haben heute einen Bestand von rund 200 Mitgliedern, und vor allem der Anteil der Frauen hat in den letzten Jahren markant zugenommen.

Disziplin und Ausdauer fördern

Wer nun bei Schiesssport nur an «Herumballern» denkt, liegt falsch. «Ein geübter Schütze kann diesen Sport zwar bis ins hohe Alter ausüben, und auch Zittern ist kein Hindernis», widerlegt Friedrich Kugler ein altes Vorurteil. «Aber wer gut schiessen will, kommt um Disziplin, Ausdauer fördernde Ausgleichssportarten, mentales oder autogenes Training nicht herum», fügt er hinzu. Kameradschaft und der Zusammenhalt im Verein wird bei den Stadtschützen Wil nicht nur an Trainings und Wettkämpfen, sondern auch an verschiedenen Anlässen gepflegt, wie Robert Signer erläutert: «Wir veranstalten jährlich Gesellschafts-Abende, Familienausflüge und Winterschiessen, und auch der alte Wiler Brauch des «Steckliträge», der auf das Endschiessen der Stadtschützen einstimmt, ist mit seinem farbenfrohen Umzug durch die Wiler Altstadt jeden September eine Attraktion für Gross und Klein.»

In dieser Serie besucht die Wiler Zeitung Vereine, die auf eine lange Tradition zurückblicken.

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