Einst ein Wiler Exportschlager

Unter dem Titel «Schiltbrenner, Schwarzlot und Gallati» zeigt seit Montagabend das Wiler Stadtmuseum eine interessante Ausstellung über die Glasmalerei des 17. Jahrhunderts in der Äbtestadt.

Christof Lampart
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Stadtarchivar und Museumsleiter Werner Warth konnte am Montagabend rund 40 Interessierte zur Vernissage begrüssen. Leider niemanden vom Wiler Ortsbürgerrat, auch wenn der Anlass dafür sehr gut geeignet gewesen wäre. Denn im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Wappenscheibe des Wiler Glasmalers Hans Caspar Galati (1633 bis 1698), welcher die Ortsgemeinde Wil mit der Unterstützung der Kunst- und Museumsfreunde Wil und Umgebung erwarb.

Das ist umso bedeutender, als Wil bis anhin noch gar keine Glasmalerei von Hans Caspar Gallati besass. «Wir sind sehr froh, dass wir diese Lücke dank der grosszügigen Spende schliessen konnten», so Warth hocherfreut. Das Wappen zeigt ein Heiligenbild mit dem heiligen Franziskus und gehört, laut Warth, zu den besten Arbeiten, die man von Hans Caspar Gallati kennt.

In London und St. Petersburg

Von Gallati, welcher vermutlich zwischen 1661 und 1687 als Glasmaler in Wil tätig war, sind bis anhin rund 40 mit «HCG» signierte oder unsignierte Werke bekannt, die ihm mit Bestimmtheit zugeschrieben werden können. Einige Werke der Wiler Glasmaler Niklaus Wirt, Hans Melchior Schmitter, genannt Hug, Hans Weiss, Hans Caspar Gallati und Hans Balthasar Gallati haben, wie man in der Ausstellung sehen kann, auch den Weg in die grosse weite Welt angetreten.

So sind sie heute noch beispielsweise in englischen Kirchen oder in den Kunstsammlungen des Pariser Louvre, der St. Petersburger Eremitage, dem Reichsmuseum im niederländischen Delft oder dem Londoner Victoria & Albert-Museum zu sehen. Klar habe es im 17. Jahrhundert anderswo grössere und qualitativ bessere Glasmalerei-Zentren gegeben, aber dass in Wil zeitweise drei Glasmaler ihr Auskommen gefunden hätten, sei doch sehr beachtlich gewesen. Immerhin sei man damit – zumindest quantitativ – vor St.

Gallen gewesen. Und das sei schon damals beachtlich gewesen, so Warth schmunzelnd.

Kapellenartiges Ambiente

Doch die Ausstellung geht nicht nur auf die Wiler Glasmalerei, sondern auch auf den Ursprung der Kunst und deren Entwicklung in der Schweiz ein. Ein paar alte Glasmalereien aus der Wiler Kirche St. Peter aus dem Jahr 1888, welche vor einigen Jahren entsorgt werden sollten, aber von einem Wiler gerettet und aufbewahrt wurden, sind so angeordnet,

dass ein gelungener kapellenartiger Eindruck entsteht – und das nur wenige Schritte entfernt vom Trubel der Ausstellung. Die vorherrschende Farbe im Raum ist Schwarz, ist dieser doch so ausgekleidet und abgedunkelt, dass die ausgestellten Glasmalereien richtiggehend leuchten und entsprechend gut zur Geltung kommen. Da auch die Leucht-Informationsstelen mit weissen Texten auf schwarzen Grund gehalten sind, erhält die Ausstellung einen geradezu festlichen, noblen Charakter.

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