Einmaliges Kulturgut erhalten

Zwei Studentinnen der Hochschule der Künste Bern arbeiteten schon im Sommer 2013 im Gewölbekeller des Bolt-Hauses in Bazenheid an ihrer Bachelor- beziehungsweise Masterarbeit. Die Malereien im Keller sind sehr wertvoll. (Teil 2, Schluss)

Josef Moser*
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Restaurator Michael Hauser arbeitet am Bild des Kriegsknechts.

Restaurator Michael Hauser arbeitet am Bild des Kriegsknechts.

BAZENHEID. Eva Reiser legte den Fokus ihrer Bachelor-Thesis auf das Bildprogramm, die mögliche Entstehungsgeschichte der Malereien, orientierende bauphysikalische Messungen und den Erhaltungszustand. Sie bestätigte, dass der Gewölbekeller des Bolt-Hauses möglicherweise als Sakralraum während der Reformation genutzt wurde. Die Master-Thesis von Corinne Vorholz zeigte Untersuchungen über die Konservierungsmöglichkeiten der Wandmalereien auf. Die Ergebnisse ihrer Arbeit bildeten eine gute Grundlage für die weiterführenden Massnahmen im Bolt-Haus.

Zwei Malphasen

Corinne Vorholz fand heraus, dass die Secco-Malereien im Bolt-Haus in zwei Phasen aufgetragen worden waren. Die figürlichen Darstellungen, gerahmt von Architekturmalerei, ornamentale sowie pflanzliche Ranken in Rot, Gelb und Schwarz stammen aus der gleichen Zeit wie die untersuchten Balken. Die Rankenornamente erinnern stark an jene im Breny-Haus in Rapperswil, datiert auf das Ende des 15. Jahrhunderts. Um 1600 entstanden die Sockelzone mit den imitierten Quadersteinen, die Muschel oberhalb des Türsturzes und kreisrunde gelbe Blüten, die mit geschwungenen grauen Linien verbunden sind. Es handelt sich in beiden Phasen um Kalk-Secco-Malerei mit proteinischen Bindemitteln auf Kalkschlämmen, wobei die Farben für die zweite Ausmalung ölige Anteile enthalten. Proteinhaltige Bindemittel sind in der Chemie der Farbmittel eiweisshaltige Bindemittel, etwa mit Substanzen aus Eiklar versetzt. Als Farbpigmente wurden solche verwendet, die im 16. Jahrhundert nördlich der Alpen in Gebrauch waren. Roter und gelber Ocker, Kohlenschwarz, Bleimennige, Zinnober, Azurit und Atacamit/Paratacamit. Das sind grüne Mineralfarben.

Im Rahmen ihrer Untersuchungen festigte Corinne Vorholz die Malschichtträger und die Malschicht der Teilfläche mit dem Totengerippe. Die Rissbildung in Wänden und Decke führt sie auf die leichte Hanglage des Gebäudes zurück, das sich im Laufe der Jahrhunderte etwas gesenkt haben könnte.

Bei der Präsentation durch die beiden Kunststudentinnen, unter anderem auch im Beisein von Moritz Flury, Denkmalpfleger und Leiter der Sicherungen und Freilegung der Malereien, war man sich im Einvernehmen mit Hausbesitzer Martin Bolt einig, dass dieses einmalige und wertvolle Kulturgut im Gebäude erhalten werden sollte.

Weitere Malerei entdeckt

Anschliessende bauphysikalische Untersuchungen zeigten ein positives Ergebnis, weil die Gipssiegel, die an verschiedenen Rissstellen angelegt wurden, keine Bewegungen in Mauerwerk und Wänden zu Tage brachten. Ingenieur Kurt Jeisy aus St. Gallen überwachte diese Massnahme und bestätigte die unveränderte Stabilität des Gemäuers. Denkmalpfleger Moritz Flury besorgte die finanziellen Mittel und erhielt aus dem Kulturfonds der Dorfkorporation einen Zustupf, damit die nötigsten Sicherungsmassnahmen in Angriff genommen werden konnten. Die Firma TH-Conservations, Tobias Hotz, Weinfelden, erhielt den Auftrag zugesprochen und schickte Michael Hauser und Corina Rutishauser, zwei Fachkräfte, welche die teils tiefen Risse mit Kalkmörtel füllten. Danach nutzte man die Zeit zur Freilegung von teils oder ganz überdeckten Malereien. Michael Hauser befreite mit dem Skalpell den Kriegsknecht und die Frau, die offenbar die Geliebte des Kriegsknechts darstellt, von restlichen Übertünchungen. An der rechten Hälfte der Westwand deckte Hauser eine weitere Rahmenmalerei auf, in der zwei menschliche Figuren und ein rotes Kreuz fassbar sind. Das neuentdeckte Bild ziert die Westwand etwa in gleicher Dimension wie die Kreuzigungsgruppe daneben. An der Nordwand kamen Rankenmotive der ersten Malphase und schemenhaft ein Anklang auf eine andere Rahmenmalerei zum Vorschein.

Verborgenes zu Tage bringen

Corina Rutishauser legte im Bereich der leichtbekleideten Dame ein Stück der dazugehörigen architektonischen Umrandung aus der ersten und zweiten Malphase frei. Ikonographisch steht der gesamte Raum im Spannungsfeld von äusserst wertvoller sakraler und profaner Malerei, die Bezug nimmt zur Geschichte der Menschen im Gericht Bazenheid während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Ikonographie ist eine wissenschaftliche Methode der Kunstgeschichte, die sich mit der Bestimmung und Deutung von Motiven in Werken der Bildenden Kunst beschäftigt.

Weitere Freilegearbeiten würden, sofern weitere Gelder vorhanden wären, einiges, was noch im Bolt-Haus in Bazenheid verborgen ist, zu Tage bringen.

* Autor Josef Moser ist Dorfchronist in Bazenheid.

Fisch und griechisches Kreuz bei der Eingangstüre des Bolt-Hauses. Dies waren wohl Symbole für Christus. (Bilder: pd)

Fisch und griechisches Kreuz bei der Eingangstüre des Bolt-Hauses. Dies waren wohl Symbole für Christus. (Bilder: pd)

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