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Einkaufsstrassen: Frequenzen sind die Währung von morgen

Der stationäre Handel kämpft seit Jahren mit sinkenden Erträgen. Vor allem der Onlinehandel macht zu schaffen, weil dieses Einkaufsverhalten die Besucherfrequenzen in den Einkaufsstrassen und Läden einbrechen lässt. Gegenmassnahmen sind gefragt.
Hans Suter
Besucherfrequenzen wie am 1. Mai sind in der Wiler Einkaufsstrasse Obere Bahnhofstrasse selten geworden. Der Vorstand von Wil Shopping ist bestrebt, Massnahmen für einen Gegentrend zu finden. (Bilder: Hans Suter)

Besucherfrequenzen wie am 1. Mai sind in der Wiler Einkaufsstrasse Obere Bahnhofstrasse selten geworden. Der Vorstand von Wil Shopping ist bestrebt, Massnahmen für einen Gegentrend zu finden. (Bilder: Hans Suter)

«Der Onlinehandel zehrt an der Substanz des stationären Detailhandels», heisst es in der neuesten Studie der Credit Suisse zum Schweizer Immobilienmarkt. Trotz des konjunkturellen Hochs sei der Umsatz pro Quadratmeter Fläche gesunken. Das lässt aufhorchen. Denn auf dieses Phänomen folgen oft Personalentlassungen, Einschränkungen bei Fläche und Sortiment und im schlimmsten Fall die Geschäftsaufgabe oder gar der Konkurs. Überdies gilt es zu bedenken, dass wir uns in der Schweiz immer noch in einem positiven Wirtschaftszyklus befinden. Nicht auszumalen, was passiert, wenn es wieder einmal zu einer Rezession kommt.

Namhafte Geschäfte verschwunden

Positiv 1: Am Westeingang zur Fussgängerzone entsteht die grösste Vögele-Shoes-Filiale der Schweiz. Nach dem Konkurs von OVS wurden grosse Verkaufsflächen frei.

Positiv 1: Am Westeingang zur Fussgängerzone entsteht die grösste Vögele-Shoes-Filiale der Schweiz. Nach dem Konkurs von OVS wurden grosse Verkaufsflächen frei.

Die Wirtschaftsregion Wil mit der Stadt Wil als Zentrum kann sich diesem Sog nicht entziehen. Ins Auge sticht: Selbst in der Fussgängerzone Obere Bahnhofstrasse – an bester Lage – stehen heute Verkaufsflächen leer. Das war vor zehn, 20 Jahren nur schwer vorstellbar. Heute gehört es zum alltäglichen Bild einer Stadt, Wil ist da keine Ausnahme. In der jüngeren Vergangenheit sind namhafte Geschäfte wie Intersport, Charles Vögele oder Schild aus der Fussgängerzone verschwunden.

Problem hausgemacht - von der eigenen Bevölkerung

Positiv 2: Fielmann bezieht die rechte Hälfte des 600 Quadratmeter grossen Verkaufslokals inmitten der Fussgängerzone, wo früher das Modehaus Schild eingemietet war.

Positiv 2: Fielmann bezieht die rechte Hälfte des 600 Quadratmeter grossen Verkaufslokals inmitten der Fussgängerzone, wo früher das Modehaus Schild eingemietet war.

Trotzdem: Es gibt nach wie vor Wachstum im Detailhandel, nur findet dieser fast nur noch im Onlinehandel statt. Besonders betroffen von der Onlinekonkurrenz sind Branchen wie Bekleidung und Schuhe. Laut der CS-Studie hat der deutsche Onlinehändel Zalando trotz Hitzesommer 2018 weiter Marktanteile gewonnen. Mit einem geschätzten Jahresumsatz von 800 Millionen Franken bringt es Zalando in der Schweiz auf einen Marktanteil von knapp 10 Prozent. Anzumerken gilt, dass Zalando an sich kein Problem darstellt. Es sind vielmehr die Konsumenten, die sich aus welchen Gründen auch immer für den Onlinehandel statt für den stationären Detailhandel entscheiden. Das Problem ist hausgemacht von der eigenen Bevölkerung und liesse sich durch einen Gesinnungswandel lösen.

Weitere Ursachen

Laut den Verfassern der Studie ist es aber nicht nur der Onlinehandel, der sich dämpfend auf die Kauflust im stationären Detailhandel auswirkt. Nach wie vor sei das wöchentliche Einkaufen im günstigeren Ausland beliebt. Ausserdem wirke auch die allgemeine, wenngleich tiefe Teuerung. «In Verbindung mit einem geringen Lohnwachstum bewirkte die Inflation das zweite Jahr in Folge einen leichten Kaufkraftverlust», halten die Autoren der Studie fest. Als positiv für den Detailhandel sei dagegen die Abwertung des Frankens gegenüber dem Euro in der ersten Jahreshälfte 2018 anzusehen. Die Autoren der Studie identifizierten aber noch einen anderen Trend: die sinkende Aufenthaltsqualität in den Städten. «Der Onlinehandel droht, die Frequenzen in den Innenstädten spürbar zu reduzieren.»

Frequenz ist existenziell

Positiv 3: Aus dem «Spielhus am Kreisel» wird ein Schulbetrieb für Stylisten.

Positiv 3: Aus dem «Spielhus am Kreisel» wird ein Schulbetrieb für Stylisten.

«Wo Frequenzen sind, lassen sich Geschäfte machen, wo nicht, muss auch der attraktivste Shop seine Tore schliessen», sagen die Autoren. Der Grund: Der Einkauf finde heute immer weniger als geplantes Ereignis statt. «Dem Faktor Frequenzen ist deshalb höchste Aufmerksamkeit zu schenken. Es erstaunt nicht, dass die Detailhandelsumsätze an den Knoten des öffentlichen Verkehrs am stärksten wachsen.» Es gelte demnach, Frequenzbringer an ausgewählten Standorten zu konzentrieren. Dazu zählen vor allem persönliche Dienstleistungen, die auf echte Bedürfnisse der Bevölkerung ausgerichtet sind (z.B. medizinische Dienstleistungen, Körperpflege, Take-Aways), öffentliche Servicestellen sowie die Versorgung mit Alltagsgütern.

Grundeigentümer und Verwaltung müssen mitziehen

Diese Frequenzbringer gelte es, mit relativ hoher Dichte an ausgewählten Standorten zu konzentrieren. Dafür müssten nicht nur die Grundeigentümer ihre Portfolios, sondern auch die Stadtverwaltungen ihre Standorte überarbeiten. In solchem Umfeld lassen sich ergänzende Detailhandelsnutzungen ansiedeln, die den Mietermix unverwechselbar machen. Derartige Bastionen des stationären Handels liessen sich jedoch nicht flächendeckend etablieren. Dies bedeute, dass auf Basis einer Beurteilung der Zukunftsfähigkeit sowohl des Standorts als auch des aktuellen Mietermixes schmerzhafte Entscheidungen gefällt werden müssen. «Hierzu gehören auch bewusste Entscheide gegen gewisse Standorte», sagen die Autoren der Studie. «Die Stadtverwaltungen sollten dabei die Rolle eines Initiators beziehungsweise Koordinators übernehmen, zumal die aktuelle Entwicklung zur Eile drängt.»
In Wil arbeiten die Ladenvereinigung Wil Shopping und der Stadtrat gemeinsam an einer Strategie, um die Attraktivität und die Besucherfrequenz zu steigern. Erste Resultate werden noch in diesem Jahr erwartet.

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