Einkaufen, Kinder hüten, mit dem Hund Gassi gehen: Die Bewohnerinnen und Bewohner der Region Wil helfen sich gegenseitig

In Krisenzeiten wächst die Solidarität. Über Facebook oder Whatsapp vernetzen sich Hilfesuchende und Helfende.

Tobias Söldi
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Der Gang in die Apotheke macht ein anderer: Menschen, die der Risikogruppe angehören, sollen zu Hause bleiben.

Der Gang in die Apotheke macht ein anderer: Menschen, die der Risikogruppe angehören, sollen zu Hause bleiben.

Bild: Chris Iseli

Wenigstens etwas Gutes hat die Corona-Krise: Die Hilfsangebote für Menschen, die der Risikogruppe angehören oder sich gar in der Quarantäne befinden, schiessen wie Pilze aus dem Boden. Die vom Bundesrat so nachdrücklich beschworene Solidarität ist real geworden.

Diesen Schluss lässt zumindest die Webseite www.hilf-jetzt.ch zu, welche Tipps und Kontakte für die Selbstorganisation bereitstellt, sei es für Unterstützung beim Einkauf, bei der Kinderbetreuung oder beim Gassigehen mit dem Hund.

Die Seite listet 480 Angebote in der ganzen Schweiz auf – Stand Dienstagnachmittag –, die sich mehrheitlich über Facebook, Whatsapp oder Telegram organisieren. Die Betreiber der Homepage mussten am Montag gar vier 100-Prozent-Stellen ausschreiben, um die Arbeit in den nächsten vier Wochen bewältigen zu können.

Euphorischer Kommentar

Auch in der Region sind entsprechende Angebote entstanden: Gemäss Hilf-Jetzt.ch etwa in Wil, Zuzwil, Eschlikon, Bettwiesen, Sirnach, Jonschwil sowie in den Gemeinden Flawil, Degersheim und Uzwil.

Die Rückmeldungen in den sozialen Medien sind positiv. «Di hütig Jugend isch haiaiaii do wemers brucht», schreibt eine Sirnacherin euphorisch in den Kommentaren der Facebook-Gruppe «Sirnach hilft», die vergangenen Freitag von der FEG Sirnach ins Leben gerufen wurde

Die Rückmeldungen abwarten

Susanne Schuh, welche die «Helfende Hand Jonschwil» initiiert hat, sagt:

«Wichtig ist: Die Leute sollen wissen, dass es Hilfe gibt, dass Solidarität da ist.»

Die aus sechs Helferinnen und Helfern bestehende Gruppe ist seit Montag im Einsatz und konzentriert sich auf die Unterstützung beim Wocheneinkauf. «Offiziell haben wir noch nichts ausgeliefert», sagt Schuh am Dienstagvormittag auf Nachfrage.

«Wir warten jetzt einmal die Rückmeldungen ab und hoffen, dass sich Hilfesuchende auch wirklich melden.» Eine Hürde sieht sie dabei darin, dass viele Leute gar nicht wissen, wie und wo sie Hilfe holen können.

Flyer in Arztpraxen und Drogerien

Auf eine ähnliche Herausforderung ist Laura Bolt aus Flawil gestossen. Sie hat am Sonntag die Facebook-Gruppe #hilftjetzt Umgebung Flawil/Degersheim/Uzwil ins Leben gerufen, nachdem sie festgestellt hatte, dass in ihrer Region ein entsprechendes Angebot fehlte. «Wir wurden aber nicht gerade mit Hilfesuchenden überrollt», sagt sie.

Das Problem: Ältere Leuten sind weniger auf den Sozialen Medien aktiv. Um sie trotzdem zu erreichen, werden seit gestern Flyer bei der Spitex, in Arztpraxen oder Drogerien verteilt. Über die Facebook-Gruppe, die aktuell 137 Mitglieder zählt, werden dann vor allem Helferinnen und Helfer vermittelt.

Dabei geht es um Tätigkeiten, welche Menschen der Risikogruppe nicht mehr übernehmen sollten, etwa den Einkauf von Lebensmitteln oder Medikamenten. Bolt betont aber:

«Wichtig scheint mir auch, nicht nur auf die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit zu achten.»

Hygienevorschriften berücksichtigen

Doch wie läuft die Einkaufshilfe genau ab? Der direkte Kontakt soll ja möglichst vermieden werden. Bei der «Helfenden Hand Jonschwil» finden sich entsprechende Dokumente, die Aufschluss über den Ablauf geben: Nachdem die helfende Person – die natürlich gesund sein muss – über die Organisation an die hilfesuchende Person vermittelt worden ist, machen die beiden einen Termin ab. Der Betroffene bereitet eine Einkaufstasche mit Bargeld und Einkaufszettel vor, der Helfer klingelt und nimmt die deponierten Utensilien in Empfang. Nach dem Einkauf erhält der Hilfesuchende den Einkauf, das Rückgeld und die Quittung zurück.

Selbstverständlich passiert dabei alles unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften. Will heissen: kein Händeschütteln, genügend Abstand, keine Hamsterkäufe, regelmässiges Händewaschen. Auch die Wohnungen der älteren Menschen dürfen nicht betreten werden – auch wenn diese zum Dank einen Kaffee anbieten, wie es in den Regeln der «Helfenden Hand» heisst.

Die Helfende Hand Jonschwil ist unter 076 604 42 07 erreichbar.
Die Gruppe #hilftjetzt Umgebung Flawil/Degersheim/Uzwil ist unter folgenden Nummern erreichbar: Für Flawil ist Eliane Brändle zuständig (078 922 14 52), für Degersheim Brigitte Schättin-Streit (079 328 51 27), für Uzwil Sabine Piller-Haller (079 299 55 71).