Einigung in der Causa Posttunnel: Die Stadt Wil kann die künftige Veloquerung über Umwege sichern

Bald kann man am Bahnhof Wil die Gleise nicht mehr mit dem Velo queren. Der geplante Umbau des Bahnhofs reisst ein schmerzliches Loch in die städtische Velostrategie. Der stillgelegte Posttunnel unter den Gleisen soll Abhilfe schaffen. Nun wurde eine Lösung gefunden, die allen Parteien Vorteile bringt.

Dinah Hauser
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Von aussen kaum sichtbar: Nur die Lifte auf den Perrons lassen erkennen, dass unter den Gleisen der stillgelegte Posttunnel verläuft. Ehemals genutzt für den Transport von Päckli und Briefen, soll er künftig als Velounterführung dienen.

Von aussen kaum sichtbar: Nur die Lifte auf den Perrons lassen erkennen, dass unter den Gleisen der stillgelegte Posttunnel verläuft. Ehemals genutzt für den Transport von Päckli und Briefen, soll er künftig als Velounterführung dienen.

Bild: Tobias Garcia (10. November 2020)

Ab Sommer 2021 soll der Bahnhof Wil umgebaut werden. Ab dann sind auch die Velofahrer aus der Personenunterführung verbannt. Sowieso ist der Velostreifen in Wil eine der seltenen Ausnahmen – normalerweise gilt in Schweizer Bahnhöfen ein Fahrverbot.

Damit im städtischen Velokonzept kein Loch entsteht, soll der stillgelegte Posttunnel umgenutzt werden. Denn nebst der Unterführung Hubstrasse besteht im Zentrum nur am Bahnhof die Möglichkeit für den Fuss- und Veloverkehr, auf die andere Gleisseite zu gelangen.

Ausgangslage hat sich geändert

Wie nun bekannt wird, ist ein wichtiger Schritt in dieser Angelegenheit erfolgt: Die SBB AG, die Post Immobilien AG, die Mettler2Invest AG und die Stadt Wil haben sich vertraglich zum Posttunnel geeinigt. Dafür waren monatelange Verhandlungen nötig. Zwar hatte sich die Stadt schon 2016 verpflichtet, den Tunnel zu erwerben, allerdings hat sich unterdessen die Ausgangslage für den Vertrag geändert, wie Stadtplanerin Beatrice Aebi erklärt.

So ging man damals davon aus, dass Mettler2Invest als Erstes nebenan auf dem Landhausareal bauen würde. Nun sind es aber die SBB, die mit dem Bahnhofsumbau als Erstes Hand am Tunnel anlegen – eine geplante Treppe touchiert den Tunnel. Zudem muss er instand gesetzt werden. So geht der Tunnel während des Umbaus temporär in den Besitz der SBB über.

«Die Stadt Wil übernimmt den Posttunnel, wenn die Veloquerung realisiert wird», sagt Aebi. Also dann, wenn die Finanzierung über das Agglomerationsprogramm 4. Generation gesichert ist und die Bevölkerung den entsprechenden Krediten zugestimmt hat. Am Preis hat sich über die Jahre allerdings nichts geändert: 150'000 Franken bezahlt die Stadt der Post, wenn alles nach Plan läuft. Die SBB übernehmen die Kosten für die baulichen Tätigkeiten wie Verstärkung oder Abdichtung, wie von den SBB bestätigt wird.

Weitere Verhandlungen folgen

Die Einigung bringt Vorteile für alle Verhandlungspartner: Die Post veräussert eine ungenutzte Immobilie, der Bahnausbau kommt ohne Enteignungsverfahren aus, die Ertüchtigung des Tunnels ist gesichert und die Stadt kann mit einer neuen Veloquerung rechnen. «Wil hat das Glück, schon einen bestehenden Tunnel zu haben», sagt Aebi. In Winterthur müsse dafür eigens eine neue Unterführung gebaut werden. Einzig fehlen in Wil noch die Zugänge.

Diese ziehen noch weitere Verhandlungen nach sich. So plant Mettler2Invest auf dem Landhausareal eine Überbauung mit unterirdischer Veloparkanlage. Der Zugang zu dieser sowie dem Velotunnel soll mittels Rampen sichergestellt werden. Eine davon führt über das Bahnhofsareal der SBB. Vergangene Woche wurde angekündigt, dass das Avec-Rondell im Weg stehe und abgebrochen werden müsse. Wie die bauliche Lösung aussieht, ist laut Aebi noch nicht klar. «Die Planungsarbeiten und die Verhandlungen zwischen SBB und Stadt hierzu sind im Gange.»