Einheit in der Vielfalt

Am Sonntag konzertierte in der Kirche Oberglatt das Eos Guitar Quartett als Gast des Abendmusikzyklus Flawil-Gossau. Das Programm bestand aus klassischen Werken ebenso wie aus Stücken noch lebender Komponisten.

Carola Nadler
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Am Sonntag konzertierte das Eos-Guitar-Quartett in Oberglatt. (Bild: can.)

Am Sonntag konzertierte das Eos-Guitar-Quartett in Oberglatt. (Bild: can.)

OBERGLATT. Die überaus abwechslungsreiche Programmgestaltung stand den vier Gitarren gut zu Gesicht, bietet doch der Klang eines solchen Ensembles auf die Dauer eines ganzen Konzertes keine Überraschungen mehr. Doch mit dem mutigen Wechsel aus zeitgenössischer Moderne mit zum Teil experimentellen Handhabungen des Instruments und Juwelen der klassischen Musik schufen die vier Musiker ein Konzept, das die Zuschauer bis zuletzt aufmerksam und mit Freude zuhören liess.

Viele Kontraste

Der Klang einer Gitarre entspannt und regt gleichzeitig an: Der warme Nachhall des grossen Schallkörpers bildet mit den perkussiven Effekten beim Anschlagen oder Anzupfen der Saiten einen spannenden Kontrast. Subtil kosteten die vier Musiker des Eos-Quartetts diese Spannungen aus: Feingliedrige Melodien über Arpeggien wechselten sich überraschend mit feurigen Fandangos und volltönenden Barockklängen ab, ein Rossini ging Hand in Hand mit einem Ralf Vollenweider.

Zu ihrem 20. Jubiläum hatte das Quartett zahlreiche befreundete Komponisten gebeten, kleinere Werke für sie zu schreiben. Daraus entstand ein Strauss vielfältigster Stimmungsbilder, wie das «Naranjas urbanos» des Argentiniers Máximo D. Pujol, etwa mit städtischem Orange zu übersetzen: Mit immer neuen Figuren und Klangbildern, scheinbar formlos aneinander gereiht, zog dieses Stück vom ersten Moment in seinen Bann. Gioacchino Rossinis Ouverture zu «Der Barbier von Sevilla» gehört zu den meistgespielten Werken des Opernrepertoires, jede Wendung scheint vertraut.

Das Eos-Quartett spielte diese Ouverture mit seiner ihm eigenen Frische, kostete die Spannungen zwischen grossen Dynamikgesten und filigransten Melodien wunderbar aus. Das Allegro aus dem 6. Brandenburgischen Konzert von Johann Sebastian Bach dagegen kam sehr volltönend daher, wuchtig die «vielen Noten», als sollte die ganze Fülle barocker Pracht auf 26 Saiten wiedergegeben werden. Was aber keineswegs klang, als hätten die Gitarren den Mund zu voll genommen: Vielmehr sprühten sie vor Lebensfreude und Energie.

Keine erste Gitarre

Daran reihte sich Luigi Boccherinis Grave assai und Fandango, Letzteres ein spanischer Tanz in einem Dreier- oder Sechsertakt, tänzerisch, lustvoll interpretiert. Marcel Ege, Martin Pirktl, David Sautter und Michael Winkler bezeichnen sich selbst als gelebte, helvetische Demokratie, wie es auf ihrer Homepage heisst: Keiner ist der Chef, keiner spielt die erste Gitarre.

Damit erklärt sich der homogene Gesamteindruck des Ensembles, die Leichtigkeit in ihrer Spielfreude, sich auch auf Experimentelles einzulassen, sich der Innovation der Komponisten hinzugeben, ohne jemals technische Perfektion vermissen zu lassen – und immer mit ein klein wenig Schalk in den Augen.

Den Abschluss des Konzertes machten mit Camille Saint-Saëns und Georges Bizet wieder zwei bekannte Komponisten der französischen Romantik, die den Abend mit einer wohligen Abrundung versahen.

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