Einfach nicht Letzter werden

Peter Roseney lebt in Wil und wird bald 68 Jahre alt. Sein Alter hindert ihn aber nicht daran, noch fast täglich den Nervenkitzel zu suchen; ob durch seine Leidenschaft fürs Turmspringen oder durch das Gleitschirmfliegen.

Daria Baur
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Peter Roseney macht nicht mehr die spektakulärsten Sprünge, achtet aber auf die korrekte Ausführung. (Bild: pd)

Peter Roseney macht nicht mehr die spektakulärsten Sprünge, achtet aber auf die korrekte Ausführung. (Bild: pd)

WIL. Als Peter Roseney zwölf Jahre alt war, besuchte er in Wien, wo er aufgewachsen ist, mit seinen Eltern das Amalienbad. «Dort beobachtete ich einige Turmspringer und war sofort begeistert», erzählt er. Allerdings hielten seine Eltern ihn noch zu jung für diese Sportart und verboten ihm das Training.

Österreichischer Meister

Als er zwei Jahre später eine Lehre als Elektromechaniker in der Nähe des Bades begann, entschied er sich - immer noch entgegen den Willen seiner Eltern –, das Turmspringtraining zu besuchen. So trainierte er einige Jahre in Wien, wurde sogar österreichischer Meister und zog dann nach Lustenau. Dort begann er, selbst eine Gruppe von Kindern zu trainieren. Später zog es ihn in die Schweiz. Peter Roseney brachte im Schwimmclub St. Gallen Kindern das Turmspringen bei – und tut dies bis heute. Ebenfalls bis heute nimmt Roseney noch selbst an Wettkämpfen teil. 1987 wurde er auch in der Schweiz nationaler Meister in der Kombination Turm und Brett.

Nicht Letzter werden

«Wenn ich das Turmspringen aufgegeben hätte, wären meine Muskeln schlapp, mein Körper sähe einiges älter aus und mein Bauch wäre noch grösser», sagt er lachend. So geht er noch immer an Wettkämpfe, wie etwa vergangenes Wochenende ins Maggiatal. «Mein Ziel ist es aber längst nicht mehr, zu gewinnen. Ich möchte einfach dabei sein und wenn möglich nicht Letzter werden.» Dies will er vor allem dadurch erreichen, dass er seine einfacheren Sprünge schön absolviert. So kann er noch vor den jüngeren Springern landen, die bei komplizierten Sprüngen Schwierigkeiten haben.

Heute springt Roseney schon seit 54 Jahren von Türmen in die Becken, seit 30 Jahren auch von Klippen. Beim Klippenspringen, erklärt er, seien jeweils viel mehr jüngere Teilnehmer dabei. Deren Vorteil sei es, dass sie immer mehr dazulernen können. In seinem Alter sei dies schwierig. «Aber den Kopfsprung aus 20 Metern macht ausser mir niemand», sagt er.

Dreimal pro Woche ins Fitness

Auch Peter Roseneys Kinder wurden vom Lieblingssport ihres Vaters angesteckt. Seraina und Curdin wurden beide schon Schweizer Meister. Inzwischen ist Roseneys Tochter aber verstorben und Curdin wendet sich zum Bedauern seines Vaters immer mehr vom Sport ab.

Um fit zu bleiben und die Muskeln für die anspruchsvollen Sprünge zu stärken, besucht Roseney, der seit 35 Jahren in Wil wohnt, dreimal in der Woche das Fitnessstudio. «Das ist vor allem wichtig für die Arme, da auf diese beim Eintauchen eine enorme Kraft durch das Wasser wirkt.»

«Der Nervenkitzel reizt mich»

Im Laufe der Zeit hat Peter Roseney eine zweite Leidenschaft entdeckt: das Gleitschirmfliegen. «Es ist ähnlich wie beim Turmspringen. Dieser Nervenkitzel beim Start, oder eben beim Absprung, reizt mich.» Ausserdem sei Gleitschirmfliegen etwas, das er auch wenn er mal nicht mehr so fit ist, noch lange machen kann. Vergangenes Jahr hat er alle Prüfungen abgeschlossen und darf nun auf der ganzen Welt mit seinem Gleitschirm fliegen. Mittlerweile hat er schon 200 Flüge durchgeführt.

Wie der Clown im Zirkus

Etwas anderes, das Roseney am Turmspringen gefällt, ist die Selbstdarstellung. «Man kann zeigen, wer man ist, was man kann und die Leute damit unterhalten. Wie zum Beispiel ein Clown im Zirkus», sagt er. So lerne man durch das Turmspringen auch, selbstbewusst zu sein und sich durchsetzen zu können. «Viele der Kinder, die ich trainiert habe, sind heute erfolgreiche Geschäftsleute. Sie haben eben früh gelernt, sich durchzusetzen.»

Bereits steht der nächste Wettkampf bevor: Morgen reist Roseney nach Tschechien, wo er mit Teilnehmern aus der ganzen Welt am sogenannten «High Jump» dabei sein wird.

Obwohl Peter Roseney fast 68jährig ist, ist er noch in seiner eigens gegründeten Druckerei tätig. «Ich arbeite zwar nur noch zu 50 Prozent. Aber irgendwie muss ich die ganzen Ausflüge für die Wettkämpfe ja bezahlen», sagt er schmunzelnd.

Zu 50 Prozent arbeitet Peter Roseney noch in seiner Druckerei. (Bild: Daria Baur)

Zu 50 Prozent arbeitet Peter Roseney noch in seiner Druckerei. (Bild: Daria Baur)