Einer von zweien fand heim

Auf dem Sulzerhof in Aadorf entwischten zwei Pfauenweibchen. Sowohl Anwohner wie auch Besitzer suchten lange vergebens. Dem Vogelflüsterer Werner Minder gelang es schliesslich, eines der Tiere einzufangen.

Tanja von Arx
Merken
Drucken
Teilen
Vogelflüsterer Werner Minder auf seinem Landsitz in Aadorf. Er steht vor dem Gehege seiner Papageien, zu sehen ist Chicco. (Bild: Olaf Kühne)

Vogelflüsterer Werner Minder auf seinem Landsitz in Aadorf. Er steht vor dem Gehege seiner Papageien, zu sehen ist Chicco. (Bild: Olaf Kühne)

AADORF. Ihn einzufangen sei fast aussichtslos. «Wenn man dem Pfau näher kommt als fünf Meter, erschrickt er und fliegt weg» – das sagte Peter Granwehr, als ihm vor einem Monat zwei seiner Vögel entwischten, Mutter- und Tochtertier, die er auf dem Sulzerhof in Aadorf hielt. Das praktisch Unmögliche geschafft hat gleichwohl Werner Minder aus dem Dorf.

Mit Wolldecke und Holzharass

«Es war um die Mittagszeit, als ich einen Anruf von einer Frau Burri erhielt», sagt Minder. Burri sagte dem 68-Jährigen, der Vogel spaziere in ihrem Garten nahe dem Aadorfer Klosterplatz umher. «Vermutlich suchte er etwas zu futtern.»

Werner Minder, der selbst vor zwanzig Jahren Pfauen hielt – «heute noch Gänse, Hühner und Papageien auf meinem Landsitz zwischen Bahnhof und Kantonsgrenze» –, verlor keine Zeit. Er packte einen Holzharass und eine Wolldecke, stieg in seinen Citroën und fuhr zu Frau Burri.

Er packte den Pfau ins Auto

Dort habe die Frau gestanden, ganz nervös. «Sie müssen mich machen lassen», sagte Minder. «Man muss ruhig bleiben, wenn man auf die Tiere zugeht.» Er trieb den weiblichen Pfau in eine Ecke zwischen Hausmauer und Gartenhag. «Da konnte er nicht weg, denn er braucht Anflug.» Minder stülpte die Decke über ihn und packte ihn in die Kiste. Diese verlud er in sein Auto.

Mit der Fracht fuhr er zum Sulzerhof. «Ich hatte in der Zeitung von dem Pfau gelesen. Da hiess es, es wäre einer von hier.» Er klingelte, ein Mann öffnete die Tür. «Heissen Sie Granwehr?» – «Der bin ich.» – «Ich habe Ihren Pfau.» Die beiden gingen zum Citroën, fünf Meter vor dem Hühnerstall, wo der Pfau entwischt war. Vorsichtig nahm Minder den Vogel, eingewickelt in die Wolldecke, unter seinen Arm, um ihn in den Stall zum da verbliebenen männlichen Pfau zu schaffen. Doch das Weibchen entwischte ein zweites Mal. Es kroch nahe dem Hinterrad unter den Wagen und entflog auf der anderen Seite auf die Schafweide beim Hof.

Minder gab nicht auf. Er ging auf den Pfau zu und redete beruhigend auf ihn ein. Schritt für Schritt trieb er ihn vor sich her in Richtung des Stalls, wo eine Tür offen stand – zu einem Raum, in dem im Sommer die Schafe bei Schlechtwetter Zuflucht suchen. Das Weibchen spazierte hinein, Minder versperrte den Eingang, und Granwehr öffnete eine Klappe, die ins Aussengehege führt. «Dort schien die Sonne hinein», erinnert er sich, «es war mittags um eins.» Ganz von allein fand schliesslich der Pfau durch die Luke zurück ins Gehege.

Zweiter Pfau nach wie vor frei

«Beim Pfau, der wieder in Obhut ist, handelt es sich um das Muttertier», sagt Besitzer Granwehr. Er habe diese nun seinem Sohn Felix zur Aufsicht gegeben. «Die Tochter der Pfauenfamilie ist nach wie vor flüchtig.» Granwehr höre ab und an, dass diese mit dem männlichen Pfau kommuniziere. «Sie ist hier irgendwo auf dem Areal.» Machen könne er nicht viel, da pflichtet ihm Werner Minder bei. «Das sind eigenwillige Tiere.»

Peter Granwehr geht aber davon aus, dass die Tochter bei schlechtem Wetter, je kälter es werde, zurückkehre. Auch, um bei ihrem Bruder zu sein. Und Vogelflüsterer Minder sagt: «Die Leute hier wissen, dass ich gut mit den Vögeln umgehen kann.» Bei einem weiteren Anruf käme er sofort vorbei.