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Ohne Heinz Niedermann sähe die Flawiler Vereinslandschaft anders aus

Er sei eine «Marke» in Flawil, schreibt die Gemeinde. Für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement in zahlreichen Vereinen erhält Heinz Niedermann den Flawiler Preis 2018.
Tobias Söldi
Heinz Niedermann schaut gerne auf seine Vereinszeit zurück: «Es war mir immer wohl in all den Vereinen, in denen ich war.» (Bilder: Tobias Söldi)

Heinz Niedermann schaut gerne auf seine Vereinszeit zurück: «Es war mir immer wohl in all den Vereinen, in denen ich war.» (Bilder: Tobias Söldi)

Heinz Niedermann ist ein wandelndes Lexikon. Kein Ereignis in Flawil, keine lokale Persönlichkeit, keine Dorfgeschichte, die er nicht zu kennen scheint. Sein jahrzehntelanges Engagement für verschiedene Sport- und Kulturvereine hat ihn zu einem Kenner der Gemeinde gemacht.

Die Liste an Vereinen, in denen sich Niedermann engagiert und engagiert hat, ist lang, seine Erinnerungen reich an Anekdoten. Ihren Anfang nahm die Leidenschaft fürs Vereinswesen im Schwimmclub Pinguin, dem ersten Verein, dem er beitrat. Auf das Wasser folgte die Wiese: Niedermann spielte beim FC Flawil, war später Präsident, Trainer und Betreuer von Juniorenteams und amtet heute als Sekretär der Veteranenvereinigung. Das Fussballspielen lag in der Familie. Sein Vater war «vergifteter Fussballer» – und engagiertes Vereinsmitglied. Nach seiner Pensionierung hat er beim FC Flawil als Juniorentrainer gewirkt.

«Alles geht nicht, vieles schon»

Beim EHC Flawil engagierte sich Niedermann ebenso wie beim Handballclub, und auch als Schütze versuchte er sich – legte dort aber bloss ein «bescheidenes Talent» an den Tag. Der Gesang bildete eine weitere Passion. «Ich hatte schon immer viele Interessen», sagt der Flawiler. Früh stiess er zum Männerchor Harmonie. Als gut 20-Jähriger war er eines der jüngsten Mitglieder. Dort nahm er auch seine erste Vorstandstätigkeit als Aktuar auf. Und im Frühling dieses Jahres organisierte er als OK-Präsident für den Sängerbund an der Thur das Fest zum 150-Jahre-Jubiläum.

Für diese Engagements erhält Niedermann nun den neunten Flawiler Preis. Die Auszeichnung hat ihn überrascht. «Ich bin aus allen Wolken gefallen.»

Hinter seinem unermüdlichen Einsatz steckt eine Überzeugung: «Ich wollte nie nur Mitglied sein und von einem Verein profitieren, sondern immer auch etwas bewirken und zurückgeben», erklärt er. Nie hat er sich dabei aktiv um einen Posten beworben, «aber wenn es jemanden gebraucht hat, dann habe ich es gemacht». Ein Charakterzug war an den zahlreichen Engagements nicht unschuldig: «Ich kann einfach nicht ‹Nein› sagen. Das Wörtchen existiert zwar in meinem Wortschatz, kommt aber viel zu wenig zum Einsatz.» Ist er einmal zum Aktuar, Präsident, Kassier, Trainer oder Veteranen-Obmann gewählt worden, dann wollte er seine Arbeit richtig machen. «Ich mache keine halben Sachen», sagt Niedermann. Wie hat der ehemalige Sekundarlehrer und heutige Rentenadministrator bei der Raiffeisenbank das alles unter einen Hut gebracht? «Ein Tag hat 24 Stunden, man muss sich die Zeit einteilen. Alles geht nicht, vieles schon», meint er, und ergänzt: «Manchmal war es aber schon belastend.»

Heinz Niedermann (im Anzug) als Präsident des FC Flawil Mitte der 90er-Jahren.

Heinz Niedermann (im Anzug) als Präsident des FC Flawil Mitte der 90er-Jahren.

Wehmut über das Vereinssterben

Flawil bescheinigt er ein «sehr intaktes» Vereinsleben. Auch mit seinen rund 10000 Einwohnern sei Flawil ein Dorf geblieben, man kenne sich und grüsse sich auf der Strasse. Das kommt dem Vereinsleben zugute. Trotzdem: Im Laufe der Jahre hat er Vereine schrumpfen oder gar eingehen sehen. Der Männerchor etwa, einst eine 70 Mann starke Truppe, musste seine Singtätigkeit unlängst einstellen. Es ist eine Problematik, mit dem viele Vereine zu kämpfen haben, und die Niedermann wehmütig stimmt. Über die Gründe hat er viel sinniert. Spielten sich Arbeit und Freizeit früher weitgehend in der Gemeinde ab, steht einem heute alles offen. Dorfvereine haben an Bedeutung verloren. «Hat man früher das Flawil-Ortsschild im Rückspiegel gesehen, war das ein Ereignis», erinnert sich der 59-Jährige. Auch die Mentalität der Leute sei anders. Niedermann diagnostiziert eine gewisse Hemmung, sich an einen Verein, einen Posten, zu binden. «Die Leute wollen sich nicht längerfristig auf etwas einlassen.» Auch die Konsumhaltung kritisiert er. Man wolle profitieren vom Verein, aber nichts investieren.

Das Team erbringt die Leistung

Seinem Engagement in den Vereinen ist auch eine fast schon philosophische Erkenntnis erwachsen: «Einer allein macht es nie aus. Es ist immer das Team, das am Ende die Leistung erbringt.» Dem grassierenden Individualismus steht er skeptisch gegenüber. Er zieht einen Vergleich aus der Fussballwelt heran: «Die Gesellschaft nimmt nur Neymar wahr, aber es braucht ein Team, das ihm die Pässe zuspielt.» Zum Team wurden die Vereinsmitglieder dabei auch in den Dorfbeizen, untrennbar mit dem Vereinsleben verbundene Orte. Er erinnert sich an die Notwendigkeit eines Beizenplans, damit die Fussballmannschaften des FC Flawils aneinander vorbeikamen.

Jetzt will Niedermann kürzer treten. Bis Ende März arbeitet er noch für die Raiffeisen Pensionskasse, dann will er sich vermehrt seinen beiden Hobbys, dem Töfffahren und den Zigarren, widmen. Ein Vereinspräsidium würde er wohl nicht mehr annehmen. «Die Batterien sind ein wenig aufgebraucht», sagt er. Aber Niedermann wäre nicht Niedermann, bliebe das sein letztes Wort. Er wisse nicht, was er sagen würde, wenn er nochmals eine Anfrage erhielte. «Vielleicht versuche ich es ja dann doch noch einmal», sagt er verschmitzt.

Hinweis: Der Flawiler Preis wird am 27. November im Anschluss an die Bürgerversammlung verliehen.

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